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Vorwurf Versicherungsbetrug : Finger abgesägt: Urteil vertagt

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Zwei abgesägte Finger und eine Versicherungssumme von rund 1,4 Millionen Euro: Darum geht es vor dem Amtsgericht in Norderstedt. Die Richter müssen entscheiden. War es ein Unfall oder Absicht?

Norderstedt | Für einen mutmaßlichen Versicherungsbetrüger, der sich selbst zwei Finger abgesägt haben soll, hat die Staatsanwaltschaft am Amtsgericht Norderstedt bei Hamburg eine Haftstrafe gefordert. Da der 50-Jährige jedoch keine Vorstrafen habe und sich die Tat bereits vor vier Jahren ereignete, forderte der Vertreter der Anklage am Donnerstag eine Bewährungsstrafe von eineinhalb Jahren. Der Verteidiger plädierte auf Freispruch.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann vor, sich vor vier Jahren absichtlich mit einer Kreissäge Daumen und Zeigefinger der linken Hand amputiert zu haben, um seine Unfallversicherungen zu prellen. Die Schadensumme seiner insgesamt vier Versicherungen hätten sich laut einem Sachverständigen auf 1,4 Millionen Euro belaufen. „Wenn ich drei Versicherungen acht Wochen vor einem derartig gravierenden Unfall zu einer so unverhältnismäßigen Summe abgeschlossen habe, dann passt etwas nicht zusammen“, sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Nach Ansicht der Anklage seien „die glatte Schnitte an der Hand mit einem derartig dynamischen Geschehen unvereinbar“. Der Verteidiger erklärte, der Angeklagte sei im Hobbykeller seines Hauses über seine beiden Hunde gestolpert und in die laufende Säge gefallen. Der Anwalt beantragte unmittelbar vor seinem Plädoyer, noch eine Nachbarin, einen Versicherungsmitarbeiter und einen Psychiater als Zeugen anzuhören. Sein Mandant habe nach dem Unfall einen Gedächtnisverlust erlitten, was die widersprüchlichen Aussagen des Angeklagten erklären könne.

Der 50-Jährige selbst kritisierte das Gutachten eines Sachverständigen. Dieser habe den Tathergang absichtlich falsch rekonstruiert. „Das Ding ist komplett gefälscht, von oben bis unten“, sagte der Angeklagte, der eine handwerkliche Ausbildung hat und sich 2009 zu einem Versicherungsfachmann umschulen ließ. Nach dem Vorfall wurde ihm gekündigt. Weil die Beweislage für das Gericht noch nicht ausreichte, vertagte die Richterin die Urteilsverkündung. Es soll nun frühestens am 31. Oktober verkündet werden. Der Verteidiger zeigte sich nach der Verhandlung zuversichtlich: „Meiner Meinung nach kann man nur mit einem Freispruch aus Mangel an Beweisen rechnen.“

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erstellt am 23.Okt.2014 | 10:35 Uhr

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