Bundeswehrreform : Flottenkommando in Glücksburg zählt die Tage

Flottillenadmiral Georg von Maltzan (l.), Chef des Stabes Flottenkommando Glücksburg, und Konteradmiral Michael Mollenhauer, Stellvertretender Befehlshaber der Flotte, schreiten die Formation der Soldaten ab. Foto: dpa
1 von 12
Flottillenadmiral Georg von Maltzan (l.), Chef des Stabes Flottenkommando Glücksburg, und Konteradmiral Michael Mollenhauer, Stellvertretender Befehlshaber der Flotte, schreiten die Formation der Soldaten ab. Foto: dpa

Jetzt wird es leer in Glücksburgs Marinekaserne: Konteradmiral Michael Mollenhauer hat die Soldaten des Flottenkommandos verabschiedet.

shz.de von
15. September 2012, 10:29 Uhr

Glücksburg | Dieser 13. September ist ein unbestritten schöner Tag. Gefühlt jedoch dürfte es für den einen oder anderen in der Paradeaufstellung trotz des eitel blauen Himmels mit den zuckerweißen Wolken ein leicht beklemmender Tag sein. Zwischen den Kasernenblocks in Glücksburg Meierwik stehen stehen 350 Männer und Frauen in Uniform. Es heißt Abschied nehmen und Aufbruch ins Ungewisse. Das Flottenkommando meldet sich ab. Der stellvertretende Befehlshaber der Flotte, Konteradmiral Michel Mollenhauer, lässt zur letzten Musterung antreten.
Für gut 500 der insgesamt 920 Marineangehörigen sind die Marschbefehle fertig. Sie werden überwiegend nach Rostock abkommandiert, wo sie im neuen Marineführungskommando Dienst tun werden. Für die 400 verbleibenden Dienstposten ist Glücksburg ein Standort auf Zeit - freilich in einem kalkulierbaren Rahmen: erst 2022 soll die Marine an der Uferstraße endgültig Geschichte sein. Dann sind alle weg.
Die Strukturen ändern sich, die Flotte bleibt
Michael Mollenhauer versucht in seiner Ansprache das Sentiment zu umschiffen. Er erinnert an die geopolitische Lage zur Gründungszeit des Flottenkommandos: Der kalte Krieg, Zeit der Hochrüstung, Zeit großen Personal- und Materialeninsatzes. Als der Ost-West-Konflikt mit dem allgegenwärtigen Ernstfall vorüber war, habe sich die Aufgabe der Marine gewandelt. Weg von einer hauptsächlich in Nord- und Ostsee operierenden Küstenverteidigungsmarine hin zu einer weltweit operierenden Einsatzmarine, für die eine neue Befehlsstruktur geschaffen werden soll. "Mir ist bewusst, wie viel Fleiß, Herzblut und Expertise in ihrer täglichen Arbeit steckt", dankte Mollenhauer. Und auch wenn dies der Abschiedsempfang des Flottenkommandos sei: der Auftrag, die Marine nach gleich bleibenden Kriterien zu führen, bleibe unberührt.
Die Strukturen ändern sich, die Flotte bleibt. In zwei Wochen muss Mollenhauer das seit 1. Dezember 1960 bestehende Flottenkommando beim Inspekteur der Marine, Vizeadmiral Schimpf abmelden. Und am Türschild in Glücksburg wird dann nur noch stehen: Marineführungskommando, Außenstelle Glücksburg. "Seien sie sicher, mir wird das nicht leicht fallen!" sagt der Stellvertreter des bereits im Juni vergangenen Jahres abberufenen Flotten-Befehlshabers Manfred Nielson.
"Manche sind richtig angefasst, manche nehmen es cool"
Anderen fällt es womöglich noch viel schwerer. Nicht offiziell, aber im Hintergrundgespräch ist zu erfahren, dass die Strukturreform nicht nur eine neue Führungsstelle, sondern auch viele neue Pendler hervorbringen wird. Schon jetzt seien 200 Marineangehörige täglich oder jedes Wochenende auf Achse. Diese Zahl dürfte sich deutlich erhöhen, weil gerade Familien mit Kindern Pendelstress und Wochenend-Partnerschaft dem ungeliebten Rostock den Vorzug geben dürften - heißt es. "Was soll ich in Rostock? Da geht doch alles ringsherum den Bach runter!"
Leises Murren gibt es nicht nur unter den Militärs. Verunsicherung herrscht auch unter den zivilen Beschäftigten - auch sie kann der Dienstherr jederzeit versetzen. Und da sei aus Zivilistensicht eine beunruhigende Tendenz des Bundes zur Zentralisierung zu beobachten. "Man zieht uns von der Truppe ab, die wir betreuen sollen. Der Reformkurs bei der Bundeswehrverwaltung ist noch viel extremer als bei der Truppe", heißt es. Die Stimmungslage sei gespalten. "Manche sind richtig angefasst, manche nehmen es cool."
"Nicht unterkriegen lassen"
Immerhin: Dass nicht alles eitel Sonnenschein ist, lässt auch der Chef des Flottenstabes, Flottillenadmiral Georg von Maltzan durchblicken. Er wünscht abschließend "seinen" Leuten und ihren Familien alles Gute: ""Ich wünsche ihnen, dass die Familien gut mit dem Wechsel zurechtkommen und sich nicht unterkriegen lassen, von dem, was vor uns liegt."
Danach geht es ab ins Biwak. Die Flotte feiert Abschied bei Grillwurst und Salat. Das Marinemusikkorps Ostsee spielt dazu. Und mit Blick auf die zwischenzeitlich stechende Sonne darf an diesem schönen Spätsommertag auch ohne Kopfbedeckung biwakiert werden.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen