zur Navigation springen

Kommentar : Gerichtsurteile reichen nicht

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Um wieder mehr Menschen zur Organspende zu ermutigen, braucht es zusätzliche Information und Vertrauen. Ein Kommentar von Thomas Habicht.

shz.de von
erstellt am 16.Jan.2014 | 08:36 Uhr

Mit eindrucksvoller Selbstkritik benennt Ärztepräsident Frank Ulrich Montgomery die wichtigste Ursache des Rückgangs an Organspenden: Die aufgedeckte Bevorzugung von Patienten durch Chirurgen mehrerer Transplantationszentren hat Spender verunsichert. Eine Entscheidung, die ohnehin schicksalsträchtig ist, wurde Spendern zusätzlich erschwert. Wer über den eigenen Tod und dessen Nutzen für Schwerstkranke entscheiden soll, will seine Organspende keiner Manipulation ausgesetzt sehen, die womöglich auch noch finanziell motiviert ist. Es ist realistisch, dass Montgomery erst dann eine größere Bereitschaft zur Organspende erwartet, wenn die schuldigen Chirurgen ihr Gerichtsurteil erhalten haben. Den Schaden erlitten allerdings nicht nur jene Patienten, die auf der Organ-Warteliste übergangen wurden, sondern die viel größere Anzahl neuer Patienten, die aufgrund der Verunsicherung keine Überlebenschance mehr haben.

Derzeit kommen auf eine Spende zwölf Schwerstkranke, die auf das Organ warten. Rainer Hess, Vorsitzender der Deutschen Stiftung Organtransplantation, befürchtet, es werde länger dauern, zerstörtes Vertrauen wieder herzustellen. Für viele Patienten ist das zu lange. Dabei reichen Gerichtsurteile für die schuldigen Chirurgen nicht aus, um die Bereitschaft zur Organspende wieder zu fördern. Es bedarf zusätzlicher Informationen über die Voraussetzungen, unter denen Ärzte Verstorbene zur Organentnahme frei geben. Ängste, voreilig für tot erklärt zu werden, sind an sich unbegründet, aber sie bestehen fort. Viele Versicherte, die von ihrer Krankenkasse den Spenderausweis erhielten, fühlten sich nicht ausreichend informiert. Da gibt es Nachholbedarf. Zwar hatte der Bundestag bereits im vergangenen Jahr schärfere Kontrollen zur Organvergabe beschlossen. Zwischen den Parteien bestand aber Einigkeit, dass es weiterer Verbesserungen im Transplantationsgesetz bedarf. Darauf können 11 000 Kranke, die Organspenden brauchen, nicht lange warten.

zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Die Kommentare wurden für diesen Artikel deaktiviert