Weißstorch : Funkstille: Hobor sendet nicht mehr

Hobor sendete zum letzten Mal Signale aus  der Türkei. Foto: Brumm
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Hobor sendete zum letzten Mal Signale aus der Türkei. Foto: Brumm

Wo ist Storch Hobor? Sein letztes Lebenszeichen kam vor elf Tagen: Ist der schleswig-holsteinische Senderstorch in der Südtürkei verunglückt?

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21. April 2011, 09:42 Uhr

Linden/Bergenhusen | Große Sorge um Hobor. Seit elf Tagen gibt es kein Lebenszeichen mehr von dem schleswig-holsteinischen Weißstorch, der mit einem Satellitensender ausgestattet ist. Kai-Michael Thomsen (50) vom Michael-Otto-Institut in Bergenhusen befürchtet das Schlimmste. "Hobor ist wahrscheinlich verunglückt", schrieb Thomsen am Dienstag in sein Internet-Tagebuch, in dem er die Reisen der Senderstörche dokumentiert.
Verschollen ist Hobor seit dem 8. April. Das letzte Signal wurde mittags aus dem Süden der Türkei abgesetzt. Zu diesem Zeitpunkt war der Rotschnäbler auf dem Weg in Richtung Taurus-Gebirge, hatte am Vortag den Golf von Iskenderun umflogen.
Wurden Stromleitungen zur tödlichen Falle?
Danach brach der Kontakt ab, der Satellit konnte keine Signale mehr empfangen. Thomsen: "Meine Hoffnung, dass sich da noch etwas tun wird, schwindet immer mehr." Der Storchenfachmann geht davon aus, dass der solarbetriebene Sender kein Licht mehr erhält und er deshalb auch nicht mehr senden kann. Die Türkei, so Thomsen, ist für Störche nicht ungefährlich. Das Land hat viel Industrie, Stromleitungen können für Meister Adebar schnell zur tödlichen Falle werden. Die Hoffnung, dass sich Hobor durch das derzeitige Regenwetter in der Türkei in einem Funkloch befindet, hält Thomsen eher für unwahrscheinlich: "Dafür ist vom letzten Signal zu viel Zeit vergangen."
Im Gästebuch des Reisetagebuchs ist die Sorge groß, denn die Fans haben den elf Jahre alten Hobor ins Herz geschlossen. Sie eiferten mit, als er vor zwei Jahren als erster Storch in Schleswig-Holstein mit einem Sender ausgerüstet, verfolgte jeden Kilometer seines Zuges. Genauso war es in diesem Winter, als Hobor zum ersten Mal bis nach Südafrika flog. Es war die Reise seines Leben und eine Riesen-Überraschung. Denn in den vergangenen Jahren flog der Weißstorch immer nur bis zum Tschad, eine viel kürzerer Vogelzug als bis nach Südafrika. So wurde Hobor in den Medien wie ein Star gefeiert.
Hobors Weibchen tröstet sich mit einem Neuen
Und auf sein Nest in Linden-Pahlkrug (Kreis Dithmarschen) installierten die Storchenschützer eine Webcam. Jeder sollte im Internet miterleben können, was Hobor und seine Familie so treiben werden. Die Kameras läuft bereits - und sie zeigt, dass sich Hobors Weibchen schnell mit einem neuen Mann tröstete. "Die brüten schon, also müssen mindestens zwei Eier im Nest liegen", berichtet Thomsen, der sich über diese neue Partnerschaft nicht wundert: "Störche gehen immer nur Saison-Ehen ein, sind nicht treu."
Neben Hobor wurden fünf weitere Störche aus Schleswig-Holstein mit einem Satellitensender ausgerüstet. Einer von ihnen war Helmut aus Eddelak, der Mitte März bei Oldendorf (Kreis Steinburg) in eine Hochspannungsleitung geflogen war und tot auf einem Acker gefunden wurde. Romy, die Partnerin von Helmut, erreichte Samstag Deutschland und hält sich bei Cuxhaven auf. Gustav kämpft mit fremden Störchen um sein Nest in Pahlen, während sein Weibchen Anni sich noch auf dem Heimweg befindet. Sie hat die Karpaten überquert und dürfte jetzt im Grenzgebiet zwischen Rumänien, Slowakei und der Ukraine sein. Bleibt noch Michael. Er kehrte bereits am 7. April in sein Heimatdorf Bargen (Kreis Schleswig-Flensburg) zurück und genießt in seinem Horst die Frühlingssonne.
Eine spannende Tierreportage über Tausende Störche, die auf einer riesigen Mülldeponie in Andalusien überwintern, lesen Sie Ostersamstag. Aus Spanien berichtet sh:z-Autor Holger Schulz.
(db, shz)

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