Friedrichskoog : Forscher sorgen für Alarm im Watt

Ein Rettungshubschrauber kreiste über der Küste Dithmarschens, Polizei und Feuerwehr säumten den Deich. Eine Urlauberin glaubte, verirrte Wattwanderer zu sehen.

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14. April 2011, 08:06 Uhr

Auflaufendes Wasser, Windstärken zwischen 8 und 9 - da ist es für Fußgänger gefährlich im Watt. Eine aufmerksame Spaziergängerin alarmierte deshalb am Dienstag um 12:23 Uhr die Leitstelle, als sie knapp drei Kilometer vor Friedrichskoog-Spitze zwei Personen bis zum Bauch im Wasser stehen sah. Sofort lief ein Großeinsatz an.
Die Friedrichskooger Feuerwehr rückte mit 25 Mann in vier Fahrzeugen aus, Rettungshubschrauber "Christoph 42" aus Rendsburg wurde auf den Weg geschickt, zwei Rettungswagen eilten zum Strandhauptaufgang. Vier Feuerwehrleute nahmen ein Schiebeboard und machten sich auf den Weg zu den beiden Personen. "Wir haben das dann aber nach einigen hundert Metern abgebrochen, es war zu gefährlich", erzählt Wehrführer Peter Sassen. Und weil die Situation von Land aus schwer einzuschätzen war, wurde auch noch der auf Helgoland stationierte SAR-Hubschrauber angefordert. Denn der ist mit einer Seilwinde ausgestattet und hätte die Personen im Watt an Bord holen können.
Wissenschaftler nahmen Bodenproben
Die Besatzung des inzwischen eingetroffenen Rettungshubschraubers "Christoph 42" nahm Kontakt mit den beiden Männern auf. Die 38 und 51 Jahren alten Wissenschaftler waren im Auftrag des Ölförderkonsortiums RWE Dea im Watt, um Bodenproben zu nehmen. Sie untersuchen Mikroorganismen auf Veränderungen, die durch die Ölfördertätigkeit ausgelöst werden könnten. Sie waren mit Neoprenanzügen ausgerüstet, wähnten sich nicht in Gefahr - obwohl der Wind das auflaufende Wasser in den Priel drückte, in dem sie standen.
"Das war schon eng, der Priel lief voll", sagt der Marner Polizist Oliver Strunck. Und sein Friedrichskooger Kollege Kai Clausen spricht von einer grenzwertigen Situation: "Das war Fifty-Fifty, ob das noch gut geht." Die Urlauberin habe sich daher "zu Recht Sorgen gemacht", als sie die Leitstelle anrief. Denn es habe so ausgesehen, als suchten zwei Personen nach Wattwürmern und seien vom Wasser überrascht worden.
Ein von der Bohrinsel Mittelplate losgeschicktes Boot und auch der SAR-Hubschrauber von Helgoland konnten auf halbem Wege wieder umdrehen: Die beiden Männer machten sich zu Fuß auf den Rückweg. Clausen: "Die hatten die Rettungswagen gesehen, das aber gar nicht auf sich bezogen." Nicht zum ersten Mal seien sie im Watt unterwegs gewesen. Nach einer Standpauke durch die Polizei haben sie aber, so Clausen, versprochen, in Zukunft Bescheid zu sagen, wenn sie wieder rausgehen.
(rp, shz)

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