zur Navigation springen

Steuernachzahlungen : Finanzämter bitten Rentner zur Kasse

vom

Die Finanzämter treiben die Steuerschulden von Senioren ein - selbst Greise in Pflegeheimen bekommen Post. Aber nicht jeder muss nachzahlen.

shz.de von
erstellt am 18.Mai.2013 | 12:14 Uhr

Kiel | Für Rentner, die bei der Steuererklärung bewusst oder unbewusst geschummelt haben, wird es ernst. Der Fiskus treibt zurzeit die Steuerschulden von Seniorenhaushalten ein, die eigentlich seit Jahren Steuern nachzahlen müssten - es aber nicht getan haben. Selbst Greise im Pflegeheim kriegen Post. Es drohen Zuschläge und Bußgelder. Die Schreiben der Finanzbehörde sollte man nicht einfach in den Papierkorb werfen. "Fordert das Finanzamt zur Abgabe von Steuererklärungen - auch rückwirkend - auf, sollte diese innerhalb der gesetzten Frist abgegeben werden", rät Lars-Michael Lanbin, Präsident des Steuerberaterverbandes Schleswig-Holstein. Das Finanzamt bittet sonst notfalls mit Steuerschätzungen, Zuschlägen und Bußgeld zur Kasse.
Seit 2005 gilt das Alterseinkünftegesetz. Seither rutschen immer mehr Senioren in die Steuerpflicht. Richtig ernst wird es allerdings erst seit 2009. Seitdem trägt der Staat elektronisch zusammen, was die mehr als 20 Millionen Ruheständler an Altersbezügen und Kapitalauszahlungen bekommen. "Die Finanzämter können jetzt sehen, ob Einkünfte so hoch sind, dass Senioren Steuern zahlen müssten", erläutert Lanbin. Ist das der Fall, bekommt der Betroffene Post. Eheleute erhielten jeder ein Schreiben vom Finanzamt.

Nicht jeder muss nachzahlen


Nachzahlen müssen häufig Ehepaare, von denen einer noch berufstätig ist. Oder wenn zur gesetzlichen Rente noch eine Witwen-, Betriebs- oder Privatrente fließt, Miet- oder Kapitaleinkünfte da sind oder ein Nebenverdienst. Steckt der "blaue Brief" im Kasten, sollten sich die Betroffenen von Steuerberatern oder Lohnsteuerhilfevereinen beraten lassen. Denn: Nicht jeder muss nachzahlen. Mit Freibeträgen und Pauschalen kann die Steuerlast meist deutlich gedrückt werden. Geltend machen kann man Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträge, Ausgaben für Privathaftpflicht-, Unfall- und Sterbegeld- oder Beiträge für Lebensversicherung. Auch die Kfz-Haftpflicht ist absetzbar. Das zu versteuernde Einkommen wird durch Posten wie Spenden, Gewerkschaftsbeiträge, Handwerkerlöhne und Aufwendungen für die Gesundheit wie die Anschaffung von Brille, Zahnersatz oder Fahrten zur Klinik eingerechnet. Schwerbehinderte mit Ausweis haben noch Extra-Freibeträge. Absetzbar sind auch Aufwendungen für die Pflege.
Entscheidend ist, ob die Freibeträge überschritten werden. Die sind je nach Beginn der Rentenzahlung unterschiedlich: Wer 2005 in den Ruhestand ging und bis zu 19.100 Euro Jahresbruttorente bekommt, muss keine Steuern zahlen. Für Neurentner im Jahr 2006 sank die Hürde zur Steuerpflicht auf 18.255 Euro pro Jahr, ein Jahr später auf 17.530 Euro. Wer sich 2010 zur Ruhe setzte, blieb mit bis zu 16.211 Euro steuerfrei, im Jahr 2011 waren es 15.600, vergangenes Jahr 15.160 Euro. Für Ehepaare gelten doppelte Werte, so Lanbin.

Zinsen auf nachträglich festgesetzte Steuern


Das Problem: Der Einkommensteuer unterliegen sämtliche Erwerbsquellen. Automatisch abgezogen wird die Steuer aber weder bei gesetzlichen noch bei privaten oder betrieblichen Renten, die keine Versorgungsbezüge beziehungsweise Pensionen sind. "Werden neben den gesetzlichen Renten zusätzlich private Renten bezogen oder wird eine Wohnung vermietet, können Steuern entstehen", warnt Lanbin. Grundsätzlich hat jede steuerpflichtige Person eine Einkommensteuererklärung abzugeben.
Hat das Finanzamt in der Vergangenheit von dieser Abgabeverpflichtung befreit, hilft diese unverbindliche Auskunft des Finanzamtes jedoch gegebenenfalls nicht weiter. Das Finanzgericht Düsseldorf hat Ende 2012 (Az. 7 K 2010/12) festgestellt, dass die Abgabeverpflichtung trotz Befreiungsmitteilung durch das Finanzamt besteht, sofern die Verhältnisse von denen der Vorjahre abweichen und nunmehr Steuern festzusetzen sind.
Kompliziert wird es, wenn die Angeschriebenen Steuererklärungen für sämtliche Jahre zurück bis 2005 abgeben. Obendrein wird noch die Erklärung für 2012 fällig. Zu allem Überfluss werden zusätzlich zu nachträglich festgesetzten Steuern Zinsen in Höhe von sechs Prozent pro Jahr auf die Steuer erhoben. Ausnahme: Die steuerlichen Verhältnisse haben sich im Lauf der Jahre geändert, weil beispielsweise der Ehepartner gestorben ist.
zur Startseite

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen