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Youtubestar aus Wesselburen : Freshtorge: „Das ist total verrückt“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Kaum ein Erwachsener kennt Freshtorge. Ganz im Gegensatz zu Tausenden Jugendlichen, die für ihren Youtube-Star sogar eine Buchhandlung belagern.

Hamburg | „FRESH-TORGE“, sagt der Mann an der Information eines Hamburger Einkaufszentrums. Obwohl er langsam, laut und überdeutlich spricht, schüttelt der Mann auf der anderen Seite des Tresens langsam seinen grauhaarigen Kopf und guckt, als hätte er die Antwort nicht verstanden. Ganz im Gegensatz zu der Menschenschlange aus hauptsächlich jungen Mädchen, die sich um ihn herum durch das Kaufhaus windet. Sie endet – ungeachtet aller umliegenden Klamottengeschäfte – ausgerechnet in einer Buchhandlung.

Denn dort sitzt er an einem Tisch, um Autogramme zu geben: Torge Oelich. Oder eben: Freshtorge. So nennt sich der 26-Jährige im Internet, wo er einmal pro Woche (jeden „Samstorg“) ein selbstgedrehtes Comedy-Video hochlädt. Darin ist er mal die dümmliche Sandra, mal der abenteuerlustige „Bär grillt“ oder auch „Haaaalt-Stop-Andreas“, die den Humor von Freshtorge auf ihre ganz eigene Art verkörpern.

Bei seinen Fans kommt das gut an – zumindest werden es immer mehr: über eine Million Abonnenten hat sein Youtube-Kanal „freshaltefolie“, mehr als zehn Millionen Mal wurde allein sein beliebtestes Video angesehen. Viele erkennen ihn mittlerweile auf der Straße, wollen ein Autogramm und ein Foto. „In Vergnügungsparks kann ich nur noch mit Sonnenbrille und Mütze gehen – und selbst damit bleibe ich nicht immer unerkannt“, sagt Torge.

Er ist jetzt so etwas wie ein Popstar aus dem Internet. Außer in seinem Heimatort. In Wesselburen (Kreis Dithmarschen) ist er einfach nur Torge. „Hier kennt mich sowieso jeder“, sagt er. „Dass ich Videos mache, interessiert viele gar nicht.“ So bleibt er der Junge von früher, der nach seinem Realschulabschluss erst eine Ausbildung zum Sozialpädagogischen Assistenten, dann zum Erzieher gemacht hat, um schließlich als Schulsozialarbeiter an seine ehemalige Grundschule zurückzukehren. „Meine Lehrer von früher sind jetzt meine Kollegen, das war am Anfang schon merkwürdig“, sagt er. Damals sei er ein Klassenclown gewesen, erinnert er sich. Heute macht er seine Späße hauptsächlich im Internet.

Zwar kennen auch manche Schüler seine Videos, trotzdem legt Torge großen Wert auf eine klare Abgrenzung zwischen Comedy und Schule. „Durch mein Auftreten und eine entsprechende Körpersprache zeige ich den Schülern, dass ich nicht als Freshtorge da bin, sondern als Erzieher.“ Nur so lasse sich der Job mit dem Dasein als Youtube-Star vereinbaren.

Angefangen hat das alles vor etwa fünf Jahren – erstmal nur zum Spaß. Schon damals wurden seine Clips mehrere Tausend Mal angeklickt. „Damals habe ich gedacht, es wäre cool, wenn der Erfolg ein paar Wochen anhält“, erinnert er sich. Dass er mit seinen Figuren über Jahre hinweg eine wahre Fangemeinschaft aufbauen würde, hätte er nicht erwartet. „Mittlerweile mache ich das schon ewig – das ist total verrückt.“

Heute könnte er von den Einnahmen, die wie bei allen Youtube-Stars streng geheim sind, leben. Seinen Job an der Grundschule aufgeben will er darum aber auf keinen Fall. „So wie es jetzt ist, ist es doch perfekt: Ich habe keinen Chef, der mir etwas vorschreibt und kann meine Ideen genau so umsetzen, wie ich es will.“ Außerdem halte ihn die Arbeit mit den Kindern am Boden.

Dass er in dem ganzen Youtube-Hype nicht abhebt, verhindern auch seine Familie und Freunde. „Wir feiern heute noch die gleichen Partys wie vor zehn Jahren“, freut sich Torge. Von Allüren merkt man bei ihm nichts. An das erste Autogramm – kann er sich nicht erinnern. Das erste Mal auf der Straße erkannt werden? Auch nicht. Stattdessen strahlt Torge eine sehr entspannte Bodenständigkeit aus. Typisch norddeutsch eben.

Aus seiner Heimat wegzuziehen, kann er sich überhaupt nicht vorstellen. „Ich fahre oft mit Freunden zum Deich, um dort zu quatschen. Es ist einfach die schönste Gegend – auch wenn ich verstehen kann, dass viel Nebel und flaches Land nicht für jeden etwas sind.“

Seine unkomplizierte Art macht Torge zu einem Star zum Anfassen. Das merken auch die Fans, die im Einkaufszentrum artig Schlange stehen, um eben nicht nur ein Autogramm und ein Foto, sondern immer wieder auch eine Umarmung zu bekommen. Damit sie ihren Star noch besser kennenlernen können, gibt es jetzt auch noch „Mein Tagebuch“. Kinderfotos, Klassenarbeiten und (nachträglich, aber selbst geschriebene) Tagebucheinträge sollen ganz persönliche Einblicke vermitteln. Ein Buch für die Generation Internet? Das funktioniert? Natürlich. Es ist ja von Freshtorge.

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erstellt am 26.Okt.2014 | 15:24 Uhr

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