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Streit in den eigenen Reihen : "Feuerwehren sind keine Feierwehren"

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Der Appell eines Kreisbrandmeisters zu weniger Geselligkeit und zur Konzentration auf die Kernaufgaben sorgt für Empörung in den eigenen Reihen.

shz.de von
erstellt am 26.Mai.2013 | 01:56 Uhr

Kiel | Ralf Thomsen, Kreiswehrführer in Ostholstein, hat in ein Wespennest gestochen: Sein Appell an die freiwilligen Feuerwehren, sich beim Feiern zu mäßigen, erhitzt die Gemüter in den eigenen Reihen. So sehr, dass sich der Landesfeuerwehrverband gestern genötigt sah, per Pressemitteilung klarzustellen: "Feuerwehren sind keine Feierwehren."
Thomsen hat manchmal den gegenteiligen Eindruck. Zwar seien es Einzelfälle. Aber er kenne Wehren mit fünf Grill- und Sommerfesten in drei Monaten und meint: "Das ist zuviel". Eine andere Beobachtung: "Wenn ich hinter einem Feuerwehrfahrzeug eine komplette Bar stehen sehe, dann weiß ich: Da stimmt etwas nicht." Weitere Tabus scheut sich der Ostholsteiner nicht zu benennen, wohlgemerkt auch dies Ausnahmen: Im Sog von Feuerwehrfesten seien bereits "Familien auseinandergebrochen, weil der eine da mit der anderen was hatte". Das könne sogar zu Austritten führen. Es komme im Anschluss an Feste auch mal zu Schlägereien. Und die Nachbarn eines Feuerwehrhauses seien vor das Verwaltungsgericht gezogen, weil sie sich durch Feier-Lärm belästigt fühlten.

"Viele Kameraden fühlen sich diffamiert"


Eine Triebfeder für Feste seien finanzielle Motive, weiß Thomsen. "Den Erlös aus dem Bier- und Bratwurstverkauf können die Wehren gut gebrauchen, auch, weil sie von den Gemeinden wenig Geld bekommen". Geselligkeit gehöre dazu, betont Thomsen - "aber sie darf nicht überhand nehmen." Er ruft nach einer stärkeren Konzentration auf die Kernaufgaben. Dazu zähle auch, dass die Brandschützer "öfter mal Nein sagen", wenn "artfremde Aufgaben" an sie herangetragen werden - etwa die Sicherheitsaufsicht bei einem Volleyballturnier oder das Reinigen eines Gullys, wenn der Bauhof dies versäumt hat.
Widerspruch kommt von Mathias Schütte, Kreiswehrführer von Rendsburg-Eckernförde: "So lange man Freiwillige findet, ist das in Ordnung. Wir gehören schließlich zur Gemeinde, sind nicht irgendein Verein." Die Äußerungen übers Feiern "sind an der Basis überhaupt nicht gut angekommen, viele Kameraden fühlen sich diffamiert", berichtet Schütte. Ob sie nach der Versammlung am Vorabend schon wieder nüchtern seien, würden sie am Arbeitsplatz gefragt. Schütte: "Aus meinem Kreis ist mir kein krasses Missverhältnis zwischen Vergnügen und Arbeit bekannt." Er beklagt durch die Kritik eine Schwächung des Images. Besonders unglücklich sei dies direkt nach dem ersten Landeskongress zur Nachwuchswerbung.
Für "absolut kontraproduktiv" hält der Sprecher des Landesfeuerwehrverbands, Holger Bauer, die Diskussion über Feuer- als Feierwehren. "Das Problem haben wir seit 20 Jahren hinter uns." Vor Ärger über die Stimme aus Ostholstein habe beim Verband das Telefon nicht stillgestanden. Bauer unterstreicht: Geselligkeit sei für ein gutes Klima unabdingbar. "Selbstverständlich sollten diese Treffen im Rahmen bleiben - und das tun sie in der Regel. Wie in allen Gemeinschaften können auch wir "schwarze Schafe" jedoch nicht gänzlich ausschließen. Speziell an diese wenigen hat sich der Aufruf gerichtet."
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