Kommentar : Gastronomie-Personal: Mehr Respekt aufs Tablett

Die Sünden der Vergangenheit holen die Gastronomie ein. Das schleswig-holsteinische Gastgewerbe leidet unter Fachkräftemangel.

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28. März 2013, 08:53 Uhr

Kiel | Ohne Nachwuchs bleibt die Küche kalt - das wird den gastronomischen Betrieben im Land seit Jahren von Politik, Arbeitsagentur und Gewerkschaften gepredigt. Allein, der Branche fehlte der Glaube. Sie machte so weiter, als ginge sie der Geburtenrückgang und der Kampf um die Fachkräfte nichts an.

Fliegende Pfannen, schlagende und brüllende Chefs, viel zu viele unbezahlte Überstunden - so sieht nach wie vor die Realität in vielen Restaurants und Hotels aus. Die Folge: Fast jeder dritte Ausbildungsvertrag wird vorzeitig gelöst und wer ausgelernt hat, flüchtet so schnell wie möglich in andere Berufe.

Gastgewerbe verspielt seine Zukunftsfähigkeit

Jetzt wird die Gastronomie von den Sünden der Vergangenheit eingeholt und das Lamento über die vielen unbesetzten Stellen ist groß. Das einst unerschöpfliche Reservoir an billigen und willigen Köchen und Kellnern aus Ostdeutschland ist längst versiegt. Und von den Westkindern will niemand in einen Beruf, in dem fleißige Arbeitsbienen gesucht werden, die nur malochen, keine Fragen stellen, nicht kritisieren und sich mit Hungerlöhnen abspeisen lassen. Vor dem Hintergrund der mittlerweile offenkundigen Veränderungen auf dem Arbeitsmarkt verspielt das Gastgewerbe mit dieser Strategie seine Zukunftsfähigkeit. Besonders in Schleswig-Holstein, weil unser Land vom Tourismus und von motivierten Dienstleistern abhängig ist.

Nötig ist eine Imagewandel. Doch den kann die Branche nur selbst in Gang setzen. Das fängt bei der Bezahlung an. Wer arbeiten muss, wenn anderer feiern oder gemütlich auf dem Sofa liegen, hat ein Anrecht auf einen angemessenen finanziellen Ausgleich. Und wer hart schuftet, schwere Teller, Schüsseln oder Bierkrüge schleppt, hat ein Anrecht auf respektvollen Umgang.

Weil es sich kein Gastronom leisten kann, die Küche kalt zu lassen oder den Bierhahn geschlossen, wird sich die Branche früher oder später auf die neuen Umstände einstellen müssen - sie hat keine andere Wahl. Je schneller sie den Wandel vollzieht und den Beruf wieder attraktiv macht, um so besser. Ob das Bier, das Steak und das Stück Kuchen deshalb für die Gäste gleich teuer werden müssen, wird die Zukunft zeigen.

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