Raubprozess in Lübeck : Freispruch mit bitterem Beigeschmack

War der Überfall auf einen Geldtransport in Travemünde fingiert oder nicht? Ein Gericht hat den Fahrer vom Vorwurf der Mittäterschaft freigesprochen.

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20. Januar 2011, 03:48 Uhr

Es war ein schwerer Vorwurf, der auf dem heute 37 Jahre alten Geldtransporterfahrer lastete. Er soll in den Überfall auf seinen Transport im Oktober 2006 verstrickt gewesen und die Tour und die Sicherheitsvorkehrungen im Fahrzeug verraten haben. Am Mittwoch aber hat das Landgericht Lübeck ihn von diesem Vorwurf freigesprochen. Doch der große Jubel blieb aus. Denn die Richter ließen keinen Zweifel daran: Es war ein Freispruch aus Mangel an Beweisen.
Es gebe eine Reihe von Details, die für eine Schuld des Fahrers sprächen, sagte der Vorsitzende der III. Großen Strafkammer, Kai Schröder. So spräche einerseits das profunde Insiderwissen der Täter für eine Beteiligung des 37-Jährigen. Andererseits könnten sie das theoretisch auch durch Ausspähen gewonnen haben. "Weil letztlich alles möglich ist, mussten wir ihn freisprechen", sagte Schröder.
Das erbeutete Geld ist bis heute verschwunden
Die beiden anderen 32 und 39 Jahre alten Angeklagten verurteilte das Gericht wegen Diebstahls zu drei beziehungsweise dreieinhalb Jahren Haft. Der Staatsanwalt war von einer Tatbeteiligung des Fahrers ausgegangen und hatte Haftstrafen zwischen dreieinhalb und sechs Jahren beziehungsweise eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren beantragt.
Mitten im Lübecker Stadtteil Travemünde hatten zwei maskierte und bewaffnete Männer am 16. Oktober 2006 den Geldtransporter der Deutschen Bahn überfallen. Sie bedrohten Fahrer und Beifahrerin, die gerade mit den Einnahmen der Fahrkartenautomaten aus dem Bahnhofsgebäude kamen, zwangen sie, sich auf den Boden des Fahrzeugs zu legen und entkamen mit rund 160.000 Euro. Die beiden Bahnmitarbeiter sperrten sie im Laderaum des Fahrzeuges ein. Die leeren Geldkassetten wurden einige Zeit später in Hamburg gefunden, das Geld blieb bis heute verschwunden.
Vor Gericht wiederholten die beiden Angeklagten ihre Geständnisse
Erst Ende 2009 konnte der heute 39 Jahre alte Mann durch eine DNA-Spur als Täter überführt und festgenommen werden. Er nannte als Mittäter den 32-jährigen Mann und den Geldtransporterfahrer, einen Freund aus Kindertagen. Der wurde im Februar 2010 festgenommen, nachdem auch Angehörige und Freunde des 39-Jährigen in abgehörten Telefonaten davon gesprochen hatten, der Fahrer habe den Überfall mit geplant.
Vor Gericht wiederholten die beiden Angeklagten ihre Geständnisse und sagten aus, der Fahrer habe ihnen auch versprochen, seine Beifahrerin einzuweihen. Dass sie am Mittwoch mit einer Strafe wegen einfachen Diebstahls davonkamen, verdanken sie der Tatsache, dass der Fahrer eben nur aus Mangel an Beweisen freigesprochen wurde. "Wir wissen nicht, ob sie nicht doch annehmen mussten, die Bahnmitarbeiter seien eingeweiht gewesen", sagte der Kammervorsitzende.
Für die Zeit, die er nach dem heutigen Urteil unschuldig in Untersuchungshaft gesessen hat, sprach das Gericht dem Geldtransporterfahrer eine Entschädigung zu. Das dürfte für den 37-Jährigen allerdings ein schwacher Trost sein, denn seinen Job bei der Bahn ist er inzwischen los.

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