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WLAN im Flüchtlingsheim : Flüchtlinge auf der Suche nach Anschluss

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Asylbewerber sind für den Kontakt zur Heimat auf teure Mobilfunkverträge angewiesen – eine Initiative will kostenlose Internet-Zugänge bereitstellen

Es ist ein Luxus – aber einer, der für viele von größter Bedeutung ist: Viele Flüchtlinge in den Erstaufnahme-Einrichtungen des Landes haben ein Smartphone. Häufig ist es die einzige Verbindung zur Familie in der Ferne. Über das Internet-Telefonprogamm „Skype“ sprechen die Flüchtlinge mit den Daheimgebliebenen. „Das ist deutlich billiger, als über eine normale Leitung zu telefonieren“, sagt Susanne Berndt vom Landesamt für Ausländerangelegenheiten in Neumünster.

Auch über das Handy ist der Kontakt nach Hause mit Kosten verbunden, denn in den Erstaufnahme-Einrichtungen gibt es für die Bewohner keinen Internet-Zugang. „Jedem steht aber natürlich frei, sich einen Mobilfunk-Vertrag zuzulegen“, sagt Berndt. Problematisch sei dies jedoch beispielsweise in Seeth: Das ehemalige Kasernengelände im Kreis Nordfriesland liegt offenbar in einem Funkloch.

Eine private Initiative will den Flüchtlingen jetzt bei ihrer Suche nach Anschluss helfen. „Wir Freifunker bieten dem Land an, die Erstaufnahme-Unterkünfte mit Breitband-Internet zu versorgen, oder zumindest dabei zu helfen“, sagt Sven Stückelschweiger, der für die Piraten im Segeberger Kreistag sitzt. Die Initiative hat das Ziel, über private Internet-Anschlüsse ein möglichst flächendeckendes Netz von kostenlosen kabellosen Internet-Anschlüssen zu schaffen. Dazu stellt sie WLan-Verteiler, die Router, zu Verfügung, über die Privathaushalte ihren Internet-Zugang freigeben können. „So könnte es etwa auch in Boostedt funktionieren“, sagt Stückelschweiger. Dort wollen die Freifunker gerne ein Pilotprojekt starten. „Optimal wäre es, wenn wir dort vorhandene DSL-Anschlüsse nutzen und über unsere Router in der Erstaufnahme-Einrichtung verteilen könnten.“ Grob überschlagen würden sich die Kosten mit etwa 3000 Euro in Grenzen halten. Finanzieren will die Initiative das Projekt mit Spenden.

Zunächst waren die Freifunker enttäuscht von der mangelnden Resonanz aus der für die Internet-Zugänge zuständigen Staatskanzlei. „Uns ist ja klar, dass Internetzugänge derzeit nicht die höchste Priorität besitzen, aber wir halten sie für enorm wichtig – nicht nur für den Kontakt nach Hause, sondern auch etwa für Deutschkurse oder zur Vorbereitung von Behördengängen“, sagt Stückelschweiger. Ohne eine Zusage könne die Initiative zudem keine Spenden einwerben.

In der Staatskanzlei steht man der Initiative auch grundsätzlich positiv gegenüber, schon Mitte Juli habe es einen ersten Kontakt gegeben, sagt Sprecher Lars-Erik Bethge. Doch passiert ist seitdem nichts. An mehreren Standorten wird immerhin „die Freigabe der zur Verfügung stehenden Bandbreite an die Freifunkinitiative geprüft“. Jetzt kommt jedoch langsam Bewegung in die Sache: Stückelschweiger und seine Initiative haben einen Ansprechpartner in der Staatskanzlei gefunden und wollen ihre Idee präsentieren.

In Boostedt allerdings reicht die Leitung nur für Polizei und Ausländerbehörde aus. Auch dafür haben die Freifunker jedoch eine Lösung parat: „Dann werden wir über Anschlüsse von Anwohnern in der Umgebung gehen und das WLan über Richtfunk bis zur Erstaufnahme-Einrichtung leiten.“ Das geht bis zu einen Kilometer weit.

Bevor sie ihr OK gibt, wird die Staatskanzlei das Freifunk-Internet auch rechtlich überprüfen. Bei öffentlichen WLan-Zugängen gibt es nämlich ein Haftungsproblem: Haftbar für eventuelle Schäden oder illegale Aktivitäten, die über den Internet-Zugang laufen, ist derjenige, der ihn bereitstellt – und nicht der, der ihn nutzt. Diese Störerhaftung umgehen die Freifunker, indem der Internet-Verkehr ihrer Anschlüsse über Schweden umgeleitet wird – dort gibt es diese Regelung nicht.

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erstellt am 18.Aug.2015 | 19:08 Uhr

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