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Land der Senioren : Fünf Baustellen des demografischen Wandels in SH

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Die vielen Senioren stellen das Land vor große Herausforderungen. Es geht nicht nur um den Gesundheitssektor.

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erstellt am 10.02.2015 | 06:30 Uhr

Kiel | Schleswig-Holstein bleibt das Mekka für Senioren: Im nördlichsten Bundesland leben etwa 607.000 Menschen, die 65 Jahre oder älter sind. Mit einem Anteil von 21,7 Prozent hat Schleswig-Holstein nach dem Saarland unter den alten Bundesländern den höchsten Seniorenanteil. Das zeigen am Montag veröffentlichte Zahlen des Statistischen Landesamtes, die vom Zensus aus dem Jahr 2011 stammen.

Leerstände, verödete Landstriche, abgeschnittene Dörfer – Schleswig-Holstein sucht fieberhaft nach Gegenstrategien zum demografischen Wandel. Denn ein Großteil der Infrastruktur reagiert empfindlich auf Nachfrageveränderungen. Einige ausgewählte Beispiele:

Gesundheit

Die Krankenhäuser im Norden gehen davon aus, dass sie 2030 durch den demografischen Wandel 16,5 Prozent mehr Patienten haben werden. „Das ist ein Anstieg um etwa 90.000 Patienten“, sagt Bernd Krämer, Geschäftsführer der Krankenhausgesellschaft Schleswig-Holstein. Schon seit 2006 wächst hierzulande die Zahl der Krankenhaus-Betten – von damals 15717 auf 16.247 Betten im vergangenen Jahr. Statt der Geburtshilfe werden Fachrichtungen wie die Augenheilkunde, die Orthopädie und die Urologie eine größere Rolle spielen, so Krämer.

Wohnen

Obwohl die Bevölkerung laut Landesregierung bis 2025 um 43.000 Menschen zurück geht, benötigt Schleswig-Holstein etwa die selbe Zahl an neuen Wohnungen. Hintergrund: Statistisch gesehen leben ältere Menschen häufiger alleine und benötigen ihren eigenen Haushalt. Die durchschnittliche Haushaltsgröße nimmt dabei immer weiter ab.

Wirtschaft

2025 wird es nach Einschätzung des Innenministeriums schon 55.000 Erwerbspersonen weniger geben als heute. Für die Wirtschaft bedeutet das: Fachkräftemangel. „Wir müssen Arbeitskräftepotenziale besser erschließen und eine Willkommenskultur gerade für Fachkräfte aus dem Ausland stärken“, sagt Manfred Duffke, bei der Industrie- und Handelskammer Kiel zuständig für Standortpolitik.

Wasser und Abwasser

Weniger Abnehmer können die Kosten für die Wasserversorgung und die Abwasserentsorgung in die Höhe treiben. Darauf weist die IHK hin. Wasser- und Abwassersystem könnten nur schlecht auf Nachfrageänderungen reagieren. Die Folge sind steigende Pro-Kopf-Kosten, heißt es in einem aktuellen Strategiepapier. Bei Unterauslastung der Anlage drohen Gerüche, Korrosion und sogar eine Verkeimung des Trinkwassers.

Strom

Schon jetzt zahlen Menschen in ländlichen Gebieten höhere Netzentgelte. Weniger Nutzer müssen für längere Kabel aufkommen. Hinzu kommt der Ausbau von erneuerbaren Energien in überwiegend diesen Regionen – wie Nordfriesland oder Dithmarschen. Auch hierfür muss die Bevölkerung vor Ort aufkommen. „Wenn immer weniger Menschen ausgerechnet im ländlichen Raum leben, könnte diese Belastung weiter steigen“, bestätigte Ove Struck, Sprecher von Hansewerk.

 

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