EHEC-Folgen : Für die Gemüsebauern gibt es jetzt Kredite

Die Felder sind umgepflügt, letzte Kopfsalat-Blätter verdorren. Foto: dpa
Die Felder sind umgepflügt, letzte Kopfsalat-Blätter verdorren. Foto: dpa

Die EHEC-Welle trifft die Gemüsebauern. Die Rentenbank bietet jetzt günstige Darlehen und Spaniens Regierung schließt rechtliche Schritte gegen die Behörden in Hamburg nicht aus.

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02. Juni 2011, 11:12 Uhr

Berlin | Gemüsebauern kämpfen wegen der EHEC-Infektionen mit massiven Einbußen. Vielerorts standen am Dienstag die Maschinen still, die Erntehelfer langweilten sich. Doch jetzt kommt eine gute Nachricht aus dem Bundesagrarministerium in Berlin. Betriebe mit massiven Umsatzverlusten können zinsgünstige Darlehen von der Landwirtschaftlichen Rentenbank bekommen. "Die Betriebe brauchen Unterstützung, da der Absatz teilweise völlig zum Erliegen gekommen ist und die verderbliche Ware nur kurz zeitig gelagert werden kann", erklärte ein Sprecher.
Bei einem günstigen Zinsniveau können Überbrückungkredite zum Beispiel über eine Laufzeit von vier Jahren beantragt werden. Der Start des Liquiditäts sicherungsprogramms ist in den nächsten Tagen vorgesehen. Beantragt werden die Kredite üblicherweise über die Hausbanken.

Spanien will Entschädigungen verlangen
Bislang wurde dieses Programm in der Regel Milchvieh-, Schweine-, Rinder- oder Hühnerhaltern zur Verfügung gestellt. Das Instrument war zuletzt im Zusammenhang mit den Einbrüchen aufgrund der Dioxin-Verunreinigung im Futtermittel von zahlreichen Landwirten genutzt worden. Derzeit profitieren auch Obst-, Gemüse- und Weinbaubetriebe davon, die nach Spätfrösten in wirtschaftliche Not geraten sind.
Unterdessen will Spanien auf EU-Ebene Entschädigungen für alle europäischen Bauern verlangen, die wegen der EHEC-Seuche Verluste haben. Madrid schließe auch rechtliche Schritte gegen die Behörden in Hamburg nicht aus, sagte der spanische Vizeregierungschef Alfredo Pérez Rubalcaba am Mittwoch. Es sei von Anfang an klar gewesen, dass Spanien nicht der Ausgangspunkt der EHEC-Darminfektionen gewesen sein könne. "Ein Erreger dieser Art war in Spanien noch nie aufgetreten", sagte Rubalcaba dem Radiosender Cadena SER. "Das heißt, es gibt die Bakterie hier in Spanien nicht. Und wenn es sie hier nicht gibt, ist die Krankheit auch nicht von Spanien ausgegangen."
Zudem verlangte Agarministerin Rosa Aguilar gestern die sofortige komplette Wiederaufnahme des Handels mit spanischem Gemüse, nachdem die Gurken aus ihrem Land offenbar doch nicht die Ursache für die EHEC-Infektionen in Deutschland sind. "Wir sind enttäuscht von der Art, wie Deutschland mit dieser Krise umgegangen ist", sagte Aguilar. Die spanische Landwirtschaft verliere durch die Vorwürfe wöchentlich 200 Millionen Euro.
(kim, shz)

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