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Ehemann unter Verdacht : Frau in Kronshagen angezündet: Haftbefehl wegen Mordes

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In Kronshagen herrscht Fassungslosigkeit: Freunde und Bekannte legen Blumen nieder für die Frau, die so grausam getötet wurde.

shz.de von
erstellt am 08.Dez.2016 | 17:30 Uhr

Kiel/Kronshagen | Nach der tödlichen Brandattacke auf eine 38 Jahre alte Frau in Kronshagen ist Haftbefehl wegen Mordes gegen den Ehemann erlassen worden. Ein Haftrichter folgte am Donnerstag in Kiel dem entsprechenden Antrag der Staatsanwaltschaft. Der 41 Jahre alte Tatverdächtige kam in Untersuchungshaft ins Gefängnis nach Neumünster.

Der Mann soll den bisherigen Ermittlungen zufolge am Mittwoch im Auto Streit mit seiner Frau gehabt und sie mit einer brennbaren Flüssigkeit übergossen haben. Als die Frau aus dem Auto floh, soll der Mann sie verfolgt und angezündet haben. Sie hinterlässt zwei Söhne, sie sind drei und sieben Jahre alt. Im Januar wollte sie einen einjährigen Dienst beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes, Stefan Schmidt, beginnen.

Der Schock über den tödlichen Brandanschlag sitzt in Kiel tief. Freunde trauern um die 38-Jährige. Sie weinen laut und schluchzen leise. Einen Tag nach dem entsetzlichen Flammentod ihrer Freundin legen Frauen und Männer am Tatort in der Kieler Nachbargemeinde Kronshagen Blumen nieder und stellen Kerzen auf.

Sabine Haft platziert dahinter ein Holzkreuz. „Sie war Christin, kommt aus einer ganz traditionellen christlichen Familie“, sagt die Frau an der Stelle, an der die 38-Jährige 26 Stunden zuvor in Brand gesetzt wurde.

Die kleine Trauergemeinde vor der Klinik, aus der Mitarbeiter am Mittwoch vergeblich zur Hilfe geeilt waren, kann immer noch nicht fassen, was da geschehen war. „Das tut sehr weh“, sagt Oswella Obiri-Yeboah. „Sie war immer gut zu uns und hat sich viel um afrikanische Menschen hier gekümmert.“ Noch vor ein paar Tagen war die Ghanaerin dabei, als der Freundin Rasta-Zöpfe geflochten wurden.

Die Frau, um die ihre Gefährten in Kiel und Kronshagen so trauern, stammte aus Togo in Westafrika. Sie war in Kiel seit vielen Jahren für deutsch-afrikanische Frauenprojekte aktiv. „Dela hat sich immer sehr für die Rechte der Frauen eingesetzt, vor allem der afrikanischen Frauen“, sagt Rabea Krause, eine gute Bekannte. Sie hatte einen der beiden Söhne in der Krabbelgruppe betreut. „Sie war immer hilfsbereit, Mutter mit Leib und Seele, sehr herzlich und religiös.“ Einer Augenzeugin zufolge hatte sie nach der Feuerattacke in Flammen stehend geschrien: „Meine Kinder, meine Kinder, was wird mit meinen Kindern?“

Mit der tödlichen Feuerattacke von Kronshagen erschüttert erneut eine brutale mutmaßliche Beziehungstat die Menschen. Erst vor zweieinhalb Wochen hatte in Hameln (Niedersachsen) ein Mann seine ehemalige Lebensgefährtin mit einem Seil um den Hals an ein Auto gebunden und 250 Meter weit über die Straße geschleift. Warum das Verbrechen in Kronshagen geschah, blieb auch am Donnerstag noch unklar.

Fest steht, dass der tatverdächtige Mann der 38-Jährigen in psychiatrischer Behandlung war. Nach dem bisherigen Ermittlungsstand sollen beide die drei und sieben Jahre alten Söhne zur Schule und zum Kindergarten gebracht haben. Danach hatte das Auto laut Staatsanwaltschaft eine Panne, es gab Streit und noch im Wagen soll der Mann eine brennbare Flüssigkeit über seine Frau gegossen haben.

Sie lief weg, er hinterher und zündete sie an, so die Darstellung. Schockierte Passanten beobachteten den grausigen Vorfall.

„Dela war hier absolut integriert“, betont deren Bekannte Krause. Sabine Haft, ebenfalls in deutsch-afrikanischer Frauenarbeit engagiert, bestätigt das: „Sie war fast mehr deutsch als afrikanisch. Dela war eine unglaublich starke, liebenswerte Frau“.

In einer Broschüre für ihren Verein schrieb die Betrauerte, sie sei aus Perspektivlosigkeit aus ihrer Heimat weggegangen, um in Deutschland zu studieren. „Das Vorbild meiner Mutter, die in ihrer sehr patriarchal geprägten Gesellschaft es oft wagte, gegen den Strom zu schwimmen, hat mich geprägt und zu meinem Ziel geführt, mich für die Stärkung und Anerkennung der Rolle und Rechte der Frauen aus meiner Heimat zu engagieren.“

Vom 1. Januar an hätte die 38-Jährige beim Flüchtlingsbeauftragten des Landes Schleswig-Holstein arbeiten sollen. „Wir trauern um eine Frau, die wir als neue Kollegin nicht mehr kennenlernen durften“, sagte Landtagspräsident Klaus Schlie (CDU). „Es ist kaum zu glauben, dass Menschen auf so schreckliche Weise getötet werden - ganz gleich aus welchem Teil der Welt die vermeintlichen Täter stammen“, fügte der Flüchtlingsbeauftragte Stefan Schmidt hinzu.

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