idea-Haus und Partner-Massivhaus : Geschäftsführer wegen Bauträger-Pleite vor Gericht

Statt eines neuen Eigenheims erhielten Hausbauer nur einen Rohbau, Handwerker blieben auf Rechnungen sitzen - weil zwei Bauträger pleite gingen.

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06. Juni 2013, 10:26 Uhr

Flensburg/Kiel | Vor der 3. Strafkammer am Kieler Landgericht schließt sich gerade ein großer Kreis. Im Zentrum sitzt der Angeklagte Klaus K., der über Jahre - mal von Büdelsdorf, zuletzt von Flensburg aus - Hunderte Bauherren und Handwerker um ihr Geld gebracht haben soll. Mit seinem Namen sind eine ganz große und eine kleinere Pleite verknüpft. Verhandelt wird im Moment die ganz große - die Insolvenz von idea-Haus, nach eigenen Angaben zum Zeitpunkt ihres Untergangs im Oktober 2006 der größte Anbieter von Design-Häusern in Norddeutschland. Mit der kleineren Sache hat K. vor allem im Flensburger Umkreis gewirkt. Auch hier waren Häuslebauer auf völlig überzahlten Rohbauten, Handwerker und Lieferanten auf unbezahlten Rechnungen sitzen geblieben, als sich die neue K.-Firma "Partner Massivhaus" vom Markt in die Insolvenz verabschiedete.
Beide Firmenpleiten sind zu einem Verfahren zusammengefasst worden. Die Staatsanwaltschaft hat K. wegen Betruges, Insolvenz-Verschleppung und Bankrotts angeklagt - abgearbeitet werden 101 einzelne Tatvorwürfe, wobei aktuell die Rolle des 59-Jährigen bei der idea-Insolvenz im Fokus steht. K. wurde 2006 offiziell als Vertriebsmitarbeiter geführt, aber die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass er de facto die Firma steuerte, die im Oktober 2006 wohl viel zu spät Insolvenzantrag stellte. Im Unternehmen ließen sich damals gerade noch 23.000 Euro finden. Demgegenüber aber standen Forderungen in Millionenhöhe.

18-jährige Tochter kaufte ländliches Anwesen

Nach Angaben des Richters Sebastian Brommanns untersucht die Kammer auch, ob K. nicht in der Endphase des Unternehmensuntergangs noch Vermögen beiseite geschafft hat. In diesem Zusammenhang steht möglicherweise auch der Ankauf eines großen ländlichen Anwesens in Angeln durch die damals gerade 18-jährige Tochter und idea-Gesellschafterin Steffi K. Vater Klaus jedenfalls war dazu nicht mehr in der Lage. Die idea-Pleite hatte ihn in die Privatinsolvenz getrieben.
Die Millionenpleite in Büdelsdorf hinderte Klaus K. freilich nicht daran, relativ fix wieder auf dem Markt der Discount-Häuser aktiv zu werden. Mitte 2010 ging Partner-Massivhaus an den Start. Und wie schon idea-Haus versprach auch die neue Firma den Leuten schlüsselfertige Einfamilienhäuser für unter 100.000 Euro. Diesmal war das Abenteuer noch schneller beendet - im Mai 2011 musste K. für Partner-Massivhaus Insolvenz anmelden. Schlecht für die Kundschaft: Wie schon fünf Jahre zuvor bei idea waren auch die Massivhaus-Konten leer. Beispielhaft für viele Kunden stand eine Flensburger Familie, die ihr Haus im voraus fast vollständig bezahlt hatte, aber nur einen Rohbau geliefert bekommen hatte. In einer beispiellosen Aktion hatte 2011/2012 die Flensburger Kreishandwerkerschaft die Ruine mit den geprellten Häuslebauern in ein Einfamilienhaus verwandelt und diese Aktion genutzt, um vor den Billigheimern auf dem Markt zu warnen.
In perfekter Orchestrierung dazu ging mit IBG-Haus im Dezember 2012 die Urmutter der Bauträgerfirmen in die Insolvenz. Und zwar nach dem gleichen Muster: Hausdurchsuchungen, Haftbefehle, Ermittlungen der Kieler Schwerpunktstaatsanwaltschaft für Wirtschaftsdelikte. Hier hatte Klaus K. in den 90er Jahren seinen Weg begonnen - gemeinsam mit seinem langjährigen Partner (und IBG-Gründer) Leonhard B. Auch der wird noch in Kiel vor Gericht erscheinen. Auch er als Angeklagter in Sachen idea-Haus. Das Verfahren wurde nach Angaben Brommanns abgetrennt und wird gesondert verfolgt. Beiden drohen im Falle einer Verurteilung bis zu fünf Jahre Haft.

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