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Privatschule Louisenlund : Fleckeby: Wo die Schule mehr experimentieren will

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

In Louisenlund am Schleiufer soll zum kommenden Schuljahr eine private Halbtagsgrundschule eingerichtet werden – mit Fokus auf Naturwissenschaften.

Fleckeby | Sorgfältig platziert der Drei-Käse-Hoch einen Becher in einer Plastikschüssel und füllt ihn mit Wasser und Essig. Eine Prise Natronpulver genügt, um die Flüssigkeit zum Überschäumen und die Kinder zum Staunen zu bringen. „Spuckender Vulkan“ heißt das Experiment, mit dem sie spielerisch die Naturwissenschaft, Mathematik und Technik kennen lernen. Dafür steht die Initiative „Haus der kleinen Forscher“, die inzwischen in 25.000 deutschen Kitas und jetzt auch in Grundschulen für Furore sorgt.

Einer, der dieser Initiative deutschlandweit auf die Sprünge geholfen hat, ist seit 14 Monaten Chef des Internats Louisenlund: Peter Rösner. Dort will der studierte Physiker jetzt am ganz großen „Forscher-Rad“ drehen. Zum kommenden Schuljahr soll das Traditionsinternat an der Schlei zwischen Schleswig und Eckernförde um eine private Halbtagsgrundschule erweitert werden, in der nicht nur die Mintfächer und interaktive Pädagogik im Vordergrund stehen, sondern auch ein Fortbildungszentrum für die Forscherinitiative entstehen soll.

„Zwei von drei Grundschullehrern haben im Studium nie etwas mit dem Fach Heimat-, Sach- und Weltkunde zu tun, in dem erste naturwissenschaftliche Einblicke vermittelt werden sollen“, beklagt Rösner. Vom restlichen Drittel würden die meisten Studenten von Professoren aus der Philosophischen Fakultät unterrichtet. Nur einige wenige haben im Studium etwas mit Naturwissenschaften zu tun, „und dann beschränkt sich das meistens auf das Thema Naturgarten. Das ist zu wenig“, meint Rösner. Viele Lehrer seien deshalb unsicher, wenn es um Themenkomplexe aus der Welt der Physik oder Chemie gehe „und halten sich krampfhaft an hergebrachten Unterrichtsabläufen fest“. Ihm ist klar: „Natürlich ist unser Vorstoß ein Angriff auf das Establishment“. Ziel sei es jedoch, endlich eine Debatte loszutreten, in der es nicht nur um Kosten geht, sondern um die Qualität im Unterricht.

Er zeigt sich überzeugt, dass es im Einzugsbereich von Louisenlund (Radius: 45 Autominuten) genug Eltern gibt, die für ihre Kinder solch eine Ausbildung wünschen und bereit sind, dafür auch 150 Euro im Monat zu bezahlen. Noch steht die endgültige Zustimmung des Kieler Bildungsministeriums aus. Doch die Signale von dort seien „sehr hoffnungsvoll“. Schon im kommenden Schuljahr will Rösner mit minimal zwölf und maximal 18 Kindern loslegen.

Klassenräume und Turnhallen sind ausreichend vorhanden um künftig maximal 80 Grundschüler zusätzlich zu den 250 Gymnasialschülern aufzunehmen. Der Vorteil für die Eltern: Auch die Infrastruktur des Internats kann von ihnen genutzt werden. Kinder können zum Mittagessen in Louisenlund bleiben, den Nachmittag dort verbringen oder – wenn beide Eltern auf Geschäftsreise gehen – auch mal dort übernachten.

„Hohe Verlässlichkeit und die große Flexibilität sind unserer Vorteile“, betont Rösner. Längst sind nicht alle Schüler auf Louisenlund auch im Internat. 20 Prozent sind Fahrschüler. So gibt es einen Bus-Shuttle, der Kinder aus dem Kieler Raum täglich zum idyllischen Schulstandort am Schleiufer bringt. „Mit unserer modernen Pädagogik und hohem schulischem Niveau wollen wir pieksen“, gibt Rösner zu. Es gelte, Kinder neugierig zu machen und ihre Stärken zu fördern. Dafür will er auf die bewährten Prinzipien des Schulvaters Hahn zurückgreifen, aber auch Montessoripädagogik in den Unterricht einbauen.

Louisenlund ist nicht die erste private Grundschule, die in diesen Tagen im Norden gegründet wird. Doch von den anderen unterscheidet sie sich dadurch, dass sie nicht aus der Not geboren wird, weil das Bildungsministerium Schulstandorte mit nur noch wenigen Schülern schließt. Insofern ist die neue Grundschule in Louisenlund also doch ein Novum. „Privatschulen sind Leuchttürme – auch für die staatlichen Schulen“, verteidigt Rösner seine Idee, „das Land braucht beides: private und öffentliche.“ Insofern sieht Rösner in der Expansion von Louisenlund auch keine Gefahr für die umliegenden öffentlichen Schulen.  

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erstellt am 09.Mär.2015 | 14:42 Uhr

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