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Landesweites Zeltlager der Jugendfeuerwehr : Feuerwehr im Freizeit-Einsatz an der Ostsee

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Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Nach 13 Jahren gibt es in Schleswig-Holstein erstmals wieder ein landesweites Zeltlager der Jugendfeuerwehr – 600 Jugendliche treffen sich in Grömitz.

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erstellt am 20.Aug.2015 | 11:34 Uhr

Grömitz | Plastik-Kannen gefüllt mit gefährlich pinkem Fruchtsaft, Nudeln mit Gulasch, Jungen ärgern Mädchen, Lagerfeuer und Kennenlernspiele – in Grömitz (Kreis Ostholstein) lassen diese Woche rund 600 Jugendliche eine Tradition aufleben, die fast schon vergessen schien: das Landes-Jugendfeuerwehrzeltlager.

„Was ist denn hier los“, fragt im Vorbeifahren ein kleiner blonder Junge seinen Vater auf dem Fahrrad. Zwischen Zeltlager und Ostseestrand hat sich ein beachtlicher Fuhrpark roter Transporter aufgereiht. Aufschriften wie „Freiwillige Feuerwehr Oster-Schnatebüll“ (Kreis Nordfriesland) und „Feuerwehr Bad Bramstedt“ (Kreis Segeberg) verraten: Aus ganz Schleswig-Holstein sind die Brandbekämpfer von morgen zusammengekommen.

Genau genommen sind es 592. Für Landesjugendwart Dirk Tschechne und sein Team ein organisatorischer Kraftakt. Der 50-Jährige steht im Gewusel im Eingangsbereich des Zeltlagers. „Platz da“, ruft ein Junge, der auf einem Handwagen zwei andere johlende Kinder hinter sich herzieht. Tschechne bleibt gelassen und holt eine Checkliste hervor. „Wir wählen gleich die Dorfgrafen für unsere sechs Zeltdörfer“, erklärt er. „Sie sind für die nächsten Tage die Ansprechpartner für alles, was so anfällt, und geben das an den Lagerstab weiter.“ Ein Zeltlager von Feuerwehrleuten, bei denen im Notfall jeder Handgriff sitzen muss – das ist zwangsläufig ein perfekt organisiertes Ereignis. 20 Ehrenamtliche hatten im Vorfeld in Arbeitsgruppen die Planung übernommen.

Das letzte Landeszeltlager der Jugendfeuerwehr fand vor 13 Jahren statt. Nach den Gründen gefragt, muss Tschechne mit den Achseln zucken. „Ich denke, man hat es damals aus den Augen verloren.“ Die Wiederauflage sei ihm eine Herzensangelegenheit gewesen, als er 2012 das Amt des Landesjugendwarts antrat – nicht nur, weil sich hier wunderbar Kontakte knüpfen lassen. „Wir hatten bei den Mitgliederzahlen zuletzt einen leichten Anstieg. Vom Zeltlager versprechen wir uns einen weiteren Schub.“ Rund 9500 Jugendliche waren im vergangenen Jahr in der Feuerwehr in Schleswig-Holstein aktiv. Vor zehn Jahren waren es noch 8600.

Im Vordergrund des Zeltlagers stehe aber ganz klar der Spaß. Den scheinen die Jugendlichen der Jugendfeuerwehr Itzehoe zu haben. Ihre Zelte stehen direkt am Fußballplatz. Zwei Mädchen gehen zwischen den Zelten mit beschmierten Händen und Gesichtern Richtung Toiletten. „Die Stimmung ist gut. Wir haben schon viele Streiche mit Rasierschaum gespielt“, sagt Michelle Theede grinsend. Die 14-Jährige ist eines der 32 angereisten Mitglieder. Wie ihr Kamerad Fabian Lohse freut sie sich am meisten auf den Ausflug in den Hansapark und den Grömitzer Kletterpark. Lohse hat heute Geschirrdienst. Trotzdem sagt er: „Wir sind immer gut gelaunt.“

Vor der Küche sorgt ein Angestellter des Zeltplatzes mit einer Trillerpfeife für Ordnung unter den Anstehenden. Musik dröhnt über den Zeltplatz – Coras Schlagerhit „Amsterdam“. Den gab es auch schon vor 13 Jahren. Heute kommt er allerdings vom Smartphone via Bluetooth in die Boxen.

Die Landesjugendfeuerwehr will am Zahn der Zeit bleiben. Der stellvertretende Landesjugendwart Rüdiger König betreut die Pressearbeit. Die Teilnehmer erstellen täglich eine Zeitung für das Zeltlager, veröffentlichen Videos im Internet und posten Fotos auf Facebook. „Wenn eine Information raus ist, ist es immer erstaunlich, wie schnell sie sich auf Facebook verbreitet“, sagt König.

Der Verband hat sich einiges überlegt, über das die Nachwuchsjournalisten aus den Reihen der Feuerwehr berichten können. Als Höhepunkte gelten die morgige „Lagerolympiade“ und der Ausflug zum Finale der NDR-Sommertour am Sonnabend im Hansa-Park.

Dirk Tschechne hat seine blaue Latzhose gegen eine akurate Feuerwehruniform eingetauscht. Die feierliche Eröffnung mit allen Teilnehmern am Ostseestrand steht an. Sein Ziel sei es, das Zeltlager der Landesjugend wieder zu einer festen Institution zu machen. „Vielleicht alle zwei oder drei Jahre“, so der hauptberufliche Servicetechniker. Dann gerne mit noch mehr Teilnehmern auch ausländischer Wehren. „Wir müssen jung bleiben, wenn wir ein dynamischer Verband sein wollen“, sagt er auf dem Weg zum Strand.

Es ist 20 Uhr. Die knapp 600 Teilnehmer strömen zur Ostsee zur feierlichen Eröffnung. Eine kräftige La-Ola-Welle läutet die erste Nacht im Jugendzeltlager ein. Dirk Tschechne und sein Team haben die Nachtruhe für 22 Uhr angesetzt. Der Blick in die Gesichter der Kinder und Jugendlichen zeigt: Das könnte schwierig werden.

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