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Jugendhilfeeinrichtung : „Friesenhof“-Heimbetreiberin stellt Insolvenzantrag

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Die Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ steht vor dem Aus: Zwei der umstrittenen Heime mussten schließen – jetzt droht der Betreiberin die Insolvenz.

shz.de von
erstellt am 08.Jun.2015 | 12:06 Uhr

Hedwigenkoog | Nach der Schließung der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ im Kreis Dithmarschen hat die Betreiberin Insolvenzantrag beim Amtsgericht Meldorf gestellt. Zum vorläufigen Insolvenzverwalter wurde der Hamburger Rechtsanwalt Christian Heim bestellt, heißt es in der Bekanntmachung des Amtsgerichts vom 5. Juni.

Die Kinder- und Jugendhilfeeinrichtung „Friesenhof“ betreute seit 1999 psychisch auffällige Mädchen. Es gab mehrere Standorte mit stationären Angeboten sowie betreutes Einzelwohnen. Im zweiten Halbjahr 2014 hatten Mädchen, aber auch zwei ehemalige pädagogische Mitarbeiter, massive Vorwürfe über inakzeptable Praktiken erhoben - etwa, dass sich die Mädchen nach ihrer Ankunft nackt vor männlichem Personal ausziehen müssten.

Wegen unzureichenden Fachpersonals und inakzeptabler pädagogischer Methoden hatte das Landesjugendamt in der vergangenen Woche zwei Einrichtungen des Friesenhofs schließen lassen. Am Dienstag wird sich der Sozialausschuss des Landtags bei einer Sondersitzung auf Antrag der CDU mit dem Thema befassen.

Nach der Schließung der umstrittenen Jugendhilfeeinrichtung ist es zu dramatischen Situationen gekommen. Mehrere Mädchen hätten am Mittwochabend versucht, wegzulaufen und zwei hätten sich selbst verletzt, so dass der Notarzt kommen musste, teilte Sozialstaatssekretärin Anette Langner mit.

Der Kreis Dithmarschen hat nach Darstellung von Renate Agnes Dümchen, Bereichsleiterin Soziales beim Kreis Dithmarschen, seit etwa 2013 Jugendliche wegen der inakzeptablen Zustände nicht mehr zum Friesenhof geschickt. Bis auf eine Ausnahme habe auch seit 2014 kein anderes Jugendamt im Norden den Friesenhof belegt. Die Mädchen kamen überwiegend aus Hamburg sowie anderen Bundesländern. Dem Landesjugendamt sei bekannt gewesen, dass Jugendämter im Norden den Friesenhof wegen untragbarer Zustände nicht mehr nutzten, sagte Dümchen. Denn wenn ein Jugendamt einen Jugendlichen aus einer Einrichtung zurückhole und woanders hinschicke, werde in jedem Einzelfall das Landesjugendamt unterrichtet - einschließlich der Begründung.

Im Internet berichten derweil immer mehr der ehemaligen Bewohnerinnen über ihre Erlebnisse. So schreibt Laura: „Ich war selbst vor einiger Zeit in dieser Einrichtung und kann bestätigen, dass wir uns bei der Ankunft im sogenannten Mädchencamp Nanna komplett ausziehen mussten, damit unsere Sachen und wir durchsucht werden konnten. Außerdem mussten wir ... unsere Klamotten abgeben und bekamen Einheitskleidung mit der Aufschrift Kinder- und Jugendhilfe Barbara Janssen. So mussten wir sogar in das öffentliche Fitnesscenter. Unter anderem auf Grund solcher Handlungen  haben viele Betreuer diese Einrichtung verlassen.“

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