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Sofi 2015 : Gefahr für Sensor und Auge: Fototipps für die Sonnenfinsternis

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Heute bietet sich die seltene Gelegenheit, die Kamera auf die Sonne zu richten. shz.de erklärt, was zu beachten ist.

shz.de von
erstellt am 20.Mär.2015 | 19:30 Uhr

Heute ereignet sich ein seltenes astronomisches Ereignis, das Fotografen aller Ambitionen auf den Plan ruft: Mit „Sofi“ wird eine partielle Sonnenfinsternis den Himmel über Deutschland verdunkeln. Zwischen 9.30 und 12 Uhr wird sichtbar, wie die Sonne von der Erde aus gesehen durch den Mond größtenteils verdeckt ist. Am besten ist das Spektakel hierzulande in List auf Sylt zu beobachten. Die nördlichste Gemeinde Deutschlands dürfte sich dann in ein Fotografenmekka verwandeln.

Auch erfahrene (Hobby-) Fotografen müssen etwas tricksen, um ihr Equipment und ihre Augen vor der Macht der gedeckelten Sonne zu schützen – und um den seltenen Augenblick in würdigem Antlitz auf ihrer Speicherkarte festzuhalten. Grundsätzlich bietet sich der Einsatz von Teleobjektiven - idealerweise mit Brennweiten zwischen 300 und 500mm - an. Smartphonekameras sind ungeeignet, sie würden nur einen grellen Punkt am Himmel ablichten.

Vorbereitungen

Für die Ablichtung der Sonnenfinsternis gilt: Geschick ist nicht alles, viel wichtiger ist die Vorbereitung. Schon am Vortag sollten sich Fotohungrige ihren idealen Platz für die Sichtung der Sonne zur Vormittagszeit suchen. Möglichst freie Sicht (Höhe), ein solider Stellplatz für ein Stativ und je nach Geschmack ein Vordergrund sind erstrebenswert. Strände, Steilküsten und Dünen bietet Schleswig-Holstein zu Genüge, dort findet man auch den nötigen Platz der Ruhe, den ein gutes Foto verlangt.

Bevor es losgeht, gibt es dann erstmal eine Reihe wichtiger technischer Dinge zu beachten. Spezielle Ausrüstung für den seltenen Einsatz bei einer Sonnenfinsternis kann kostspielig sein, muss sie aber nicht.

Filter sind unumgänglich

Foto: dpa
 

Durch die hohe Leuchtintensität der sichtbaren Sonnensichel kann ein direktes Hineinschauen ohne Schutzbrille schwerwiegende Folgen für das menschliche Auge und den Fotoapparat haben. Das gebündelte, ungefilterte Sonnenlicht kann bei längeren Belichtungszeiten Schäden am Kamerasensor verursachen. Durch die Wärmewirkung kann ebenfalls der Fall eintreten, dass sich die Verklebung des Spiegels bei Spiegelreflexkameras löst.

Bastler können sich verdunkelnde Neutraldichtefilter (ND) besorgen, die als DIN A4-Bogen für unter 30 Euro erhältlich ist. Die Experten der Fachzeitschrift „c’t Digitale Fotografie“ raten zur Folie „AstroSolar“ mit der optischen Dichte ND5. Mit etwas Pappe, Klebstoff, Tape und Geduld lässt sich die Vorderseite des Objektivs damit schnell für „Sofi“ fit machen. Wichtig ist, dass die vor das Ojektiv gespannte Folie keine Kratzer, Knicke oder Falten aufweist.

Im Handel sind ebenfalls fertige ND-Schraubfilter (bzw. Steckfilter) für alle gängigen Objektivdurchmesser erhältlich, die jedoch bis zu 100 Euro kosten können. Auch hier empfiehlt sich ND5 als Orientierungswert. Schwächere oder stärkere Grautönungen würden zur Folge haben, dass zu grelles bzw. zu schwaches Licht den Sensor erreicht.

Kurzentschlossene können auch mit Schweißschutzglas als vorgebautem Linsenschutz improvisieren, was allerdings die Bastelarbeiten nicht gerade erleichtert. Ein Farbstich auf den Fotos ist möglich, dieser lässt sich mit digitaler Bildbearbeitung aber leicht beseitigen.

Nicht durch den Sucher schauen

Foto: dpa

Bei Kameras mit optischem Sucher, also in erster Linie bei Spiegelreflexkameras, sollte der Blick durch den Sucher auch bei Nutzung der Filterfolie vermieden werden - sonst drohen schwere Augenschäden. Wie bei Kompaktkameras sollte daher nach Möglichkeit der Live-View-Modus verwendet werden, bei dem das Display das Motiv anzeigt. Manuelles Scharfstellen ist bei diesen Kontrastverhältnissen ohnehin unumgänglich: Standardeinstellung „MF“, die Entfernung am Objektiv oder im Live View auf „unendlich“ stellen.

Auch ND-Filter schützen den Sensor nicht vor Verbrennungen. Durch den Lupeneffekt gilt: Je höher die Brennweite, desto heißer wird der Sensor. Fotografen empfehlen daher kurze Arbeitsschritte und schnelles Fokussieren. Gönnen Sie ihrer Kamera während der knapp drei Stunden des Spektakels möglichst viele Pausen, sonst drohen sehr kostspielige Reparaturen.

Die richtige Kameraeinstellung

Foto: Imago/By-line

Bei richtiger Belichtung können am Freitag auch Feinheiten wie Protuberanzen (Materieströme) oder die Korona fotografisch sichtbar gemacht werden. Dafür müssen Lichtbildner allerdings über eine gute Ausrüstung mit langer Brennweite verfügen und vieles richtig machen. Will man das Schauspiel in voller Pracht und mit allen Facetten einfangen, ist die Vollautomatik-Einstellung der Kamera kein geeignetes Mittel.

Die Lichtempfindlichkeit (ISO) kann klein gehalten werden. Ein Stativ erlaubt es trotz der Lichtfilterung ohne Verwacklungen mit kleinen Blenden zwischen f/8 und f/13 zu arbeiten. Damit es beim Auslösen zu keinen Vibrationen kommt, empfiehlt sich die Verwendung eines Fernauslösers. Mit der richtigen App kann dafür auch ein Smartphone verwendet werden, in manchen Fällen sogar kabellos per WLAN. Auch lässt sich bei neueren Kameras das Live-View-Bild direkt auf das Handy oder Tablet übertragen – so kann man der verschleierten Sonne getrost mal den Rücken zukehren, ohne sie ganz aus den Augen zu verlieren.

Fokussiert wird manuell, durchgehend mit der Einstellung „∞“. Aufgrund der nicht immer farbneutralen Filter ist es sinnvoll, die Fotos im RAW-Format aufzunehmen, damit ein Weißabgleich zu Hause am PC nachträglich ausgeführt werden kann. Bei Belichtungszeiten kürzer als 1/125 Sekunden können Protuberanzen sichtbar gemacht werden. Bei längeren Verschlussdauern betritt die Korona das Bild.

Einige Fotografen werden sich auch dazu entschließen, „Sofi“ in ihrem Verlauf zu dokumentieren. Dabei bieten sich Intervalle von fünf Minuten an. Im Tele-Bereich wird die Linse der gewanderten Sonne nachgeführt. Bei kürzeren Brennweiten kann die Kamera auch statisch aufgebaut werden. Dann zeigt sich der Bewegungsverlauf in der selben Einstellung. Die Fotos können anschließend am Computer zu einer Animation zusammengefügt werden.

Foto: dpa

Der Blick nach hinten: Ein Tipp vom Profi

Foto: dpa

Tausende Menschen werden am Freitag an diversen Hot-Spots in Europa ein und dasselbe Motiv in Angriff nehmen, so auch in List und im Rest von Schleswig-Holstein. Viel Raum für Kreativität bleibt da nicht, meint sh:z-Fotograf Marcus Dewanger: „Bei der Vielzahl nahezu identischer Fotos, die am Freitag von der Sonnenfinsternis entstehen werden, sollte man Wert auf den besonderen Blick legen und entgegengesetzt agieren. Ich würde dem Massen-Motiv auch mal trotzen und die Kamera in die entgegengesetzte Richtung zu den fotografierenden, Brille tragenden Menschen richten. Ein solcher Moment erzählt manchmal eine viel interessantere Geschichte.“ Auch ein Weitwinkelobjektiv sollte also im Gepäck nicht fehlen.

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