Ausgesetztes Baby : Findelkind: Die Mutter schweigt

Warum sie ihr Kind in einem Kuhstall in Nordhackstedt (Schleswig-Flensburg) ausgesetzt hat, verrät sie nicht. Dennoch darf die 17-Jährige darauf hoffen, ihr Kind zurückzubekommen.

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24. Januar 2009, 11:55 Uhr

Nordhackstedt | Sie schweigt eisern: Die 17-jährige Katharina O., die ihr Neugeborenes in der vergangenen Woche bei Eiseskälte in einem Kuhstall in Nordhackstedt (Kreis Schleswig-Flensburg) ausgesetzt hat, will nicht über die Geschehnisse sprechen. Weshalb sie das Mädchen ausgesetzt hat, wer der Vater des Kindes ist - "Sie macht dazu keine Aussage, hat einen Anwalt zu Rate gezogen", sagt Ulrike Stahlmann-Liebelt von der Staatsanwaltschaft Flensburg.

Katharina O. ist vernehmungsfähig und aus dem Krankenhaus entlassen worden, in dem sie mit ihrer Tochter lag. Allerdings hat sie nicht Unterschlupf bei ihrer eigenen Mutter gesucht. Katharina O. ist in Nordhackstedt bei ihrer Tante untergekommen. Welches Geheimnis verbirgt die 17-Jährige? Das Jugendamt des Kreises Schleswig-Flensburg hat sich eingeschaltet. Eine Sozialarbeiterin kümmert sich um die Minderjährige und deren Baby. Sobald die Sozialarbeiter an der Fürsorgebereitschaft des Mädchens zweifeln, kommt ihr Kind in eine Pflegefamilie. "Es sieht aber momentan so aus, als könnte das Baby in die Obhut der Mutter zurückgegeben werden", sagt Dr. Andreas Wellenstein, Dezernent des Kreises für Jugend und Familie.
"Wir helfen jeder verzweifelten Schwangeren"
Dass die Minderjährige ihre Tochter überhaupt in Lebensgefahr gebracht hat - überflüssig, "wenn sie von unserer Babyklappe gewusst hätte", sagt Leila Moysich, beim Hamburger Sternipark verantwortlich für das Projekt "Findelbaby". Zu diesem zählen zwei Babyklappen in Hamburg und seit gut einem Jahr auch eine in Satrupholm - wie Nordhackstedt im Kreis Schleswig-Flensburg gelegen. Mehr Verantwortung als Katharina O. habe eine andere ungewollt Schwangere aus Schleswig-Holstein gezeigt, deren Notruf kurz vor der Geburt bei Leila Moysich in der Silvesternacht einging. "Wir kamen rechtzeitig ins Krankenhaus, Mutter und Kind sind gesund", sagt die junge Frau, deren Gesicht vor einigen Jahren als das der Babyretterin bundesweit bekannt wurde. "Wir helfen in Schleswig-Holstein und Hamburg jeder verzweifelten Schwangeren, die unseren rund um die Uhr besetzten Notruf wählt - ohne nach Personalien oder Krankenkassenkarte zu fragen", sagt Moysich.

Die bis heute umstrittenen Babyklappen sind ihrer Einschätzung nach in Hamburg ein Erfolg. "Seit die erste Klappe vor acht Jahren eröffnet wurde, ist in Hamburg kein Baby mehr ausgesetzt worden", sagt Moysich. 35 Neugeborene wurden in die Einrichtung gelegt. "Viele von ihnen wären ohne die Klappe nicht mehr am Leben", sagt Moysich. Die meisten Mütter hätten sich nach einiger Zeit im Sternipark gemeldet, auch die der vier Babys, die im vergangenen Jahr abgegeben wurden. Diese Möglichkeit hätte auch Katharina O. gehabt. Doch die Babyklappe in Satrupholm, nur knapp 40 Kilometer von Nordhackstedt entfernt, ist bisher leer geblieben.

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