Drei Jahre Haft : Finanzbeamtin veruntreute rund 170.000 Euro

Eine Finanzbeamtin hat mehrere Jahre lang Geld veruntreut - die 52-Jährige vergriff sich am Pflegegeld. Dafür muss sie für drei Jahre ins Gefängnis.

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02. Juni 2011, 11:10 Uhr

Sie war Finanzbeamtin und veruntreute in vier Jahren rund 170.000 Euro. Dafür muss eine 52-Jährige drei Jahre ins Gefängnis. Die Angeklagte hatte das angeblich für Beihilfe- oder Pflegegeldempfänger bestimmte Geld auf ihr eigenes Konto überwiesen. Das Kieler Landgericht verurteilte die Frau deswegen am Dienstag wegen Untreue in 38 Fällen, in zwei Fällen in Tateinheit mit Betrug. Elf weitere Fälle waren bereits verjährt. Der Gesamtschaden betrug etwa 200.000 Euro.
Mit dem Urteil verliert die beurlaubte Beamtin ihren Beamtenstatus. Er wird bei Freiheitsstrafen ab einem Jahr aberkannt. Für das umfassende Geständnis hatten sich Gericht, Anklage und Verteidigung auf eine Gesamtfreiheitsstrafe von drei bis maximal drei Jahren und neun Monate verständigt. Die Anklage hatte drei Jahre und vier Monate, die Verteidigung drei Jahre Haft verlangt.
Für Überweisungen eigene Kontonummer angegeben
Die Verwaltungsfachkraft des Landesbesoldungsamtes hatte bei Überweisungen an anerkannte Beihilfe-Empfänger ihre Bankverbindung eingetragen. Offiziell kam das veruntreute Geld zwar den Bedürftigen zu Gute. Doch in Wahrheit floss es auf das Konto der Mutter zweier erwachsener Kinder. Meist waren es Summen um 4000 Euro, einmal sogar 21.000 Euro. Von dem Geld kaufte sich die Frau unter anderem ein Haus und ein Auto.
Ihrem Geständnis zufolge war in drei Fällen auch ein Kollege beteiligt. Sie überwies dabei überhöhte Beträge an Beihilfe-Empfänger und forderte anschließend die Rückzahlung der Mehrbeträge auf ein spezielles Behördenkonto. Von dort leitete der Kollege das Geld an Personen aus dem Umfeld der Frau, die es wiederum an sie transferierten.
Die Wirtschaftsstrafkammer sprach von gewerbsmäßigem Handeln einer Serientäterin. Die Beamtin habe als Amtsträgerin das Vertrauen in eine funktionierende Verwaltung beschädigt. Doch man habe es der Frau auch leicht gemacht. Weil gerade Personal eingespart wurde, wurden Überweisungen nicht laufend kontrolliert. Dennoch treffe den Arbeitgeber keine Mitschuld, so das Gericht. Die Finanzbehörde sei auf Vertrauen in ihre Beamten angewiesen.
(dpa, shz)

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