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Schutz gegen Unfälle : Für Gerichte ist der Helm ein Muss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ob auf der Skipiste oder dem Fahrrad: Durch den tragischen Unfall von Formel-1-Weltmeister Michael Schumacher wird die Diskussion um eine Helmpflicht wieder aktuell.

Hamburg | Die Welt bangt um den Formel-1-Star. Michael Schumacher hat bei seinem Skiunfall schwere Hirnverletzungen erlitten. Er trug zwar einen Helm, aber der schützt offenbar nicht immer. Trotzdem ist es in jedem Fall besser, auf der Skipiste mit Kopfschutz unterwegs zu sein, sagen Experten. Ein Skihelm ist eine einfache und in vielen Fällen effektive Möglichkeit, Kopfverletzungen auf der Piste zu vermeiden. „Das schützt nicht vor allem, wie wir leider bei dem Unfall von Michael Schumacher lernen mussten, aber möglicherweise vor schlimmeren Verletzungen“, sagte Jörg Ansorg, vom Bundesverbandes der Deutschen Chirurgen. Er rät jedem Skifahrer, einen Helm zu tragen.

Ähnlich wie die Schleswiger Richter in diesem Jahr in einem spektakulären Urteil einer verunglückten Radfahrerin eine Mitschuld zusprachen, weil sie ohne Helm unterwegs war, gibt es ein ähnliches Urteil auch für Skifahrer. Wird ein Skifahrer, der sich an die Pistenregeln gehalten hat, von einem anderen Skifahrer umgefahren und zieht sich dabei Kopfverletzungen zu, weil er keinen Helm trägt, ist er mitschuldig. Wie das OLG München nach Angaben der D.A.S. Versicherungsgruppe entschied, kann dem Verletzten in einem solchen Fall eine Mithaftung von 50 Prozent auferlegt werden. (OLG München, Az. 8 U 3652/11).

In einigen europäischen Ländern ist das Tragen eines Helms auf der Skipiste schon Pflicht – allerdings in der Regel nur für Kinder und Jugendliche bis 14 Jahre (Italien) oder 15 Jahre (einige österreichische Bundesländer). In Deutschland gibt es keine Helmpflicht – aber die Skiverbände empfehlen das Tragen. Das Oberlandesgericht München stelle in besagtem Urteil fest, auf Skipisten sei seit Jahren das Tragen von Helmen bei der Mehrzahl der Skifahrer üblich und wegen der immer höheren gefahrenen Geschwindigkeiten auch sinnvoll. Es bestehe mittlerweile eine „Obliegenheit“ für Skifahrer, einen Helm zu tragen.

Zur Erinnerung: In Schleswig-Holstein war eine Radfahrerin von der sich öffnenden Tür eines parkenden Autos erwischt worden – und bekam vom Oberlandesgericht Schleswig-Holstein eine Mitschuld. Nicht, weil sie Verkehrsregeln verletzt hätte, sondern weil mit Helm die Kopfverletzungen möglicherweise glimpflicher ausgegangen wären.

Durch den Helm – egal ob Fahrradhelm oder Skihelm – wird der Druck auf eine größere Fläche des Kopfes verteilt, der bei punktueller Gewalteinwirkung entsteht, wenn man zum Beispiel auf einen Stein oder Fels schlägt. Bei leichteren Gewalteinwirkungen trägt man dann überhaupt keine Verletzung davon, erläutert Ansorg. Typische Verletzungen bei Unfällen ohne Helm können Schädel-Traumata sein, also Gewalteinwirkungen auf den Schädel, die zu Bewusstlosigkeit oder schwereren Schädel-Hirn-Verletzungen führen können. Trotz Helm bleiben allerdings das Gesicht, Teile der Stirn und der Schläfen völlig ungeschützt. Auch die Knochen des Gesichts sind ohne Helm ungeschützt: So kann man sich beim Unfall ohne Helm Brüche des Unterkiefers, des Nasenbeins und des Gesichtsschädels zuziehen.

Geprüfte Skihelme aus dem Fachhandel tragen die Norm DIN EN 1077. Sie werden auf die Parameter Stoßdämpfung und Durchdringung getestet. Beim Überprüfen der Dämpfung wird ein behelmter Prüfkopf aus zwei Meter Höhe fallengelassen. Dabei muss der Helm ein bestimmtes Maß an Energie aufnehmen und so den Kopf schützen. Dabei ist aber auch entscheidend, auf welche Oberfläche der Helm trifft. Bei einem spitzen Gegenstand wie einem Stein reicht mitunter eine geringe Aufprallgeschwindigkeit, um den Kopf zu verletzen.

Wichtig ist, dass der Helm die richtige Größe habe und fest sitze. Experten empfehlen, dies zu überprüfen, in dem man den Helm aufsetze und den Kopf bei geöffnetem Kinnband nach rechts und links schüttle. Wenn der Helm dabei nicht verrutscht, dann hat er die richtige Größe. Bei Schumacher habe dieser Punkt garantiert keine Rolle gespielt, sagt König. Schumacher weiß aus dem Motorsport, wie ein Helm zu sitzen hat.

Fachleute schätzen, dass 70 bis 80 Prozent der Erwachsenen und nahezu 100 Prozent der Kinder einen Skihelm tragen.

Ob der Fall Schumacher einen neue Diskussion über eine Helmpflicht auch bei Fahrradfahrer lostritt, bleibt abzuwarten. Bisher scheiterten Bestrebungen, einen solche Pflicht einführen, an guten Gegenargumente.

Die Erfahrungen, die in anderen Ländern mit einer Helmpflicht gemacht wurden, sind nämlich negativ. In Australien zum Beispiel hat ihre Einführung dazu geführt, dass viele Menschen ganz aufs Radfahren verzichtet haben und stattdessen lieber wieder das Auto nutzten. Das ist auch nicht im Sinne des Erfinders.

Radfahrer – Höheres Risiko von Kopfverletzungen 

In der vergangenen Saison verletzten sich 43.000 deutsche Skifahrer. Allerdings wurden nur 3550 Skifahrer stationär im Krankenhaus behandelt, seit Beginn der Statistik 1979 ist das der niedrigste Wert. Die meisten Wintersportler verletzen sich an Knie oder Schulter, Kopfverletzungen machen mit 7,2 Prozent einen kleinen Anteil aus. Hingegen erleiden rund 37 Prozent der bei Unfällen verletzten Radfahrer Kopfverletzungen. Mehr als 80 Prozent der schweren Hirnverletzungen beim Radfahren ließen sich durch das Tragen eines Helms vermeiden.

Beim Skifahren und besonders beim Snowboardfahrern halten Experten Rückenprotektoren für sehr sinnvoll. Verletzungen der Wirbelsäule seien häufig langwierig oder heilten nur mit bleibenden Schäden aus. Ebenfalls sinnnvoll sind Verstärkungen an den Handschuhen. Schienbeinprotektoren seien eher was für Slalomprofis, so die Experten.


 

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erstellt am 13.01.2014 | 00:00 Uhr

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