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Jakobskreuzkraut : Gefährliches Kraut: Gift im Honig aus SH

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Laboruntersuchungen belegen: Honig aus der Region Rendsburg ist mit dem Gift des Jakobskreuzkrauts belastet. Der Grenzwert wird teilweise drastisch überschritten.

shz.de von
erstellt am 19.Mai.2014 | 07:30 Uhr

Rendsburg | Das Gift des Jakobskreuzkrauts landet offenbar immer häufiger auf dem Frühstückstisch. Von unserer Zeitung veranlasste Laboruntersuchungen von Honig aus der Region Rendsburg zeigen: Die tolerable Belastung mit dem schädlichen Gift der Pflanze – dem Pyrrolizidinalkaloid – wird zum Teil drastisch überschritten. Eine Probe aus dem Jahr 2012 war mit 212 Mikrogramm pro Kilogramm zehnmal höher belastet als das Bundesamt für Risikobewertung (BfR) noch für vertretbar hält. Die Probe aus dem Jahr 2013 übertraf mit 60 Mikrogramm den tolerierten Höchstwert fast um das Dreifache. Selbst das Umweltministerium ist erstaunt. „Die vorgelegten Werte sind in der Tat hoch“, sagte Sprecherin Nicola Kabel und räumt Klärungsbedarf ein.

Schuld – da sind sich Experten einig – ist das Jakobskreuzkraut, manche kennen es als Greiskraut. Es hat sich seit Mitte der 90er Jahre an Straßenrändern, vor allem aber auf den extensiv bewirtschafteten Flächen der Stiftung Naturschutz explosionsartig ausbreitet. Immer häufiger verursacht es Vergiftungen von Pferden und Rindern. Die Pyrrolizidine spielen aber auch der menschlichen Leber übel mit und können Leberzirrhose und Krebs verursachen.

Zwar betont Dietrich Ramert vom Imkerverband, Honig werde hierzulande überwiegend aus Frühjahrs- oder Frühsommerblühern wie Raps gewonnen, lange bevor das Jakobskreuzkraut in Blüte stehe. Doch in diesem Jahr droht ein besonderes Problem: Wegen des warmen Winters blüht das Killerkraut nicht erst ab Mitte Juni , sondern vier Wochen früher, warnen Agrarexperten.

„Gerade die Stiftung Naturschutz als Eigentümer vieler Brachflächen müsste zum Handeln gezwungen werden“, fordert Hans Hinrich Hatje aus Grohendorf, der zu den Öko-Pionieren im Norden gehört. Das Problem für Landwirte und Imker werde an Brisanz zunehmen, weil im Zuge der Baumaßnahmen für die Fehmarnbeltbrücke zahlreiche zusätzliche Ausgleichsflächen in die Regie der Stiftung übergehen. „Das Kraut wird sich dann noch weiter ausbreiten“, befürchtet Hatje.

Den Einsatz von Chemikalien hat die Stiftung ihren Pächtern untersagt. „Das Kraut ist eine heimische Pflanzenart und gehört schon immer zur biologischen Vielfalt des Nordens“, erklärt Stiftungssprecher Thomas Voigt. Das zweifelt Bauernpräsident Werner Schwarz zwar nicht an. Das Kraut auf nicht gepflegten Naturschutzflächen ist ihm trotzdem ein Dorn im Auge. „Gelangen die giftigen Substanzen über die Silage ins Rinderfutter, dann wird es kritisch“, warnt er. Die Stiftung hofft, dass ein Schmetterling namens Blutbär das Problem löst. Dessen Raupen haben die Giftpflanze im wahrsten Sinne des Wortes zum Fressen gern. An die Schlagkraft dieser biologischen Wunderwaffe mag der CDU-Landtagsabgeordnete Hauke Göttsch nicht glauben. Die habe sich längst „als Blindgänger“ erwiesen. „Seit über zwei Jahren fordern wir Minister Habeck auf, endlich für eine wirksame Eindämmung der Pflanze zu sorgen“, erklärt er. Hier werde „grüne Ideologie zum Gesundheitsrisiko“.

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