Plädoyer für die Frau : "Frauen sind keine Weicheier"

Albert Darboven. Foto: rtn/Peter Wüst
Albert Darboven. Foto: rtn/Peter Wüst

"Kaffee-König" Albert Darboven über seinen Idee-Förderpreis, den nur weibliche Unternehmerinnen gewinnen können. Er hält das weibliche Geschlecht für sozialer.

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05. Mai 2011, 10:14 Uhr

Herr Darboven, Sie loben alle zwei Jahre den "Idee-Förderpreis" aus. Er ist mit 75.000 Euro üppig dotiert, richtet sich aber ausschließlich an Frauen. Warum?
Ich darf mir doch erlauben zu sagen, dass ich die Frauen liebe. Ich habe keine Alternative. Sie sind auch meine Zielgruppe - in jeder Hinsicht. Aber ich musste feststellen, dass Frauen bei dem Bemühen selbstständig zu werden, einige Hürden aufgebaut werden, die für Männer nicht vorhanden sind.

Haben daran die Männer schuld?
Ja, denn sie erkennen nicht, was für großartige Geschöpfe der Herrgott uns hier gegeben hat.

Warum erkennen Männer das nicht?
Keine Ahnung. Vielleicht scheuen sie die Konkurrenz. Ich scheue die nicht, sondern versuche, ein Gleichgewicht und die gleiche Augenhöhe zwischen Mann und Frau herzustellen.

Das ist ja nicht nur ein guter, sondern auch sehr zeitgemäßer Ansatz. Haben Sie schon immer gesehen, dass Frauen gleich auf sind mit den Männern?
Ja, das habe ich schon als Kind erlebt. Vor allem in der Firma habe ich immer wieder Frauen gesehen, die mit großem Sachverstand und Autorität sich Respekt verschaffen konnten.

Sind Frauen sozialer?
Ja, sie sind wesentlich sozialer.

Hätten wir mit einem größeren Anteil an Frauen in Unternehmen und Politik ein besseres Wertesystem, würden wir anders miteinander umgehen?
Wir hätten sicher ein anderes politisches Handeln und andere Strukturen in den Unternehmen und auf den Etagen der Manager - vermutlich angenehmere, sozialere und trotzdem leistungsorientierte. Denn Frauen sind keine Weicheier, aber eben auch keine Kampfhähne.

Seit 1997 loben Sie den Idee-Förderpreis aus. Mit welchem Ziel?
Es war seit langem mein Anliegen gewesen, Frauen in Unternehmen in Schlüsselpositionen zu bringen. Nicht nur als Stenotypistin und die rechte Hand vom Chef. Ich wollte auch, dass typische männliche Beruf von Frauen ausgeübt werden können. Als wir 1997 dann konkret an die Planung des Preises gingen, erlebte Deutschland gerade eine starke Rezession. Mein Anliegen war es deshalb auch, den Mittelstand, also die Inhaber geführten Familienunternehmen, mit diesem Preis zu fördern. Es kam also der Glaube an die starken, kreativen Frauen mit der Erkenntnis zusammen, dass die Wirtschaft junge, kreative Köpfe braucht, um sich erfolgreich zu entwickeln. Das Potenzial der Frauen ist ja noch längst nicht ausgeschöpft.

Der Preis ist mit 75.000 Euro sehr hoch dotiert und außerordentlich anspruchsvoll was das Profil der Bewerberinnen angeht. Ein Elite-Preis?
Nein, aber wir wollen herausragende Ideen und Persönlichkeiten fördern, verlangen ein überzeugendes Geschäftsmodell von den Bewerberinnen. Mit Elite hat das weniger zu tun, aber sehr viel mit den Grundsätzen eines erfolgreichen Unternehmens, denn wir wollen ja nicht Frauen fördern, deren Konzepte erkennbar schwierig oder zum Scheitern verurteilt sind.

Gibt es in der Rückschau unter den bisher neun Gewinnerinnen eine, von der Sie sagen, die hätte den Preis doch nicht bekommen sollen?
Nein, nicht eine, denn alle waren hoch erfolgreich.

Wer wählt eigentlich die Preisträgerinnen aus? Sie?
Nein, ich werde mich hüten. Es ist eine hochkarätige Jury von Wissenschaftlern und Ökonomen. Ich sitze zwar dabei, aber habe weder ein Vorschlagsrecht noch das letzte Wort bei der Wahl.

Spielt es eine Rolle, ob eine Bewerberin Mutter ist?
Nein. Das Aussehen spielt übrigens auch keine Rolle, obwohl schon sehr hübsche Bewerberinnen dabei waren.

Gewinnen nur Akademikerinnen oder hat auch die Handwerkerin eine Chance?
Natürlich. Wir haben unter den Gewinnerinnen auch Handwerkerinnen.

Wie ist die regionale Verteilung der Preisträger? Kommen einige auch aus dem Norden, aus Hamburg oder Schleswig-Holstein?
Nein, bisher kommen leider weder aus Schleswig-Holstein noch aus Hamburg Preisträgerinnen. Aber wir würden uns sehr freuen, wenn mal eine hinterm Knick vorkommt.

Tue Gutes und red darüber. Ist der Preis auch ein Prestige-Projekt, eine gute Marketing Maßnahme?
Entschuldigen Sie mal, natürlich nehme ich nicht nur die Interessen anderer wahr, sondern auch meine eigenen. Das ist doch nur legitim.

Brauchen wir eine Frauenquote?
Ich denke ja, denn die Herren versuchen immer noch, ihre Männerwelt zu erhalten.

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