Ex-Kapitän der "Cap Anamur" : Flüchtlingsbeauftragter Schmidt will "Türen aufstoßen"

Stefan Schmidt.
Stefan Schmidt.

Am 5. Oktober soll der ehemalige "Cap Anamur"-Kapitän Stefan Schmidt im Landtag zum ehrenamtlichen Flüchtlingsbeauftragten gewählt werden.

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03. Oktober 2011, 02:35 Uhr

Als Kapitän des Hilfsschiffes "Cap Anamur" hat Stefan Schmidt 2004 vor der italienischen Küste 37 Bootsflüchtlinge vor dem Ertrinken gerettet. Dafür wurde ihm in Italien der Prozess gemacht, erst 2009 wurde er freigesprochen. Der Menschenrechtler aus Lübeck soll voraussichtlich ab 5. Oktober neuer Flüchtlingsbeauftragter in Schleswig-Holstein werden.
Waren Sie überrascht, als Sie für das Amt vorgeschlagen wurden?
Das kann man wohl sagen. Als mich die FDP, die das Vorschlagsrecht für dieses Amt hat, fragte, ob ich mir das vorstellen könnte, kam das für mich aus heiteren Himmel. Aber ich freue mich darauf, Türen aufstoßen und etwas für Flüchtlinge und Migranten in Schleswig-Holstein tun zu können, auch wenn das sicherlich eine Menge Arbeit sein wird. Eine meiner Aufgaben wird es ja sein, mich um Einzelschicksale zu kümmern. Aber ich werde auch zu Gesetzen Stellung nehmen, die hier lebende Flüchtlinge betreffen.
Welche Schwerpunkte werden Sie dabei setzen und welche Erfahrungen aus ihrer Cap-Anamur-Zeit bringen Sie ein?
Zunächst will ich alle Leute kennenlernen, die mit Flüchtlingen zu tun haben. Das sind zum Beispiel die örtlichen Flüchtlingsräte, die Ausländerbehörden, aber auch die Abschiebehaftanstalt in Rendsburg. Parallel dazu will ich die Bürger darüber informieren, warum Flüchtlinge überhaupt zu uns kommen. Schon jetzt halte ich als Gründungsmitglied des Vereins "Borderline", der sich mit dem Flüchtlingsproblem an den EU-Außengrenzen beschäftigt, Vorträge in Schulen und Kirchengemeinden. Dabei frage ich die Zuhörer oft: "Wenn Du als Flüchtling nach Deutschland kämest, wie würdest Du hier behandelt werden wollen?" Das ist meist der erste Schritt zum Verständnis.
Wie beurteilen Sie denn die Situation von Flüchtlingen in Schleswig-Holstein?
Schleswig-Holstein ist auf dem richtigen Weg. Justizminister Emil Schmalfuß hat zum Beispiel die Residenzpflicht für Asylbewerber und geduldete Ausländer in Schleswig-Holstein abgeschafft. Das heißt, sie dürfen jetzt den Kreis, in dem sie gemeldet sind, verlassen, um zum Beispiel Bekannte zu besuchen. Und er setzt sich dafür ein, die sogenannte Kettenduldung abzuschaffen. Flüchtlinge, die schon lange hier leben und gut integriert sind, sollen nicht mehr befürchten müssen, von einem Tag auf den anderen abgeschoben zu werden. Die Situation hat sich in den letzten Jahren schon sehr verbessert, aber es gibt noch genug zu tun.

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