Amtsgericht Kiel : Freispruch nach Messerattacke auf Kieler Woche

Ein Großaufgebot an Polizeifahrzeugen am Freitag vor dem Amtsgericht in Kiel. Foto: dpa
Ein Großaufgebot an Polizeifahrzeugen am Freitag vor dem Amtsgericht in Kiel. Foto: dpa

Eine lebensgefährliche Messerattacke bleibt ungesühnt: Nach dem Grundsatz "Im Zweifel für den Angeklagten" hat das Kieler Amtsgericht einen 22-Jährigen am Freitag freigesprochen.

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11. März 2012, 09:33 Uhr

Kiel | Mit dem Urteil folgten die Richter dem Antrag des Staatsanwaltes, der Freispruch gefordert hatte, "weil die Täterschaft nicht sicher nachgewiesen werden kann und nicht, weil ich von der Unschuld des Angeklagten überzeugt bin."
Laut Anklage soll der Mann - er war damals noch Heranwachsender, deswegen wurde vor einer Jugendkammer verhandelt - das Opfer während der Kieler Woche 2010 gemeinsam mit anderen vor einem Kieler Lokal attackiert haben. Der 27-Jährige wurde dabei lebensbedrohlich verletzt und trat als Nebenkläger auf. Sein Rechtsanwalt hielt den Angeklagten für überführt und forderte eine Bestrafung. Die Höhe des Strafmaßes stellte er ins Ermessen des Gerichts.
"Darauf lässt sich keine Verurteilung stützen"
Das Verfahren war auch bis zuletzt von starken Polizeikräften gesichert. Am zweiten Verhandlungstag war es trotz Polizeipräsenz zu einer schweren Schlägerei unter Zuschauern im Gerichtssaal gekommen. Dabei setzten die Einsatzkräfte auch Reizgas ein. Die Polizei rechnet den Angeklagten, der aus Hamburg anreiste, und das Opfer dem Umfeld der verfeindeten Rocker-Gruppen der Mongols und der Tigers zu.
Im Urteil stellte das Gericht fest: "Zum heutigen Zeitpunkt und angesichts der Beweislage ist keine andere Entscheidung möglich." Der Staatsanwalt hatte bereits festgestellt, dass es für jedes belastende auch entlastende Momente gebe. Zudem habe das Opfer den Angeklagten nicht eindeutig als Täter identifiziert und eine Zeugin habe sich massiv widersprochen. Auch die Verteidigerin des Angeklagten fasste das Ergebnis der Beweisaufnahme so zusammen: "Darauf lässt sich keine Verurteilung stützen."

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