Humanitärer Einsatz für Somalia : Fregatte „Lübeck“ meldet: Auftrag Piratenjagd erfüllt

Die Fregatte „Lübeck“ in Wilhelmshafen.
Die Fregatte „Lübeck“ in Wilhelmshafen.

Seit 2008 schützt die Marine die Schiffe des World Food Programmes für Somalia vor Piratenangriffen. Piraterie gibt es dort kaum noch. Doch das Problem hat sich verlagert.

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18. Januar 2015, 11:35 Uhr

Mogadischu/Kiel | Konzentriert blickt Fregattenkapitän Peter Christian Semrau von der Brücke durch das Fernglas zum vorausfahrenden Frachter. Der Kommandant der Fregatte „Lübeck“ hat das Schiff des „World Food Program for Somalia“ fest im Blick. Seit Tagen wird der Transporter mit Hilfsgütern von Mombasa in Kenia zum somalischen Mogadischu von der F 214 begleitet und gesichert.

„Unsere Hauptaufgabe besteht darin, die Schiffe des „World Food Program for Somalia“ zu schützen. Seit fast zwei Jahren gab es nun keinen erfolgreichen Angriff durch Piraten mehr. Dies zeigt uns, wie wichtig unser Auftrag hier ist und verdeutlicht, dass die intensive Zusammenarbeit sowie alle getroffenen Maßnahmen sowohl an Land als auch auf See, im Verbund mit allen beteiligten Nationen, Wirkung zeigen“, erklärt Semrau stolz.

In den sechs Jahren der internationalen Operation Atalanta wurden 291 Schiffe mit 930 Tausend Tonnen Lebensmittel sicher ans Ziel gebracht. Seit über drei Monaten operiert die „Lübeck“ in einem Gebiet, das anderthalbmal so groß ist wie Europa ist.

Weit über 19.000 Seemeilen hat die Fregatte auf Patrouillenfahrten bereits zurückgelegt, dabei regelmäßig „friendly approaches“ durchgeführt – freundliche Annäherungen. „Unser Boardingteam, ein Offizier für die taktische Gesprächsführung sowie ein Dolmetscher gehen bei solchen Gesprächen an Bord der kleinen Boote und gewinnen dadurch wichtige Informationen, die uns bei der Erstellung eines ganzheitlichen Lagebildes helfen“, erklärt der Fregattenkapitän.

Die Präsenz der Deutschen Marine und der mit ihr operierenden Streitkräfte zeigt Wirkung. Gab es 2011 noch 176 Piraten-Angriffe bei denen 25 Schiffe gekapert wurden, zählte die Atalanta-Mission 2014 nur noch zwei Angriffe, die beide misslangen. Der letzte Piratenüberfall ereignete sich am 13. November 2014, als Speedboote im somalischen Becken ein RoRo-Schiff attackierten – erfolglos.

Besonderer Höhepunkt für die „Lübeck“ war im Dezember eine gemeinsame Mission mit den japanischen Zerstörer „Onami” und „Takanami" 200 Meilen nördlich von den Seychellen im Indischen Ozean – die drei Schiffe führten eine Schiffe eine gemeinsame Schießübung durch. Dabei reihten sie sich die  Einheiten in einer Linie auf und richteten ihre Waffenanlagen auf einen großen roten Ballon, im Marine-Jargon auch „Killertomate” genannt.

Noch 30 Geiseln in Hand der Piraten

„Gegenwärtig befinden sich im Einsatzgebiet keine Schiffe mehr in Hand der Piraten“, bilanziert Korvettenkapitän Bastian Fischborn vom Einsatzführungskommando der Bundeswehr gegenüber Schleswig-Holstein am Sonntag. Allerdings würde noch 26 Seeleute der „Naham 3“ sowie vier Seeleute des taiwanesischen Fischereischiffes „Prantalay 12“ noch von Piraten festgehalten.

Durch den Druck der Marinekräfte vor Afrika verschiebt sich der Schwerpunkt der Piraterie nach Asien. Denn weltweit wurden im vergangenen Jahr 21 Schiffe entführt, im Vergleich zu 12 Entführungen 2013. „Das ist auf die gestiegene Zahl von Angriffen auf küstennahe Tankschiffe in Südostasien zurückzuführen“, erklärt Pottengal Mukundan, Direktor des Internationalen Schifffahrtsbüros (IMB). „Banden von bewaffneten Dieben attackieren kleinere Tankschiffe in der Region wegen ihrer Ladung. Viele von ihnen suchen ganz gezielt nach Dieselöl oder Gasöl, um es zu entwenden und zu verkaufen.“

Insgesamt wurden 183 Schiffe geentert und 13 Schiffe beschossen. Dabei kamen vier Seeleute ums Leben. Zu den getöteten Seeleuten gehört auch ein indischer Ingenieur, der im April auf einem deutschen Öl- und Chemikalientanker vor der afrikanischen Westküste Opfer eines Überfalls wurde.

Für die 219 Besatzungsmitglieder an Bord der „Lübeck“, die bei einem früheren Einsatz im November 2011 an der Befreiung von 15 indischen Seeleuten aus der Hand von Piraten beteiligt war, neigt sich dem Ende zu. Am 26. Januar läuft die Fregatte „Bayern“ zur Ablösung in Wilhelmshaven aus und wird am 9. Februar Djibouti erreichen. Die „Bayern“ wird ab dem 2. Quartal dann auch wieder auf die Bordhubschrauber „Sea Lynx“ zurückgreifen können, auf die die „Lübeck“ wegen technischer Mängel verzichten musste.  

Ursache waren Schäden am Träger des Heckrotors der Hubschrauber, die aus besonderen Belastungen des Zwischengetriebes herrühren. die wurden jetzt behoben. Die Marine hat inzwischen mit dem eingeschränkten Flugbetrieb zu Ausbildungszwecken bereits wieder begonnen. Ziel ist es, die durch den Flugstopp ausgefallenen Ausbildungsqualifizierungen der Besatzungen und die erforderlichen Soll-Flugstunden aufzuholen. Ab Ende März wird dann ein Seefernaufklärer vom Typ P-3C Orion die Marineeinheiten zusätzlich verstärken. Für das Flugzeug mit der Kennung „Jester“ verlegt die Bundeswehr zu 50 Mann Besatzung und Techniker nach Afrika.   

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