Immobilienpreise steigen : Flucht ins "Betongold"

Aus Angst vor Inflation investieren immer mehr Deutsche in Eigenheime. Montage: Nobis
Aus Angst vor Inflation investieren immer mehr Deutsche in Eigenheime. Montage: Nobis

Die Angst um das Ersparte wächst: Eurokrise und Inflationsangst beflügeln die Nachfrage nach Einfamilienhäusern und Eigentumswohnungen. Auch im Norden steigen die Immobilienpreise kräftig.

shz.de von
17. November 2011, 10:47 Uhr

Kiel | Die Landesbausparkasse (LBS) Schleswig-Holstein meldet ein "deutliches Umsatzplus" von über zehn Prozent im Vergleich zum Vorjahr (Stand Ende Oktober). "Der Wunsch nach selbst genutztem Wohneigentum konzentriert sich dabei vor allem auf Gebrauchtobjekte", erklärte am Dienstag LBS-Chef Eckhard Schwill in Kiel. "Wenn die Lage stimmt, sind die Objekte im Nu weg, teilweise ist der Markt leergefegt." Entsprechend seien die Preise für gebrauchte Ein- und Zweifamilienhäuser stark gestiegen: In bevorzugten Stadtgebieten von Kiel und in Stadtrandgemeinden um gut zehn Prozent, ebenso in guten Lagen von Flensburg und im Hamburger Rand. Absoluter Spitzenreiter ist die Insel Sylt. Hier sind Standard-Zweizimmer-Wohnungen bis zu 30 Prozent teurer als im Vorjahr und kosten bis zu 230.000 Euro.
"Die Preise ziehen an, übers ganze Land gesehen um gut drei Prozent, in guten Lagen deutlich stärker", bestätigt auch Hubert Marsche vom Edel-Maklerbüro Engel und Völkers in Kiel. "Seit der Griechenlandkrise fürchten die Leute um ihr Geld", begründet er die Flucht ins "Betongold". Zunehmend würden Wohnungen - auch wegen der historisch niedrigen Finanzierungskosten - wieder als Kapitalanlage und Vermietungsobjekt gekauft. Eine Entwicklung , die auch das landesweit agierende Maklerbüro Otto Stöben registriert. "Die Politiker jonglierten mit Zahlen, die für Bürger unvorstellbar sind. Da kommt schon fast Panik auf ", erklärt Jürgen Stöben. "Selbst Hausbesitzer, die ihre Immobilie verkaufen wollten, machen einen Rückzieher, weil sie nicht wissen, wie sie ihr Geld sicher anlegen sollen", so Stöben.
Ein Ende des Nachfrage- und Preis-booms ist vorerst nicht in Sicht: "Die noch immer nicht ausreichende Neubautätigkeit und die damit verbundene starke Nachfrage nach Bestandsimmobilien, steigende Mieten und die Verunsicherung der Bürger werden weiter steigende Immobilienpreise nach sich ziehen", prognostiziert LBS-Mann Schwill. Von einer Immobilienblase - wie sie manche schon befürchten - sei der Norden aber weit entfernt: Die Preise liegen heute im Schnitt immer noch um zehn Prozent niedriger als zur Jahrtausendwende.

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