Zwischenlagerung von Besatzfischen : Fische in Schleswig-Holsteins Angelteichen sind gestresst

Bevor die Lachsforellen gefangen werden können, brauchen sie zwei Wochen Ruhepause.
Bevor die Lachsforellen gefangen werden können, brauchen sie zwei Wochen Ruhepause.

Teichbetreiber in SH sorgen sich um die Zukunft – denn Fische müssen vor dem Einsetzen mehr geschont werden.

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30. Dezember 2014, 11:33 Uhr

Kiel | Die Betreiber von etwa 60 amtlich gemeldeten Angelteichen in Schleswig-Holstein sehen in eine dunkle Zukunft. Viele können einem Erlass des Landes nicht folgen und stehen vor der bangen Frage: investieren oder kontrollieren lassen und schließen? Der Erlass ist allerdings schon seit zwölf Jahren in Kraft. Es hat ihn offensichtlich nur kaum einer befolgt, noch ist er behördlich kontrolliert worden. Sanktionen hat es jedenfalls nicht gegeben. Noch nicht, denn ein vom Land in Auftrag gegebenes Gutachten des Instituts für Binnenfischerei in Potsdam sorgt jetzt für Rechtssicherheit und stellt fest: Fische in Angelteichen leiden unter Stress.

Das Geschäftsprinzip dort ist einfach: Die Angelteiche werden meist aus Dänemark per Lkw mit lebenden Lachsforellen versorgt, die zunächst in einem Käfig oder einem Wasserbehälter zwischengehältert werden. Je nach Anzahl der Angler, die morgens am Ufer des Angelteiches stehen, werden die Besatzfische vom Betreiber werbewirksam mit einem Kescher ins Gewässer geworfen, damit sie den geschickten Petrijüngern danach an die Haken gehen können – eine auch unter Anglern nicht unumstrittene Art des Fischfangs.

Der „Angelzirkus“ wird in einigen Seen getoppt, wenn die Angler ihre später zu fangenden Fische selbst mit prall gefüllten Netzkeschern aus der Hälterung besetzen dürfen. Hier setzt das Gutachten des Instituts für Binnenfischerei an und stellt fest, dass die Fische grundsätzlich beim Umsetzen mit Keschern erheblichem Stress ausgesetzt sind. Dadurch ändere sich die chemische Körperzusammensetzung der Fische. Es komme zu Geschmacks-, Geruchs- und Farbveränderungen des Fischfleisches. „Fischfang, Handling, Transport und Besatz lösen bei Fischen akute Stressreaktionen aus“, schreiben die Wissenschaftler.

Doch wie können die Lachsforellen in der Zwischenlagerung „entstresst“ werden? Die Gutachter aus Potsdam empfehlen, die Fische nach der Anlieferung zwei Wochen in abgetrennten Schutzgebieten der Angelteiche zu schonen, bis sie zur Befischung freigegeben werden. „Das Land verlangte seit 2002 bisher sogar zwei Monate Schonzeit“, sagte Dr. Roland Lemcke, Fischereireferent im Umweltministerium. Außerdem sollen die Fische nicht mehr mit einem Kescher aus der Hälterung, sondern schonend zum Beispiel durch eine Öffnung unterhalb der Wasseroberfläche in den Teich gegeben werden dürfen.

Hier fängt für viele Betreiber das Problem an: Sie haben nur einen Teich oder ihnen fehlt die Möglichkeit der zweiwöchigen Zwischenlagerung zur „Entstressung“ der Fische. Teure Investitionen sind für viele erforderlich. Lemcke kündigte stichprobenartige Kontrollen durch Beamte der oberen Fischereibehörde an. Bereits geführte Gespräche mit den Betreibern sollen zunächst im Januar fortgesetzt werden.

Sabine Schwarten, Vorsitzende der Binnenfischer und Teichwirte in Schleswig-Holstein, freut sich: „Eine klare Regelung ist überfällig, damit dem Wildwuchs das Handwerk gelegt wird.“ Sie geht davon aus, dass einige der kommerziell betriebenen Angelteiche vor der Schließung stehen, weil sie keine Möglichkeit zur Schonung der Fische haben. Robert Vollborn, Geschäftsführer des Landessportfischerverbandes Schleswig-Holstein, sagte: „Das Gutachten verbessert die Situation der gewerblichen Angelteiche und damit der Angler als Kunden erheblich.“ Die Verkürzung der bisherigen Schonfrist um sechs Wochen bringe niemandem einen Nachteil gegenüber der vorherigen Situation.

Der Autor ist Redakteur unserer Zeitung und ehrenamtlicher Pressesprecher beim Landessportfischerverband.

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