Massen-Phänomen : Fliegende Ameisen säumen den Himmel über Schleswig-Holstein

Die meisten Menschen kennen Ameisen ohne Flügel. Zur Paarung entstehen bei einigen Arten aber geflügelte Geschlechtstiere.

Die meisten Menschen kennen Ameisen ohne Flügel. Zur Paarung entstehen bei einigen Arten aber geflügelte Geschlechtstiere.

Die geflügelten Insekten bevölkern bei ihrem Hochzeitsflug zu Tausenden die norddeutschen Lüfte, um sich zu paaren.

shz.de von
10. Juli 2018, 15:09 Uhr

Kiel | Egal ob im Flensburger Stadtpark, an der Kiellinie oder in einem Hamburger Café – in Schleswig-Holstein und der Hansestadt bevölkern derzeit Tausende fliegende Ameisen die Lüfte. Manch einer möchte da vielleicht schon von einer Invasion sprechen, doch das gehäufte Auftreten der geflügelten Insekten ist zu dieser Jahreszeit ganz normal.

„Die Tiere führen jetzt ihren Paarungsflug durch, den sogenannten Hochzeitsflug“, weiß Carsten Pusch, Experte beim Nabu Schleswig-Holstein. „Als Hochzeitsflug wird das Ereignis bezeichnet, an dem die zuvor geschlüpften Jungköniginnen und Männchen das Nest der Kolonie verlassen, um sich zu paaren.“ Weil dies in der Regel synchron geschehe, tauchen die fliegenden Insekten momentan in derart großen Mengen auf.

Für die Ameisen ist das von Vorteil: „So wird das Risiko, gefressen zu werden, für einzelne Tiere verringert, da bei den Fressfeinden bald eine Sättigung erreicht ist“, erklärt Pusch. Zu den Fressfeinden der Ameisen zählen unter anderem Vögel wie Möwen, Mauersegler oder Schwalben, die sich an den Ameisenschwärmen bedienen.

Was fliegt denn da?

Bei den herumschwirrenden Insekten handelt es sich um verschiedene Ameisen-Arten, darunter Lasius niger, die schwarze Wegameise. „Das ist bei uns eine der häufigsten Arten“, so Pusch. Wie genau die Paarung vonstatten geht, kann der Experte vom Nabu nicht sagen. „Meistens ist der genaue Hergang nach dem Abflug aus dem Nest unbekannt, da die ausschwärmenden Ameisen kaum zu verfolgen sind.“ Einige Arten würden „landschaftlich markante Punkte wie Bäume oder Türme ansteuern“, oft könne man aber auch sich am Boden kopulierende Pärchen beobachten.

In der Luft formen vor allem große Lasius-niger-Schwärme immer wieder Säulen, die wie eine Rauchwolke aussehen können. „Es wird berichtet, dass schon Feuerwehrwachen zum scheinbar brennenden Kirchturm ausgerückt sind“, erzählt Pusch. Aber auch wenige Meter über dem Boden können sich solche Säulen bilden. „Die Säulen bestehen aus Männchen. Die Weibchen fliegen hinein, werden dort begattet und fliegen zur Koloniegründung wieder ab“, erklärt Pusch.

Harmloses Massen-Phänomen

Angst müssen die Norddeutschen vor den Ameisen nicht haben, auch wenn sie mit einer quantitativen Übermacht daherkommen. Die Tiere seien harmlos, wie lange sie noch unterwegs sind, ist aber unklar. Pusch: „Da es sich um verschiedene Arten handelt, kann man das gar nicht sagen. Beendet eine Art gerade ihren Paarungsflug, dann schwärmt wieder eine andere aus.“

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