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JVA Lübeck : Geiselnehmer vor Gericht: „Waren zu betrunken“

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Vier Männer nehmen in der JVA Lübeck einen Beamten als Geisel. Vor Gericht können sie sich an die Tat kaum erinnern. „Wir waren zu betrunken“, räumen sie ein und bitten ihr Opfer um Entschuldigung.

Lübeck | Mit Entschuldigungen der Angeklagten ist der Prozess um die Geiselnahme in der JVA Lübeck fortgesetzt worden. Es tue ihnen sehr leid, was geschehen ist, sagten die vier Männer am Mittwoch vor dem Landgericht Lübeck. Sie haben laut Anklage am Heiligabend 2014 einen Justizvollzugsbeamten als Geisel genommen, um ihre Flucht aus dem Gefängnis zu erzwingen. Zum Tatablauf beriefen sich die Angeklagten jedoch auf Erinnerungslücken. Sie hätten im Laufe des Nachmittags zu viert rund zweieinhalb Liter selbst gebrannten Alkohol getrunken, resümierten sie. „Wir waren zu betrunken“, lautete das Eingeständnis.

Die aus Russland, Litauen und Georgien stammenden Männer müssen sich seit dem 4. November wegen gemeinschaftlicher Geiselnahme, gemeinschaftlicher schwerer Körperverletzung, Nötigung und versuchter Gefangenenmeuterei vor dem Landgericht Lübeck verantworten. Sie sollen ihr Opfer unter einem Vorwand in die Zelle gelockt und überwältigt haben. Dann soll einer von ihnen den Wärter mit einem Messer bedroht und andere Beamte gezwungen haben, zwei Türen in der JVA zu öffnen. Dem Justizvollzugsbeamten gelang es schließlich, sich mit Hilfe von Kollegen zu befreien und Alarm auszulösen.„Das war wirklich kein angenehmes Gefühl, das Messer am Hals zu spüren“, sagte das 43 Jahre alte Opfer. Der Mann wurde am Mittwoch als Zeuge befragt. Er hatte am Tattag als einer von drei Beamten Dienst in dem Hafthaus, in dem die vier Gefangenen damals einsaßen.

Als er die Zelle aufschloss, in der die vier Männer den Nachmittag verbrachten, sei ihm der 23 Jahre alte Hauptangeklagte mit den Worten entgegengekommen: „Sieh dir mal den an.“ Der Beamte schilderte, was er dann sah: „Einer der Männer stand in der Tür. Er hatte eine Kapuze über den Kopf gezogen und schlug mit dem Kopf immer hin und her gegen den Türrahmen. Das sah für mich aus, wie ein epileptischer Anfall.“ Gleich darauf sei er in den Haftraum gestoßen worden, berichtete der Beamte. Schließlich habe der 23-Jährige ihm ein Messer an den Hals gesetzt und zu ihm gesagt: „Ich muss hier raus.“ Das Opfer ist seit dem Vorfall dienstunfähig, leidet an einer posttraumatischen Störung. „Ich hoffe aber, dass ich irgendwann auch wieder arbeiten kann“, sagte der Familienvater.

Die Staatsanwaltschaft wirft den Angeklagten vor, den Ausbruchsversuch gemeinsam geplant zu haben - was sie bestreiten. „Wir haben an dem Nachmittag nur darüber gesprochen, dass wir Weihnachten gerne bei unseren Familien wären. Das ist doch normal“, sagte der 37-Jährige aus Litauen. Er soll als Mitglied einer Bande an Überfällen auf Juweliere und Pfandleiher beteiligt gewesen sein und steht deshalb auch in Schleswig vor Gericht.

Der Prozess, zu dem 30 Zeugen und fünf Sachverständige geladen sind, soll am 18. November fortgesetzt werden.

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erstellt am 11.Nov.2015 | 18:13 Uhr

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