EU-Richtlinie : Flüssen und Seen in SH geht es schlecht

Der Ratzeburger See. Die Phosphat- und Nitratbelastungen ist in den meisten Gewässern zu hoch.
Der Ratzeburger See. Die Phosphat- und Nitratbelastungen ist in den meisten Gewässern zu hoch.

In fast allen Gewässern in Schleswig-Holstein sind die Phosphat- und Nitratwerte zu hoch. Gefährlich für die Gesundheit ist das nicht.

shz.de von
09. Juni 2014, 17:32 Uhr

Flensburg | Fast allen Gewässern in Schleswig-Holstein geht es nicht gut. So gut wie kein Fluss oder See erfüllt derzeit die Maßstäbe der EU-Wasserrahmenrichtlinie (WRRL). Diese sieht vor, dass bis Anfang 2015 alle Oberflächengewässer und Grundwasserkörper in einem „guten Zustand“ sind – sowohl in Hinblick auf die Belastung mit Nähr- und Schadstoffen sowie auf die Struktur, also einen möglichst natürlichen Verlauf.

Doch schon jetzt ist klar: Schleswig-Holstein wird die Hürde reißen. Nach den Maßstäben der EU-Kommission sind 62 der 65 Seen in schlechtem Zustand – also vor allem mit Phosphat und Nitrat belastet. 92 Prozent der Flüsse und Auen entsprechen nicht den Anforderungen, auch die Küsten werden so verunreinigt.

Auch das für die Trinkwasser-Gewinnung genutzte Grundwasser enthält zu viele Nährstoffe: In 22 von 55 Grundwasserkörpern im Land wird der Grenzwert von 50 Milligramm Nitrat pro Liter überschritten, vor allem unter der landwirtschaftlich besonders stark genutzten Geest. Um es nutzbar zu machen, muss das Wasser entweder mit unbelastetem Wasser verdünnt werden, bis die Grenzwerte unterschritten sind, oder mit hohem Aufwand aufbereitet werden. Eine Gefahr für die Gesundheit besteht nach Angaben des Kieler Umweltministeriums jedoch nicht.

Bauernpräsident Werner Schwarz warnt davor, das Thema „hochzustilisieren“. Sicher gebe es in einigen Bereichen, etwa auf der Geest, immer wieder Probleme. „Es ist jedoch auch immer eine Frage des Maßstabs – und da gibt es Unterschiede zwischen den Zielvorstellungen von Herrn Habeck und uns Bauern.“ Er beklagt zudem, dass die Messungen nicht repräsentativ seien: „Das Mess-System ist einseitig. Es werden in Deutschland lediglich die gefährdeten Wasserkörper gemeldet – und am Ende liest man überall, dass wir vor Malta die zweitschlechteste Wasserqualität haben.“

Landwirte stehen besonders in der Kritik, denn Hauptquelle für die Nährstoffe im Wasser ist nach Ansicht von Landwirtschafts-Ministerium und Umweltschützern der übermäßige Düngemittel-Einsatz auf Feldern. „Durch die Intensivierung der Landwirtschaft und die damit einhergehende Flächenknappheit hat sich das Problem in den letzten Jahren verschärft“, sagt Umwelt- und Landwirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne). Neben bereits angelaufenen Maßnahmen wie einem einen Meter breiten ungedüngten Randstreifen an Gewässern und der „Allianz für Gewässerschutz“ zwischen Ministerium und dem Bauernverband sei deshalb eine strengere Düngeverordnung im Bund wichtig.

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