Wohnraummangel : Flensburg gehen die Studentenbuden aus

Die Studentenwelle rollt an, doch in Flensburg gibt zu wenig bezahlbaren Wohnraum. Der Bedarf an Wohnheim-Plätzen ist enorm.

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31. Oktober 2011, 09:03 Uhr

Flensburg | Die Hochschulen im Land zittern vor der Studentenwelle. Doppelte Abiturjahrgänge und der Wegfall der Wehrpflicht sorgen für überfüllte Hörsäle. Allein die Uni Flensburg rechnet mit 20 Prozent mehr Studienanfängern, die Fachhochschule wird dieses Jahr wohl die 4000er Marke knacken. Aber dennoch: "Momentan ist es einfacher einen Studienplatz zu bekommen als einen Wohnplatz", weiß Günter Kellotat vom Vorstand des Studentenwerks Schleswig-Holstein.
Die Erfahrung macht auch Mirco Weidtmann (23). Er studiert Sonderpädagogik im sechsten Semester an der Flensburger Uni. Doch seit einem Monat sucht er eine neue Bleibe, am liebsten ein Zimmer in einer Dreier-WG für maximal 230 Euro Warmmiete. Bisher blieb seine Suche ohne Erfolg. Weidtmann nahm schon viele Wohnungen gründlich unter die Lupe. Vier Auserwählte besichtigte er - das Ergebnis war ernüchternd. Zwei der Wohnungen kamen überhaupt nicht in Frage. Weidtman: "Die waren Mist. Unbewohnbar." Die anderen beiden würde er sofort beziehen. Doch die hohe Anzahl an Mitbewerbern macht das unmöglich. Per Losverfahren wird sich entscheiden, wer die Schlüssel zu den Wohnungen bekommt.
Dass das Wohnungsangebot für Studenten in Flensburg ungenügend ist, bestätigt auch der Flensburger Arbeiter-Bauverein (FAB). Vorstandsmitglied Michael Kohnagel erklärt: "Das Angebot reicht schon seit zwei Jahren nicht mehr aus." Der Experte rät Betroffenen, möglichst früh mit der Suche zu beginnen. Die Wartelisten seien bereits jetzt überfüllt und werden jeden Tag länger. Ein weiteres Problem seien die Vorstellungen der Studenten, vor allem die finanziellen. "Es gibt zu wenig bezahlbare Wohnungen", sagt Kohnagel. Diese Meinung teilt auch Finn Jensen, Geschäftsführer von Flensburger Fjord Tourismus. Im Tourismusbüro hat er es fast täglich mit Anfragen von Eltern von Studenten zu tun, "weil es auf dem Wohnungsmarkt mau aussieht", so Jensen. Die einzige Möglichkeit, die er und sein Team den Suchenden jedoch anbieten können, sind Ferienwohnung für einen längeren Zeitraum. Die sind jedoch häufig nicht unter 400 Euro Warmmiete zu bekommen, eher mehr.
"Zurzeit existiert kein Förderprogramm wie in anderen Bundesländern"
Wie der FAB sieht das Studentenwerk den Wohnungsengpass nicht als neuartiges Problem: "Im letzten Jahr gab es in Flensburg rund 500 Antragsteller für einen Wohnplatz im Wohnheim des Studentenwerks. Davon konnten wir lediglich 230 Studenten einen Mietvertrag anbieten", berichtet Kellotat. Der Mangel an genügend Wohnraum sei schon jahrelang ein Problem. Von einer Aufstockung an Plätzen in den Wohnheimen ist aber keine Rede. Für Neubauten fehle das nötige Kleingeld. "Ein Schwerpunkt auf den infrastrukturellen Ausbau der Wohnsituation in Flensburg wurde nicht gelegt. Zurzeit existiert kein Förderprogramm wie in anderen Bundesländern", erläutert Kellotat. Seine Kollegin von der Studentenwerk-Geschäftsstelle an der Fachhochschule Flensburg, Karin Erichsen, könnte jedoch ein neues Wohnheim auf dem Sandberg-Campus gut gebrauchen: "Es gibt hier viel zu wenig Plätze."
Gänzlich sorglos gibt man sich beim Selbsthilfe-Bauverein (SBV). Prokurist Christian Sommer spürt zwar derzeit eine verstärkte Nachfrage. Jedoch werde man jedem Angebot gerecht, so Sommer. Es gebe eine große Anzahl an freien Wohnungen in der Stadt, da Flensburger gerne umziehen würden. Sommer empfiehlt Wohnungssuchenden, sich zusammen zu tun, da größere Wohnungen dann leicht als WG vermietet werden könnten.
Als letzte Alternative bietet sich immer noch der Gang zum Schwarzen Brett an. Doch auch hier sind die Angebote eher spärlich gesät.

Wohnungssuche unter wg-gesucht.de, studieren-flensburg.de und flensburg.studenten-wohnung.de.

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