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Betrug : Geliehene Konten für miese Geschäfte

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In Kleinanzeigen und Emails locken Betrüger mit Nebenverdiensten: Doch hinter dem vermeintlichen Nebenjob verbirgt sich ein System zur Geldwäsche. Die Zahl der Opfer steigt.

Es begann mit einer kleinen, unscheinbaren Anzeige. "Suche Rentnerin für leichte Heimarbeit" war da zu lesen. Und das bundesweit. Als Kontakt für weitere Informationen war die Email-Adresse eines gewissen Johann Teppert angegeben. Auch Heinz Voges hatte sich auf das Angebot der "leichten Heimarbeit" gemeldet.
Der 63-Jährige aus Steenfeld wollte seine Rente aufbessern. "Man kriegt hier auf dem platten Land nicht so viele Angebote, Geld nebenbei zu verdienen", sagt er. Und er ist sich sicher: Mit dem Internet lässt sich gewiss heutzutage von zuhause aus Geld verdienen. "Doch so sicherlich nicht", setzt er im Hinblick auf das Inserat hinzu, das er abgelehnt hat.
"Wer unbedingt Geld braucht, fällt darauf rein."
Denn die "leichte Heimarbeit" entpuppte sich als dreiste Aufforderung zur Geldwäsche. "Die lassen sich dann meist ganz gute – wobei eigentlich eher schlechte – Geschichten einfallen, warum man sein Konto zur Verfügung stellen soll", so Sascha Böttner, Fachanwalt für Strafrecht in Hamburg und Neumünster.
Im Falle von Heinz Voges klang die "schlechte Geschichte" so: Der vermeintliche Johann Teppert erklärte dem 63-Jährigen, er lebe seit neun Jahren in Südamerika. Von dort aus verkaufe er Lederwaren nach Deutschland. Touristen transportieren demnach die Waren für ihn zu seinen Kunden nach Deutschland. Er benötige nun jedoch ein Konto in Deutschland, auf das seine Kunden einzahlen können. Voges solle daher sein eigenes Konto zur Verfügung stellen, das Geld dort sammeln und alle zehn Tage durch "Western Union" per Geldtransfer nach Südamerika überweisen. "In dem Sinne mehr eine reine Verwaltungstätigkeit", wie Teppert schreibt. Als Lohn verspricht er Voges zehn Prozent der eingezahlten Gelder. "100 bis 150 Euro die Woche für Dich." Und Voges schätzt: "Wer unbedingt Geld braucht, fällt darauf rein."
Anzeigen, Geldbußen und Gefängnisstrafen
Tatsächlich boomt das Geschäft mit den sogenannten Finanzagenten. Gab es bundesweit 2008 gerade einmal 971 Fälle, in denen Menschen ihre Konten für das Verschieben und Waschen von illegalen Geldern zur Verfügung gestellt haben, so waren es 2009 bereits 2394. Auch in Schleswig-Holstein häufen sich die Fälle. Laut Landeskriminalamt stieg die Zahl der "Finanzagenten" von 50 im Jahr 2008 auf 100 im Jahr 2009. Tendenz weiter steigend. Treibende Kraft aus Sicht von Experten: finanzielle Not.
Die Strafen für jene, die sich auf die dubiosen Geschäfte einlassen, sind dabei empfindlich. Neben saftigen Geldstrafen sind Rechtsanwalt Böttner zufolge auch Gefängnisstrafen möglich – für Geldwäsche. Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungen (Bafin) warnt zudem vor verwaltungsrechtlichen Verstößen. Schließlich werde "gewerbsmäßig das Finanztransfergeschäft" betrieben, wie es in einer Mitteilung der Bafin heißt. Dafür sei aber eine Erlaubnis notwendig.
Doch damit nicht genug: Fliegen die Machenschaften mit dem Geldtransfer nämlich auf, wird das alte Konto von der Bank gekündigt und bei der Schufa gibt es einen Eintrag mit dem Hinweis "Kontomissbrauch". Ein neues Konto zu eröffnen wird so fast unmöglich. Die Drahtzieher bei derartigen Geschäften sind wiederum kaum auszumachen. Grundsätzlich sei nachvollziehbar, wer das Geld im Ausland erhalten habe, betont zwar Stefan Eggers vom Pressebüro von Western Union. "Es ist kein anonymes Verfahren", wie er sagt. Doch die Betrüger nutzen gefälschte Ausweise, um unerkannt das Geld in Empfang zu nehmen. Oder aber sie spannen abermals ahnungslose Mittelsmänner ein, die dann auch diese Aufgabe für einen kleinen Nebenverdienst übernehmen.

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erstellt am 12.Nov.2010 | 07:22 Uhr

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