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Plagegeister in SH : Frühstart für Feuerquallen und Zecken

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Die größten Plagegeister für Strandbesucher und Natur-Spaziergänger sind bereits aktiv – das Risiko für Borreliose-Erkrankungen steigt.

Eckernförde | Der milde Winter war zwar gut für die Heizkostenrechnung, hat in der Natur aber allerhand durcheinandergewirbelt. Die ersten Feuerquallen sind an Schleswig-Holsteins Badestränden eingetroffen – nicht nur früher als sonst, sondern auch größer als in anderen Jahren. Und auch die Zecken treiben bereits weit vor ihrer eigentlichen Zeit ihr Unwesen.

„Im Hafenbecken in Eckernförde schwimmen schon Feuerquallen“, bestätigt Petra Toetz, Mitarbeiterin im dortigen Ostseeinformationszentrum. „Sie kommen mit der Strömung aus der Nordsee zu uns und sind wegen der höheren Wassertemperaturen bereits ein bisschen größer als sonst.“ Ob es in diesem Jahr zu einer Quallenplage kommt, darüber könne man noch nichts Verlässliches sagen. „Das ist jetzt erst der Anfang, im Spätsommer wissen wir mehr“. Die Meereskundler der Uni Kiel gehen aber davon aus, dass das warme Wasser die Reproduktionszeit der Quallen verlängert.

Auch die Zecken fühlen sich bei feuchtwarmem Wetter wohl. Experten befürchten deshalb, dass es in diesem Jahr zu einer echten Zeckenplage kommt. Damit steigt auch das Risiko, von einer Zecke gebissen zu werden und sich mit gefährlichen Krankheitserregern zu infizieren. Wer in Feld und Wald unterwegs ist, einen Garten hat oder Hundebesitzer ist, sollte daher besonders vorsichtig sein und verstärkt auf den Zeckenschutz achten, rät Volker Clasen von der Techniker Krankenkasse (TK) Schleswig-Holstein. Besondere Vorsicht ist in den Kreisen Herzogtum Lauenburg und Stormarn geboten, wohin sich Zecken von Mecklenburg-Vorpommern ausbreiten können. 148 Menschen haben sich dort laut Robert-Koch-Institut in diesem Jahr schon durch einen Zeckenbiss mit Borreliose angesteckt. Im viel kühleren Vorjahr erkrankten im gleichen Zeitraum nur 81 Menschen. Mecklenburg-Vorpommern ist mit knapp 60 Fällen je 100.000 Einwohner auf einen bundesweiten Spitzenplatz geklettert. Ein Barometer auf der Internet-Informationsseite zecken.de hat die Zone mit sehr hoher Zeckenbelastung in Schleswig-Holstein auf die Kreise Plön, Segeberg und Ostholstein ausgeweitet.

Laut TK mussten im vergangenen Jahr 140 Schleswig-Holsteiner stationär wegen einer Borreliose behandelt werden. Da es keine meldepflichtige Krankheit ist, liegen Zahlen über ambulant behandelte Fälle – die ein Vielfaches betragen werden – nicht vor. Die ebenfalls von Zecken übertragene Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) trat 2013 in Schleswig-Holstein nur einmal auf, bundesweit 420 mal.

In den Tierarztpraxen Schleswig-Holsteins schlägt sich der Zecken-Boom schon deutlich nieder. „Es gibt im Vergleich zu den Vorjahren eine ungewöhnliche Häufung“, beobachtet Thomas Meyer, Landesvorsitzender des Bundesverbands praktizierender Tierärzte. Allein in seiner Kappelner Praxis sichtet er täglich drei bis vier Hunde, bei denen die Halter Zecken nicht selbst entfernen können. Sie können ebenso wie Menschen von Borreliose befallen werden. Katzen dagegen seien nicht gefährdet. Meyer empfiehlt, das Hundefell im Vier-Wochen-Rhythmus mit Zecken-Prophylaxe-Mittel zu behandeln.

Der Vize-Vorsitzende des Landesverbands der Waldbesitzer, Hans-Albrecht Hewicker, rät dringend jedem, der draußen in der Natur war, „einmal pro Tag genau den Körper abzusuchen, ob da etwas ist“. Er betont, dass keineswegs nur nach Besuchen im Wald Vorsicht angebracht sei. „Irrig ist die Vorstellung, dass Zecken von Bäumen runterspringen. Sie kommen vor allem in 30 bis 60 Zentimeter hohem Bewuchs vor.“ Das kann auch am Waldrand, auf Wiesen oder im Garten sein. Tierarzt Meyer bestätigt das. Eine Körperkontrolle pro Tag reiche aus, weil eine Zecke gefährliche Erreger erst nach 24 Stunden übertragen könne.

Nach Ansicht des Düsseldorfer „Zeckenpapstes“ Professor Heinz Mehlhorn ist allerdings nicht nur das warme Wetter schuld am Anstieg der Zeckenbisse. Seine Erfahrung: „Andere Tiere wie Füchse, Mäuse und Igel kommen immer näher an unsere Häuser. Und die schleppen eben in unsere Gärten solche Tierchen ein“, erklärt der Parasitologe. Im Bundesdurchschnitt ist etwa jede fünfte Zecke Träger des Bakteriums Borrelia burgdorferi. Im Norden liegt die Quote nur bei sieben Prozent.

 

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erstellt am 26.Mai.2014 | 09:50 Uhr

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