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Warnung von DRK-Vorstand : Flüchtlingsunterkünfte in SH: Gereiztheit steigt

vom

In Schleswig-Holsteins Flüchtlingsunterkünften spürt das Deutsche Rote Kreuz zunehmend Spannungen. DRK-Vorstand Geerdts sieht als entscheidenden Grund die extreme Enge. Er fordert größere Erstaufnahmeeinrichtungen.

shz.de von
erstellt am 05.Okt.2015 | 06:39 Uhr

Kiel | Angesichts wachsender Spannungen auch in schleswig-holsteinischen Flüchtlingsunterkünften fordert das Deutsche Rote Kreuz deutliche Verbesserungen bei der Unterbringung. „Die Gereiztheit unter Flüchtlingen steigt, das merken unsere Mitarbeiter und sie versuchen in Streitfällen wie auch die Polizei zu schlichten“, sagte DRK-Landesvorstand Torsten Geerdts. Hauptgrund für Spannungen seien nicht religiöse oder ethnische Feindseligkeiten, sondern die räumliche Enge in den teilweise überbelegten Erstaufnahmeeinrichtungen.

„Wir brauchen mehr und größere Erstaufnahmeeinrichtungen, die auch Räume für Freizeitangebote bieten“, sagte Geerdts. Dies sei wegen des nahenden Winters besonders dringlich, wenn die Flüchtlinge fast nur noch in ihren Wohncontainern sitzen. „Da können Probleme wachsen“, warnte der frühere Kieler Landtagspräsident und CDU-Politiker.

Besonders schwierig ist laut Geerdts die Situation in der zentralen Erstaufnahmeeinrichtung des Landes in Neumünster. Dort waren zuletzt mehr als 5000 Menschen untergebracht, dabei ist nur Platz für 2000. „Wir haben dort keine Möglichkeiten mehr für Freizeitangebote. Es gibt keine Rückzugsmöglichkeiten, keine Privatsphäre - das ist aus unserer Sicht der Kernpunkt für Spannungen.“ Die Essensausgabe für tausende Menschen erfolge in einer Kantine mit 250 Plätzen.

Frust unter Flüchtlingen mache sich auch breit, weil es an schnellen Informationen über ihr Asylverfahren fehle. Das Landesamt für Migration und Flüchtlinge habe bisher nicht in jeder Erstaufnahmeeinrichtung eigenes Personal. „An dieser Stelle fühlen wir uns vom Landesamt ziemlich alleingelassen“. sagte Geerdts. Das müsse sich in den nächsten ein bis zwei Wochen ändern.

Überlegungen mancher Politiker, Menschen nach Religionen und Ethnien getrennt in jeweils unterschiedlichen Erstaufnahmeeinrichtungen unterzubringen, lehnte Geerdts entschieden ab: „Es wäre aus meiner Sicht ein völlig falsches Zeichen. Erstens führt es zu einer Stigmatisierung, zweitens sind das nicht unsere Hauptprobleme in den Erstaufnahmeeinrichtungen und drittens, wer integriert werden will, der muss die Religion eines anderen akzeptieren.“ Toleranz und Respekt für Andersgläubige sei eine Grundvoraussetzung für die Integration in Deutschland. Wünschen nach Zimmerbelegungen nachzukommen, halte er aber für normal, sagte Geerdts.

Dem Bundespräsidenten dankte er für den „Denkanstoß“ über Grenzen der Aufnahmefähigkeit. „Es geht nicht nur um die Aufnahme von Flüchtlingen, sondern um den wirklichen Auftrag: Sie müssen integriert werden in die gesamte Gesellschaft von der Kita, Schule, dem Arbeitsmarkt bis hinein in den Bereich Pflege. Und da muss man auch immer vor Augen haben: Was kann die Gesellschaft tragen?“ Zur Situation in den vom DRK betreuten Erstaufnahmeeinrichtungen in Schleswig-Holstein meinte Geerdts: „Wir haben die Sache noch im Griff - das liegt auch an der guten Zusammenarbeit aller Handelnden, also Landespolizei, DRK, Innenministerium, THW und Bundeswehr.“ Die

Spendenbereitschaft sei nach wie vor groß. In einer Datenbank hat das DRK 1300 bereitwillige Helfer mit ihren Kompetenzen erfasst. Davon seien 300 im Einsatz. Die anderen würden in den nächsten Wochen per Mail Angebote für ehrenamtliche Einsätze bekommen.

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