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Enkeltricks und Kaffeefahrten : „Gerade ältere Menschen werden von Betrügern bedrängt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Harald Waldhör ist Leiter der Zentralstelle Polizeiliche Prävention in Schleswig-Holstein. Im Interview gibt er Tipps, wie sich Senioren vor Betrügern schützen können.

Gibt es außer dem Enkeltrick noch mehr Betrugsarten, bei denen vor allem Senioren gefährdet sind?
Ja, das gesamte Spektrum der Internetkriminalität, wo viel versprechende Geschäfte und Gewinne angeboten werden. Diese Palette ist derart vielschichtig, dass sie sich kaum eingrenzen lässt. Ein weiteres großes Problem sind die sogenannten Haustürgeschäfte. Dabei werden gerade ältere Menschen häufig derart von den Betrügern bedrängt, endlich etwas zu kaufen, dass man sich diesem Druck beugt. Weiterhin sind die allgemein bekannten „Kaffeefahrten“ vielfach durch Kriminelle initiiert, die sich gerade die Zielgruppe ältere Menschen ausgesucht haben. Dabei werden vor allem Senioren von windigen Verkäufern unter Druck gesetzt und dazu gedrängt, Kaufverträge abzuschließen.

Wie können sich Senioren am besten vor solchen Betrügern schützen?
Hier einige Tipps der Polizei, die helfen, sich gegen Betrüger zu schützen:

- Fühlen Sie sich grundsätzlich niemals zu einer Bestellung oder einem Kauf verpflichtet.
- Unterschreiben Sie nichts, was Sie nicht genau verstanden haben. Unterschriften sind nie „reine Formsache“.
- Beachten Sie bei Verträgen immer Datum und Unterschriften. Die Belehrung über Ihr Widerrufsrecht muss im Vertrag gesondert unterschrieben werden. Ein fehlendes oder falsches Datum erschwert die Durchsetzung Ihres Widerrufsrechts.
- Fordern Sie eine Vertragsdurchschrift, auf der Name und Anschrift des Vertragspartners (Verkäufers) deutlich lesbar sind.

>Das deutsche Widerrufsrecht gilt auch für Kaffeefahrten ins Ausland, wenn in Deutschland dafür geworben wurde und Busfahrt, Veranstaltung und Verkauf von einem deutschen Unternehmen durchgeführt wurden.
>Wenn Sie vom Vertrag zurücktreten möchten: Schicken Sie einen schriftlichen Widerruf (Einschreiben mit Rückschein) binnen zwei Wochen nach Vertragsschluss an den Verkäufer.

Wie verhält man sich, wenn man merkt, dass man einen Betrüger in die Wohnung gelassen hat?
Bleiben Sie ruhig, aber bestimmt in Ihrem Auftreten. Fordern Sie die Person auf, umgehend Ihre Wohnung zu verlassen. Informieren Sie umgehend die Polizei und prägen sich nach Möglichkeit Merkmale der Person für eine spätere Personenbeschreibung ein. Weigert sich die Person, Ihrer Aufforderung Folge zu leisten, gehen Sie aus der Wohnung. Suchen Sie nach Möglichkeit Nachbarn oder die Öffentlichkeit auf. Alarmieren Sie die Polizei und zeigen den Vorfall an.

Was sollte mann machen, wenn man Opfer eines Betrügers geworden ist?
Teilen Sie sich mit. Sprechen Sie mit Ihren Angehörigen oder Vertrauten über den Vorfall. In jedem Fall sollten Sie den Vorfall der Polizei melden und zur Anzeige bringen. Nur so kann die Polizei reagieren und den oder die Täter dingfest machen. Die Polizei ist auf Ihr Mitwirken angewiesen!

Wie kommt man aus Verträgen heraus, die unter Druck oder Nötigung abgeschlossen wurden, etwa Versicherungen oder Abonnements?
Machen Sie umgehend von Ihrem Rücktrittsrecht Gebrauch. Schutz erhalten Sie durch das „Gesetz über den Widerruf von Haustürgeschäften und ähnlichen Geschäften“. Binnen zwei Wochen können Kaufverträge, die unter den gerade genannten Bedingungen zustande gekommen sind, widerrufen werden. Das geschieht am sichersten per Einschreiben mit Rückschein. Holen Sie sich ansonsten Rat bei der Verbraucherzentrale oder ähnlichen Institutionen oder suchen Sie einen Rechtsanwalt auf, der Ihre Interessen vertritt.
 

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erstellt am 04.Feb.2014 | 19:31 Uhr

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