Störtebeker : Furcht erregen - aber nur spielen

Keine Angst, er will nur spielen:  Helge Buttkereit möchte im neuen Störtebeker-Film einen bösen Piraten mimen. Foto: Wichert
Keine Angst, er will nur spielen: Helge Buttkereit möchte im neuen Störtebeker-Film einen bösen Piraten mimen. Foto: Wichert

Casting zum Kinderschreck: Männer mit Bärten und schiefen Zähnen - so soll die Crew für Störtebeker im geplanten Film "12 Meter ohne Kopf" aussehen. Helge Buttkereit hat sich als Komparse beworben.

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25. August 2008, 08:17 Uhr

Kappeln | Verwegene, furchterregende, grausame Piraten sollen wir sein. Oder besser: Wir sollen sie spielen. Ein Unterschied, der mir bei nach meinem Vorspielen als Komparse für den neuen Störtebeker-Film "12 Meter ohne Kopf" schlagartig bewusst wird. Mein Spiel war zu ernst. Nachdem ich eine Woche zuvor beim Casting in Kappeln einen Fragebogen - Stichwort Seetauglichkeit - ausfüllen durfte, ging es diese Woche richtig los.

Nein, die Dreharbeiten für den Film mit Matthias Schweighöfer ("Der rote Baron") haben noch nicht begonnen. Denn die Schiffsbesatzung fehlt noch. Furchtlose Piraten werden gesucht, oder besser: Komparsen, die sie darstellen können. Neben den Schauspielern soll das Piratenschiff nicht leer aussehen. Ich bin für die "Makrele" ausgewählt. 13 Tage lang soll ich, wenn mich Regisseur Sven Taddicken ("Emmas Glück") anheuert, einen Piraten mimen. Auf hoher See. Deswegen die Sache mit der Seetauglichkeit.
"Ein Piratengefühl kommt nicht auf, während ich mich auf einen alten Ikea-Sessel setze"

Die wird an diesem Vormittag nicht getestet. Zum Vorspielen bleiben wir an Land. Ich werde von Sibylle Schuster empfangen, einer jungen Mitarbeiterin der Produktionsfirma "Wüste Film", deren aktueller Streifen "Tage des Zorns" in Kürze in Flensburg Premiere feiern wird und die auch für "12 Meter ohne Kopf" verantwortlich ist. Der Warteraum ist schlicht. Ein Piratengefühl kommt nicht auf, während ich mich auf einen alten Ikea-Sessel setze. In der Ecke steht ein Tisch mit Getränken und Keksen. Nur der Kaffee fehlt. "Schauspieler würden durchdrehen", scherzt Schuster, die das am Theater kennen gelernt hat. Das erste, was die Mimen bräuchten wären Kaffee, Milch, Zucker.

Aber wir sind keine Schauspieler. Nur Komparsen. Ich warte mit zwei weiteren bärtigen und langhaarigen Männern - das war neben schiefen und schlechten Zähnen die Stellenbeschreibung der Castingagentur - auf meinen Einsatz.
"Ein bisschen weniger aggressiv bitte"

Im Nachbarraum fallen mir ein Seil, ein Beil und zwei Schwerter auf. Bevor das Spiel damit beginnt, müssen wir uns vor der Kamera vorstellen. Alter, Beruf, Filmerfahrung. Nicht besonders spannend. Dann sollen wir spielen. "Ihr seid die Besatzung, sitzt an Deck. Euch ist langweilig, ihr spielt mit Schwert und Seil rum", erklärt Regieassistentin Ulla Bay Lührssen. "Dann seht ihr ein Schiff und los geht es: Angriff." Mit meinen beiden Mitbewerbern versuche ich das. Klappt nicht. Viel zu steif und verhalten. War aber auch nur die Probe ohne Kamera. Bay Lührsen erzählt von Piraten, bei deren Anblick viele schon freiwillig alles hergaben. Wir sollen uns ruhig streiten und beschimpfen. Also denn. Jetzt aber richtig. Die Kamera läuft.

Wir spielen wieder ein wenig mit den Waffen rum, dann gehe ich einen Mitpiraten los, setze ihm das Schwert an Hals. Ich werde zurück gerissen und an die Wand gedrückt. "Aufhören", brüllt mich der dritte Pirat an. Ich wehre mich, mein Arm schleift über die Wand. Dann "Schiff in Sicht" - wir stürmen los. Ende. Bay Lührssen ist ein wenig verschreckt. "Hat sich jemand weh getan?" fragt sie und zu mir gerichtet: "Ein bisschen weniger aggressiv bitte." Da gibt man schon mal alles und dann ist das auch zu viel.

Beim dritten Versuch stimme ich lauthals ein Lied an, halte mich beim Streit einigermaßen im Zaum und stürme in Richtung Fenster - der Scheinwerfer eines draußen geparkten Kombis ist das Ziel (damit wir alle in die gleiche Richtung blicken). Es wird ein wenig chaotisch. Immerhin: Wir rennen Madleine Fischer von der Casting-Agentur "Filmgesichter" nicht um, die mit der Videokamera unsere Schauspielversuche einfängt und später dem Regisseur vorführt. Der wählt aus. Kommende Woche sollen wir die Kostüme anprobieren. Wir? Werde ich dabei sein? Keine Ahnung. Ein wenig wie ein Pirat fühle ich mich schon. Denn der gespielte Streit hat Wirkungen hinterlassen. Am Ellenbogen habe ich einen kleinen Ratscher, der zugegebenermaßen gegenüber den Verstümmlungen vieler Piraten lachhaft wirkt. Aber es ist meine erste Filmverletzung. Vor dem Film.
Helge Buttkereit ist nach Geschichtsstudium in Leipzig und Volontariat in Celle als freier Journalist tätig.

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