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Vorzeitig in Rente : Früher Ausstieg wird teuer

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Seit vergangenem Jahr wird schrittweise die Rente mit 67 eingeführt. Wer vorher aus dem Beruf aussteigen möchte, muss sich dies erkaufen.

Flensburg | Seit vergangenem Jahr ist sie Realität: Die Rente mit 67. Der Einstieg hat am 1. Januar 2012 begonnen. Bereits im März 2007 wurde sie unter dem sperrigen Namen „Rentenversicherungs-Altersgrenzenanpassungsgesetz“ von Bundestag und Bundesrat beschlossen, um dem demografischen Wandel zu begegnen. Ziel der Bundesregierung war es, den Beitragssatz zur Rentenversicherung auch zukünftig stabil zu halten und das Rentenniveau nachhaltig zu sichern.

Für die Arbeitnehmer hat die Umstellung seit vergangenem Jahr ganz konkrete Auswirkungen: Das Renteneintrittsalter steigt seitdem abhängig vom Geburtsjahrgang schrittweise auf das 67. Lebensjahr an. Betroffen sind die Jahrgänge ab 1947: Die 1947 geborenen Arbeitnehmer konnten als Erste einen Monat später in Regelaltersrente gehen als bisher. Bis 2024 – und damit bis zum Jahrgang 1958 – wird jeder Jahrgang jeweils einen weiteren Monat später in Regelaltersrente gehen. Ab 2025 steigt das Renteneintrittsalter dann jeweils um zwei Monate pro Jahrgang an. 2031 soll die Rente mit 67 vollständig implementiert sein: 1964 geborene Arbeitnehmer werden dann die Ersten sein, die erst mit 67 die Regelaltersrente in Anspruch nehmen können. Die Anhebung gilt nicht nur für die Regelaltersrente, sondern auch für die vorgezogenen Altersrenten: Die Altersgrenze für die Altersrente für langjährig Versicherte steigt stufenweise von 65 auf 67 Jahre (erster betroffener Jahrgang: 1949), die Altersgrenze für Schwerbehinderte von 63 auf 65 Jahre (erster betroffener Jahrgang: 1952).

Ausnahmen für besonders langjährige Versicherte

Ausnahmen gibt es bei der Altersrente für besonders langjährige Versicherte: Wer insgesamt 45 Jahre lang Pflichtbeiträge in die Rentenversicherung gezahlt hat, darf auf jeden Fall mit 65 abschlagsfrei in Rente gehen, unabhängig vom Geburtsjahr. Ausnahmen gibt es auch für alle Arbeitnehmer der Geburtsjahrgänge 1954 und älter, die vor dem 1. Januar 2007 verbindlich Altersteilzeitarbeit mit dem Arbeitgeber vereinbart haben. Für sie wird die Regelaltersgrenze von 65 Jahren nicht angehoben, es gilt eine Vertrauensschutzregelung.

Ansonsten müssen sich Arbeitnehmer den früheren Ausstieg mit Abschlägen von 0,3 Prozent, den sie eher in Rente gehen, erkaufen. Heißt konkret: Während es bei der Regelaltersrente nicht die Möglichkeit gibt, vorzeitig in Rente zu gehen, ist dies bei der Altersrente für langjährig Versicherte möglich. Unter Erfüllung der Voraussetzungen (35 Versicherungsjahre) können Arbeitnehmer so frühestens mit 63 Jahren in Rente gehen. Das kostet dann allerdings: Auf 14,4 Prozent ihrer Rente müssen sie verzichten, wenn sie nach 1963 geboren wurden. Wer mit 65 aufhört zu arbeiten, muss immer noch 7,2 Prozent abgeben. Das Gleiche gilt für schwerbehinderte Menschen: Auch sie können die Altersrente vorzeitig mit einem Abschlag in Anspruch nehmen. Wer wegen Krankheit auf Erwerbsminderungsrente angewiesen ist und diese vor der maßgeblichen Altersgrenze in Anspruch nimmt, muss ebenfalls Abschläge hinnehmen.
Bei allen Abschlägen gilt: Sie bleiben für die gesamte Laufzeit der Rente bestehen, also auch über die Regelaltersgrenze hinaus. „Wer vorzeitig in Rente geht, muss dies über Abschläge mitfinanzieren“, sagt Dirk Manthey vom Deutschen Rentenversicherung Bund in Berlin. Die Abschläge können jedoch auch im Vorfeld durch eine zusätzliche Zahlung von Beiträgen ganz oder teilweise ausgeglichen werden. Dafür muss ein Antrag gestellt werden, der Antragsteller muss mindestens 55 Jahre alt sein und gegenüber der Rentenversicherung erklären, dass er beabsichtigt, früher in Rente zu gehen. „So kann ausgerechnet werden, was gezahlt werden muss“, sagt Dirk Manthey.

Wer länger arbeitet, bekommt Zuschläge

Es geht aber auch andersherum: Wer mit Erreichen der Regelaltersgrenze noch nicht in Rente gehen will, wird belohnt. 0,5 Prozent Zuschlag pro Monat auf ihre Rente erhalten Arbeitnehmer, die weiterarbeiten. „Weil diese Menschen dann ja auch entsprechend kürzer die Rente beziehen“, sagt Dirk Manthey. Grundsätzlich, sagt er, müsse jeder abwägen, ob er sich die vorzeitige Rente mit seinen finanziellen Mitteln leisten könne.

Der Trend geht derzeit dazu, immer später in Rente zu gehen: Lag das durchschnittliche Rentenzugangsalter im Jahr 2000 noch bei 62,3 Jahren, ist es im Jahr 2012 auf 64 Jahre angestiegen. Laut Dirk Manthey Folge der Abschläge, die sich nicht jeder leisten will und kann, des Auslaufens der Altersrente für Frauen und Arbeitslose sowie der Entwicklungen auf dem Arbeitsmarkt, in dem auch Ältere zunehmend bleiben können.

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erstellt am 05.01.2014 | 09:00 Uhr

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