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Freiwillige Helfer : Flüchtlinge in SH: So sieht die alltägliche Willkommenskultur aus

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Von der kleinen Spende bis zur Patenschaft: In SH engagieren sich viele ehrenamtliche Helfer für Flüchtlinge.

shz.de von
erstellt am 01.Sep.2015 | 10:39 Uhr

Wenn Bundespräsident Joachim Gauck von Fremdenhass in Dunkeldeutschland spricht, kann er Schleswig-Holstein nicht meinen. Im Land zwischen den Meeren gibt es überall Freiwillige, die sich ehrenamtlich für Flüchtlinge engagieren. Eine kleine Auswahl der Angebote:

Das Team vom Bahnhof
Einmal in der Woche stehen sie am Bahnhof: In Eutin empfängt ein Team ehrenamtlicher Helfer Flüchtlinge, die in die Kreisstadt kommen. „Wir wollen, dass sie nach all dem Erlebten eine erste positive Erfahrung bei ihrer Ankunft machen können“, sagt Barbara Rinke, die zum Willkommensteam gehört. Die Helfer nehmen die Neuankömmlinge buchstäblich an die Hand und begleiten die Flüchtlinge durch den Tag. Erste Station: Die Ausländerbehörde. Hier müssen sich alle melden. Die Wartezeit überbrücken Getränke und kleine Snacks, die das Willkommensteam von der Eutiner Tafel organisiert hat. Als Dolmetscher und Helfer engagiert sich auch Shaban Peci (33). Er war gerade einmal zehn Jahre alt, als seine Eltern mit ihm aus dem Kosovo nach Deutschland kamen – „auf der Flucht vor dem Jugoslawienkrieg“. Ohne Menschen wie ihn funktioniert es nicht. Wohnungsverteilung im Ordnungsamt, Anmeldung im Bürgerbüro, zur Wohngeldstelle für das erste Geld und dann zur Sparkasse, um es abzuholen. Anschließend geht es zur Wohnung, und schließlich zeigt das Team den Flüchtlingen, wo sie einkaufen können.

Behörden-Lotse
Auf der Insel Sylt gehört Danica Jansen zu den Freiwilligen, die sich für Flüchtlinge engagieren. Bereits seit Oktober vergangenen Jahres war sie als Sprachhelferin bei den Deutsch-Kursen der Integrationshilfe aktiv. Gegenwärtig hilft Jansen Asylbewerbern vor allem bei Gängen zum Sozialzentrum, bei Arztbesuchen, beim Einholen von Arbeitserlaubnissen und bei der Arbeitssuche. „Einmal habe ich sogar eine Schwangere zur Entbindung auf das Festland begleitet“, erzählt sie. „Neben meiner Arbeit in der Geschäftsstelle der Sylter Unternehmer hat sich das mittlerweile zu einer Art 24-Stunden-Job entwickelt. Das ist zwar anstrengend, macht aber sehr viel Spaß.“

Kleine Aktionen helfen
Als die Konfirmanden in Schönwalde und Kasseedorf (Kreis Ostholstein) über die Verwendung ihrer Kollekte aus dem Konfirmationsgottesdienst sprachen, war die Sache rasch entschieden. Das Geld ging an eine syrische Familie, die nach einer nervenaufreibenden und langen Flucht nun mit juristischer Unterstützung um ein Bleiberecht in Deutschland kämpft. 1000 Euro kamen zur Deckung der Prozesskosten zusammen. Bei einer Zusammenkunft im Gemeindehaus erfuhren die Jugendlichen Details über die Flucht. Die Familie bedankte sich mit selbstgebackenen Küchlein nach einem Rezept aus der Heimat.

Aktiv wurde auch die 13. Klasse der Kreisberufsschule Ostholstein in Eutin. Sie veranstaltete eine Spendenparty. Durch Vorträge und Schüler der DaZ-Klassen (Deutsch als Zweitsprache) an ihrer Schule wissen sie, „wie arm die meisten Menschen dran sind, die zu uns kommen“, sagt Schüler Claudius Winkler.

Die Paten
Wichtige Helfer im Alltag sind vielerorts die Flüchtlings-Paten. Wie Kirsten Swane, die einer DaZ-Klasse an der Berufsschule Eckernförde Deutsch beibringt. In der Klasse sind unter anderem mehrere junge Männer aus Eritrea, die in Gettorf in einer Wohngemeinschaft leben und von Kirsten Swane mit viel Engagement im Alltagsleben unterstützt werden. Die Lehrerin hat die Patenschaft für sieben junge Männer aus dem Nordosten Afrikas übernommen, die auf ihr Asylverfahren warten. „Das Schlimmste für sie ist, nichts zu tun zu haben“, sagt Swane. Die Afrikaner seien in ihrem Land verfolgt und inhaftiert worden und hätten schlimme Fluchterlebnisse auf dem Weg durch die Wüste und übers Mittelmeer mitgemacht. „Sie wollen Frieden und eine Beschäftigung, dürfen aber nicht arbeiten“, sagt Kirsten Swane. Der Einstieg in die DaZ-Klasse sei ein erster Schritt in diese Richtung.

Auch Torfrock macht mit
Im Amt Haddeby (Kreis Schleswig-Flensburg) haben sich rund 80 ehrenamtliche Helfer zusammengefunden. Die Federführung hat die Kirchengemeinde Haddeby. Im Juli veranstaltete die Flüchtlingshilfe in Busdorf ein Benefizkonzert mit der Gruppe Torfrock. Zum Hilfsangebot zählt seit dem Sommer 2014 auch Deutschunterricht, den der ehemalige Lehrer Rüdiger Tietz mit finanzieller Unterstützung der Schleswiger Service-Clubs auf die Beine gestellt hat.

Tipps und Adressen: So können auch Sie Flüchtlingen in SH helfen.

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