Meteorologe Meeno Schrader : Frühsommer geizt mit Niederschlägen: So trocken war es zuletzt 1992

Bauern in Sorge: Die Sonne trocknet die zuvor durchnässten Böden aus.

Bauern in Sorge: Die Sonne trocknet die zuvor durchnässten Böden aus. Die Folge: feste, betonartige Schichten.

4,2 Grad wärmer als das Mittel der letzten Jahre war der Mai, sagt Meeno Schrader.

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07. Juni 2018, 07:39 Uhr

Wassertemperaturen von 18 Grad, viel Sonne und wochenlang kein Regen - Schleswig-Holstein freut sich über einen tollen Frühsommer. „Das ist schon eine sehr seltene Situation“, sagt der Kieler Meteorologe Meeno Schrader. Der vergangene Monat sei der heißeste Mai im Norden seit Beginn der Wetteraufzeichnungen gewesen. An der für das Land repräsentativen Messstation Schleswig habe die Durchschnittstemperatur 15 Grad Celsius betragen, 4,2 Grad mehr als im Mittel vergangener Jahre.

Eine derart lange, sommerlich trockene Phase habe es zu dieser Jahreszeit im Norden zuletzt 1992 gegeben, sagte Schrader. „Da war es auch fast sechs Wochen durchgehend trocken.“ Schlüsse auf den weiteren Verlauf des Sommers ließen sich dadurch aber nicht ziehen.

Das Sommerwetter lockt mit zunehmend höheren Wassertemperaturen zu einem Bad in Nord- und Ostsee. „Der Sommer hat es innerhalb eines Monats geschafft, die Temperaturen von bummelig 7 bis 9 Grad auf 17 bis 19 Grad hochzutreiben“, sagte Schrader. Das sei für Anfang Juni eine besondere Situation. Strandnahe Temperaturen von 20, 21 Grad seien für diesen frühen Zeitpunkt im Norden „grandios“.

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Die lang anhaltende Trockenheit wird allerdings zunehmend zum Problem für die Wälder. Letztmals sei es 2012 so lange trocken gewesen, dass es Waldbrandgefahr der Stufe fünf gegeben habe, sagte Schrader.„Jeden Tag, den es weiterhin nicht regnet, steigt die Gefahr.“ Auch für die Bauern im Land bleibe zu hoffen, dass die Trockenheit nicht allzu lange anhalte. „Die Landwirtschaft wird seit einem halben Jahr arg gebeutelt“. Nun drohe den Landwirten ein Ausfall bei der Sommergerste.

Absehbar müssen die Schleswig-Holsteiner aber wieder mit niedrigeren Temperaturen leben. „In den Vorhersagemodellen deutet sich bereits an, dass mit den ersten Tagen der Kieler Woche (16. bis 24. Juni) das Temperaturniveau sinkt von aktuell 25 bis 27 Grad auf dann 19 bis 21 Grad“, sagte Schrader. Dann gelangten Luftmassen aus dem Westen und Nordwesten ins Land. Damit nähmen auch wieder Tiefdruckgebiete, Warm- und Kaltfronten den Weg nach Schleswig-Holstein und brächten hin und wieder Regen. Die Sonne werde sich bald nicht mehr 14 bis 16 Stunden am Tag zeigen, sondern zum Beginn des Sommerfestes seien „Halb Wolken, halb Sonne“ zu erwarten.

Langfristige Prognosen für den Sommer gebe es nicht, es handele sich lediglich um Trends, sagte Schrader. Der Frühsommer lasse keine Schlüsse auf Juli oder August zu. Sorgen, der Hochsommer könne ähnlich schlecht wie 2017 ausfallen, hält der Meteorologe für unbegründet. „Da sind wir in einer ein bisschen besseren Situation, weil das Wasser schon so warm ist.“ Im vergangenen Jahr sei die Wassertemperatur der Ostsee gar nicht erst über 16, 17 Grad hinausgekommen. „Die haben wir jetzt schon überschritten.“ Wie es auch kommt: Wer kann, sollte das aktuelle Sommerwetter in vollen Zügen genießen. „Denn in dieser Form ist das schon sensationell, was sich da abspielt“, sagte Schrader.

 
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