Umweltminister besucht Insel : Föhr als Vorbild für das Festland

Uferschnepfenschützer: Riewert Rickmers (rechts) zeigt Umweltminister Robert Habeck einige Wiesen, auf denen die Vögel brüten. Foto: Blumenthal
Uferschnepfenschützer: Riewert Rickmers (rechts) zeigt Umweltminister Robert Habeck einige Wiesen, auf denen die Vögel brüten. Foto: Blumenthal

Weniger Nitrat im Wasser und Grünlanderhalt: Was die Menschen auf dem Festland von den Föhrern lernen können, hat Umweltminister Habeck bei einem Inselbesuch erfahren.

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27. Juli 2012, 09:50 Uhr

Wyk | Auf der Insel Föhr ist alles miteinander verzahnt. Je mehr Grünland erhalten wird, desto mehr geschützte Arten finden Unterschlupf. Und desto weniger wird die Umwelt belastet. Im Fall von Föhr bedeutet dies: Wiesenvögel haben einen intakten Lebensraum. Und es gelangt weniger Nitrat ins Grundwasser.
Nitrat im Trinkwasser - noch in den 1980er Jahren war dies auf der Nordseeinsel ein riesiges Problem. Inzwischen können die meisten Brunnen wieder angezapft werden. "Dies gelang nur durch ein Verbot des Grünlandumbruchs und mit einer Düngeverordnung", berichtet Umweltminister Robert Habeck (Grüne). Die Bauern auf Föhr hätten weitgehend mitgemacht. "Es wäre ja auch unsinnig, wenn durch die Landwirtschaft bei der Produktion von Lebensmitteln die eigene Lebensgrundlage in Mitleidenschaft gerät", sagt Habeck.
Habeck fordert weniger Düngung von Mais
Auf Föhr sind zwei Drittel der 6000 Hektar großen Landwirtschaftsfläche Grünland. Anders auf dem Festland, wo insgesamt eine Million Hektar landwirtschaftlich genutzt wird: Von einst 450.000 Hektar Grünland im Jahr 1997 waren 2011 nur noch 320.000 Hektar übrig. Die Maisanbaufläche im selben Zeitraum hat von 75.000 auf 194.000 Hektar zugenommen - vornehmlich auf dem Geestrücken. Ausgerechnet hier aber findet sich auch die höchste Nitratbelastung. Habecks Forderung: "Die Düngung des Maises muss auf den tatsächlich erforderlichen Nährstoffbedarf beschränkt werden."
Es sind drei Hauptprobleme, die der Agrar- und Umweltminister bis zum Herbst "einvernehmlich mit den Landwirten" gelöst haben will: "Es geht in Schleswig-Holstein zu viel Grünland verloren, es wird noch zu viel Nitrat eingebracht, und wir kommen an Uferrandstreifen zum Schutz der Gewässer nicht heran", sagt Habeck. Er wolle jetzt das Gespräch mit dem Bauernverband suchen und dann entscheiden.
Wenn Vögel brüten, wartet der Landwirt
Einvernehmlich engagieren sich seit 2009 das Umweltministerium und die Bauern auch für den Artenschutz auf der Insel. Beim "Feuerwehrtopf Föhr", einem Projekt für den gemeinschaftlichen Wiesenvogelschutz, machten die meisten Landwirte mit, berichtet Annemarie Lübcke von der Inselgruppe des Bundes für Umwelt- und Naturschutz (Bund). Entdecken Nationalparkranger brütende Uferschnepfen auf einer Wiese, sprechen sie die betroffenen Bauern an. Das Ziel: Die Weide wird erst gemäht, wenn die Jungvögel ausgeflogen sind. Zum Ausgleich erhält der Landwirt 350 Euro pro Hektar und Jahr. "Es gibt nur ganz wenige, die sich nicht darauf einlassen", sagt Nationalparkranger Achim Steinbeck (56). "Das ist aber gerade das Gute, dass es freiwillig ist", sagt Riewert Hinrichsen, Bauernverbandsvorsitzender auf Föhr.
Das Fazit des Umweltministers: Föhr könne ein Vorbild für das Festland sein. Und Habeck verspricht: "Es gibt weiter ein Zuhören."

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