Milliarden-Bauprojekt : Fehmarnbelt-Tunnel - darüber wird diskutiert

Blick in die Zukunft: So soll die Tunnel-Einfahrt auf der dänischen Seite der Fehmarnbelt-Querung aussehen. Foto: Femern A/S
Blick in die Zukunft: So soll die Tunnel-Einfahrt auf der dänischen Seite der Fehmarnbelt-Querung aussehen. Foto: Femern A/S

Seit Jahren wird über den Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung gestritten. shz.de beantwortet die wichtigsten Fragen rund um das Milliarden-Projekt.

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19. Februar 2013, 11:44 Uhr

Worum geht es?
Der Bau einer festen Fehmarnbelt-Querung zwischen Deutschland und Dänemark ist ein europäisches Verkehrsprojekt. Es soll die Inseln Fehmarn (Deutschland) und Lolland (Dänemark) miteinander verbinden. Geplant ist hierfür der Bau eines rund 19 Kilometer langen Absenktunnels durch die Meerenge Fehmarnbelt. Derzeit läuft der Verkehr zwischen den beiden Inseln über die so genannte "Vogelfluglinie". Hierbei handelt es sich um eine Fährlinie, die im 30-Minuten-Takt über den Fehmarnbelt verkehrt.
Warum soll es eine feste Fehmarnbelt-Querung geben?
Insgesamt soll sich die Bahnfahrt von Hamburg nach Kopenhagen durch den Bau von derzeit rund viereinhalb Stunden um eine Stunde verkürzen. Gleiches gilt für Autofahrer. Sie würden künftig nur noch drei Stunden brauchen. Gerade für Dänemark ist der Bau des Tunnels von großem Interesse. Fast ein Fünftel des gesamten Handels betreibt das Land mit Deutschland. Für Exporteure wäre das Nachbarland durch eine feste Fehmarnbelt-Querung deutlich schneller und leichter zu erreichen. Zudem befürchtet man, dass der bestehende Fährverkehr das erhöhte Verkehrsaufkommen in Richtung Skandinavien auf Dauer nicht mehr bewältigen kann.
Wann kam die Idee einer festen Fehmarnbelt-Querung auf?
Erste Gedankenspiele für eine dauerhafte Verbindung zwischen Fehmarn und Lolland gab es bereits in den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Konkret wurden sie jedoch erst im Jahr 1991, als der Baukonzern Bilfinger Berger erste Studien vorlegte. Vier Jahre später begannen daraufhin erste Untersuchungen. Am 3. September 2008 unterzeichneten deutsche und dänische Regierungsvertreter schließlich einen Staatsvertrag zum Bau einer festen Querung.
Warum ein Tunnel und keine Brücke?
Lange Zeit galt es als ausgemacht, dass die Fehmarnbelt-Querung durch den Bau einer Brücke realisiert werden sollte. Gegen die Pläne regte sich jedoch aus mehreren Gründen Widerstand. So kritisierten Naturschützer, dass an den Pfeilern der Brücke viele Vögel verenden könnten. Durch Aufwirbelungen auf dem Meeresgrund im Zuge der Bohrarbeiten für die Stützen oder Unterwasserlärm befürchteten sie außerdem massive Folgen für die Tier- und Pflanzenwelt. Sicherheitsexperten kritisierten zudem, dass die Brückenpfeiler zu einem Risiko für vorbeifahrende Schiffe werden könnten.
Bauherr Femern A/S gab daraufhin am 30. November 2010 bekannt, er habe dem dänischen Verkehrsminister mitgeteilt, fortan den Bau eines Absenktunnels zu bevorzugen. Wie beim Hamburger Elbtunnel sollen dabei die einzelnen Elemente an Land gebaut und dann im Meeresboden versenkt werden. Die einzelnen Röhren aus Beton wären jeweils 200 Meter lang und rund 70.000 Tonnen schwer sein. Insgesamt soll der Tunnel aus drei Röhren bestehen: zwei für eine vierspurige Autobahn und eine dritte für eine zweigleisige Bahnstrecke.
Wie hoch sind die Kosten?
Derzeit wird mit Baukosten in Höhe von 5,6 Milliarden Euro gerechnet. Mit 4,8 Milliarden Euro trägt Dänemark dabei den Löwenanteil. Deutschland muss lediglich für die Hinterlandanbindung an den Bahn- und Autoverkehr aufkommen. Genau hier befürchten Kritiker jedoch ein Millionengrab. So würde neben dem verpflichtenden Ausbau der Bahnstrecke zwischen Lübeck und Puttgarden auch eine Modernisierung der Fehmarnsundbrücke nötig werden. Sie verbindet derzeit auf zwei Spuren und einem Gleis das deutsche Festland mit der Insel Fehmarn.
Durch das erhöhte Verkehrsaufkommen könnte sie zum Nadelöhr werden. Schleswig-Holsteins Verkehrsminister Reinhard Meyer hat deshalb bei seinem Bundeskollegen Peter Ramsauer den Bau einer neuen Sundquerung beantragt. Ob die derzeit kalkulierten Kosten von 800 Millionen Euro für die Hinterlandanbindung gehalten werden können, ist fraglich.
Wann könnte der Bau beginnen?
Frühestens im Jahr 2015, mit der Fertigstellung wäre dann 2021 zu rechnen. Nach dem derzeitigen Zeitplan soll die Umweltverträglichkeitsprüfung für das Milliardenbauwerk auf dänischer Seite im Mai 2013 beginnen, die Verabschiedung des erforderlichen Baugesetzes im dänischen Parlament könnte dann Ende 2014 stattfinden. Der auf deutscher Seite notwendige Planfeststellungsbeschluss soll voraussichtlich um die Jahreswende 2014/2015 vorliegen.

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