Dänemarks Flaggen-Gesetz : Freie Wahl am Fahnenmast

Über Ferienhäusern in Dänemark dürfen bislang nur skandinavische Flaggen wehen. Foto: sh:z
Über Ferienhäusern in Dänemark dürfen bislang nur skandinavische Flaggen wehen. Foto: sh:z

Schluss mit Polizeieinsätzen: Die dänische Regierungspartei möchte auch ausländische Flaggen erlauben. Bislang ist es in Dänemark strafbar, etwas anderes als den Danebrog zu hissen.

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25. Mai 2012, 05:29 Uhr

Kopenhagen | Immer wieder erleben deutsche Touristen beim Urlaub in Dänemark eine böse Überraschung, die in Zeiten einer Fußball-Europameisterschaft neue Aktualität gewinnt: Hissen sie auf ihrem Sommerhausgrundstück die Deutschland-, Schleswig-Holstein- oder HSV-Flagge, kann plötzlich die Polizei vor der Tür stehen - herbeigerufen von alarmierten dänischen Nachbarn. Denn nur der geradezu kultartig verehrte Danebrog oder die Kreuzflaggen der anderen skandinavischen Länder sind nördlich der Grenze erlaubt. Allein auf der Nordseeinsel Fanø werden wegen Verstöße dagegen drei- bis fünfmal jährlich die Ordnungshüter eingeschaltet.
Das soll sich ändern, wenn es nach der Folketing-Abgeordneten Zenia Stampe geht. Die Parlamentarierin der sozialliberalen Regierungspartei Radikale Venstre setzt sich dafür ein, im Königreich auch andere Flaggen als den Danebrog zu erlauben. "Flaggen sind ein starkes Symbol. Ich liebe Dänemark, ich liebe den Danebrog. Aber ich liebe auch den Rest der Welt und alle Länder, die auf dieser Welt vertreten sind", sagt Stampe, die ausländerpolitische Sprecherin ihrer Fraktion ist.
"Eine Flagge zu zeigen ist eine Meinungsäußerung"
In erster Linie hat sie mit ihrer Liberalisierungs-Initiative Familien mit Migrationshintergrund vor Augen. Ihnen solle es - etwa vor einer Laube auf einem Kleingartengrundstück - erlaubt sein, das Nationalsymbol ihres Herkunftlandes im Wind wehen zu lassen. Aber eine Abschaffung des bisherigen Danebrog-Monopols würde automatisch auch für Ferienhausgäste aus Deutschland und anderen nichtskandinavischen Ländern gelten. Stampe selbst ist deutscher Abstammung. Ihr Vater wanderte in jungen Jahren aus der Bundesrepublik ein.
"Würde ich im Ausland leben, würde ich gern den Geburtstag meiner Kinder mit dem Danebrog feiern", argumentiert Stampe. Als weiteres Beispiel nennt sie: "Als die USA am 11. September angegriffen wurden, wollte ich durch das Hissen der amerikanischen Flagge gerne mein Mitgefühl ausdrücken. Eine Flagge zu zeigen, ist eine Meinungsäußerung, und ich trete für Meinungsfreiheit ein."
Koalitionspartei stimmt zu
Einzige Möglichkeit, heute andere Farben als den Danebrog aufzuziehen, ist ein Antrag auf Ausnahmegenehmigung bei der Polizei. Den gibt es allenfalls, wenn zugleich der Danebrog gehisst wird und dieser größer ausfällt als die Flagge einer anderen Nationalität.
Zustimmung für mehr Flexibilität kommt vom Koalitionspartner Sozialistische Volkspartei und der linken Einheitsliste. Pia Kjaersgaard von der rechtspopulistischen Dänischen Volkspartei hingegen erregt sich über einen "Ausverkauf dänischer Werte".
Hitzige Debatte in der Bevölkerung
Nicht nur Politiker beschäftigen sich seither mit der Idee. Stampe stach beim einfachen Bürger in ein Wespennest: Ihr Vorschlag stieß eine hitzige Debatte über die Leserkommentar-Funktionen der Internet-Seiten von Zeitungen und Fernsehsendern an. Allein an einer Online-Abstimmung der Tageszeitung "Politiken" beteiligten sich 3600 Leser. Befürworter und Kritiker lagen gleichauf.
Die negativen Stimmen sind teils nationalromantisch ("Wie ein Schnitt ins Herz"), teils verunglimpfend. Stampe wurde zum "Dänen-Hasser" hochstilisiert, und auch die "Nazi-Keule" war mal wieder schnell zur Hand: Ob man denn wolle, dass am 9. April (Tag des Einmarschs von Hitler-Deutschland 1940) Schwarz-Rot-Gold über Dänemark wehe, wurde schreckgespenstisch gefragt.
Auch Flagge-Zeiten gesetzlich geregelt
Stampe kontert: "Die dänischen Symbole sind schön und stark. Sie brauchen keine Verbote und Restriktionen, nur Aufmerksamkeit und Nachdenklichkeit."
Nicht nur das "Reinhaltungsgebot" der Flaggenmasten in Dänemark ist gesetzlich geregelt. Auch mit dem Danebrog darf in dem angeblich doch so gelassenen Dänemark keiner nach Gutdünken verfahren: Nur zwischen Sonnenauf- und Sonnenuntergang darf er gehisst werden und keinesfalls vor 8 Uhr morgens.

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