Steigende Energiepreise : Förster warnen vor Holzdieben

Viele Kamin- und Ofenbesitzer holen ihr Holz selbst im Wald ab. Immer häufiger passiert das jedoch ohne Erlaubnis des Försters. Foto: dpa
Viele Kamin- und Ofenbesitzer holen ihr Holz selbst im Wald ab. Immer häufiger passiert das jedoch ohne Erlaubnis des Försters. Foto: dpa

Steigende Energiepreise und der eisige Endlos-Winter treiben immer mehr Holzdiebe in die Wälder. Trockenes Holz schon jetzt knapp. Viele bleiben mit ihrer Baum-Beute unbehelligt.

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31. März 2013, 03:55 Uhr

Bad Segeberg/Lübeck | Meist geht das relativ schnell. Sie kommen mitten am Tag, fahren mit Auto und Anhänger vor, steigen aus, setzen die Motorsäge an und verladen am Waldweg Holz. Und schon haben sich die Diebe wieder ein paar warme Tage in diesem so langen, kalten Winter gesichert.

"Holzklau hat auf jeden Fall zugenommen", sagt Hans Jacobs von der Forstabteilung der Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein in Bad Segeberg, die rund 90.000 Hektar Wald im Norden verwaltet. Die Zunahme bestätigt auch Anett Dittmer von der Polizei in Lübeck. Man könne am Wegesrand nicht mehr unbeobachtet Holz liegen lassen. "Der Diebstahl ist voll im Gange. Je höher die Preise und je knapper die Ware, desto mehr Holzklau", sagt Marc Studt, Geschäftsführer der schleswig-holsteinischen Landesforsten Service GmbH, die Holz vermarktet. Der Preis habe um fünf bis zehn Euro pro Schüttraummeter zugenommen. "Und die Ware ist knapp. Wir merken jetzt, dass viele wegen des langen Winters nochmal nachbestellen."

Täter sind schwer zu stellen

Die Förster im Land sehen aktuell noch kein großes Problem im Holzklau, den habe es immer schon gegeben, der nehme kaum zu. Und doch sichern manche ihre Wälder mit Schranken. Und von kleinen Diebstählen weiß dann doch fast jeder zu berichten. Etwa Ditmar Langer aus der Försterei Kummerfeld (Kreis Pinneberg): "Die Polizei hat zufällig nachts Leute in meinem Revier erwischt, die Holz auf ihren Anhänger geladen haben." Auch einige Förster rechnen fest damit, dass der Holzklau für den Hausgebrauch zunehmen wird, wenn die Energiepreise weiter anziehen.

Nicht jeder Diebstahl wird zur Anzeige gebracht, die Täter sind schwer zu stellen. Wer weiß schon, ob derjenige, der da gerade Holz am Wegesrand auflädt, auch wirklich der Eigentümer ist? Im Stadtforst Lübeck schützt Rüdiger Mahnkopf deswegen exponierte Stellen an besonders befahrenen Straßen. "Die Leute kaufen das Holz schon bevor sie es klein sägen, damit sie es danach gleich abtransportieren können und es nicht an der Straße liegen bleiben muss."

Systematischer Klau von Großstämmen

Allerdings berichten Holzhändler auch von systematischem Klau von Großstämmen. Lutz Köhn aus Kasseedorf (Kreis Ostholstein) sind in diesem Jahr zwei Lkw-Ladungen mit langen Stämmen Laubindustrieholz gestohlen worden. Schaden: 2500 Euro.

Die professionellen Holzdiebe sind aber vor allem in Mecklenburg-Vorpommern aktiv. In den vergangenen zehn Jahren sind der Firma Holz Ruser aus Bornhöved (Kreis Segeberg) dort immer wieder Stämme gestohlen worden. Schaden: 50.000 Euro. "Holzklau kommt ständig vor", sagt auch Claudia Kluge von der Firma Jorkisch aus Daldorf (Kreis Segeberg). Bei anderen Holzhändlern ist die Freude nahezu spürbar, wenn sie von Dieben verschont bleiben. "Kein Fall, wir haben wirklich Glück gehabt in diesem Jahr", sagt Manfred Quer von der Schleswig-Holsteinischen Holzagentur in Bad Segeberg.

Dauert der Winter noch länger, wird es auch für ehrliche Heim-Heizer eng, nicht nur weil die Zahl der Öfen in den Haushalten und damit der private Brennholzverbrauch seit Jahren stetig steigt. Denn es gibt schon jetzt einen Mangel an trockenem, aufgearbeitetem Holz, das sofort verbrannt werden kann, sagt Marc Studt von den Landesforsten. Hans Jacobs von der Landwirtschaftskammer hat deswegen schon Wartelisten für die Selbstabholer angelegt.

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