Vor zehn Jahren : Folter-Mord: Täter will Komplizen belasten

Ulrich Steinbrenner
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Ulrich Steinbrenner

Eines der spektakulärsten Verbrechen in Schleswig-Holstein: der Folter-Tod des Autohändlers Ulrich Steinbrenner. Ein Täter wurde gefasst und verurteilt. Heute will er endlich seine Komplizen nennen.

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08. Januar 2009, 10:56 Uhr

Itzehoe/Horst | Der Autohändler Ulrich Steinbrenner aus Horst im Kreis Steinburg starb in der Nacht zum 1. Juni 1999 im Keller seines Hauses. Gefesselt mit Teppichklebeband, auf den Boden geworfen, über Stunden gefoltert. Ulrich Steinbrenner war 56 Jahre alt. Er verkaufte Busse und Laster nach Russland und soll damit ein Vermögen gemacht haben.

Geld war auch der Grund für seinen Tod. Die Männer, die ihn folterten, hatten es auf die Schwarzgeldkasse des Autohändlers abgesehen - 80.000 Mark, versteckt in einem Tresor. Doch der geschiedene Vater zweier Kinder schwieg trotz der entsetzlichen Tortur. Seine Leiche wies massive Verletzungen auf: Knochenbrüche, Quetschungen, Prellungen und gerissene Blutgefäße. Todesursache war ein Kollaps der Lunge. Als Steinbrenners Peiniger bemerkten, dass ihr Opfer starb, schnitten sie die Fesseln auf und legten ihm ein Kissen unter den Kopf. So wurde der Tote gefunden. Das Schwarzgeld entdeckten die Männer nicht. Sie nahmen eine goldene Halskette, ein Portemonnaie und die Rolex-Uhr des Autohändlers mit.
Werden zehn Jahre nach dem Verbrechen endlich alle Täter verurteilt? Heute beginnt vor dem Landgericht Itzehoe der Prozess gegen Sergej F. (29), Eugen K. (29), Anatoli S. (33) und Dimitry S. (38) aus Hamburg. Die Anklage lautet auf Raub mit Todesfolge. Der einzige Zeuge: Ein Mittäter der vier Angeklagten. Sein Name ist Vladimir K., zur Tatzeit war er 19 Jahre alt. Für das Verbrechen an Ulrich Steinbrenner wurde er 2003 zu sechseinhalb Jahren Jugendstrafe verurteilt.
Langwieriger Indizienprozess
Ermittler hatten Vladimir K. rasch festnehmen können. Speichelspuren an Zigarettenkippen führten zu ihm und zu seinem Landsmann Alexander D. (damals 21). Beide waren an einer brutalen Massenvergewaltigung in Hamburg beteiligt gewesen, hatten eine DNA-Probe abgeben müssen. Alexander D. erwischten die Fahnder jedoch nicht, er setzte sich mit einem Aeroflot-Flug von Fuhlsbüttel nach Moskau ab, wurde lange mit internationalem Haftbefehl gesucht. Inzwischen ist er gestorben.

Vladimir K. wurde in einem langwierigen Indizienprozess verurteilt: Fasern von seinem Trainingsanzug fanden sich an der Leiche des Autohändlers. Die Ermittler vermuteten wegen der Spuren am Tatort stets, dass es mehr als zwei Täter gegeben haben musste. Weil er Angst um seine Familie hatte, die nachweislich bedroht wurde, hüllte Vladimir K. sich während seines Prozesses über mögliche Komplizen in Schweigen.

Doch nach drei Jahren im Gefängnis änderte er seine Meinung und nannte vier Namen. Ein Spezialeinsatzkommando nahm die vier Tatverdächtigen im April 2006 in Hamburg und Buxtehude fest. Im November 2006 begann mit einem großen Sicherheitsaufgebot der Prozess gegen Sergej F., Eugen K., Anatoli S. und Dimitry S. - und platzte nach nur zwei Verhandlungstagen. Die Angeklagten, sekundiert von prominenten Hamburger Verteidigern, schwiegen - und auch Hauptbelastungszeuge Vladimir K. blieb zu aller Überraschung stumm. Er forderte allerdings eine psychologische Untersuchung. Ein daraufhin beauftragter Hamburger Facharzt zog aber unverrichteter Dinge wieder ab. Vladimir K. lehnte ein Gespräch mit ihm ab. Wegen Verweigerung der Aussage verhängte das Gericht eine Ordnungsstrafe von 500 Euro, Vladimir K. wurde zurück ins Gefängnis gebracht.

Heute nun will er endlich reden. Über das, was seine Komplizen Ulrich Steinbrenner angetan haben.

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