Landgericht Flensburg : Familienvater muss neuneinhalb Jahre hinter Gitter

Er erdrosselte seine Ehefrau und vergrub die Leiche im Garten. Neuneinhalb Jahre muss der Familienvater deshalb jetzt in Haft.

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06. April 2011, 09:11 Uhr

flensburg | Welche Strafe soll ein Mann verbüßen, der seine Ehefrau erdrosselt, im Garten unter einem Gewächshaus vergraben und fast zwei Jahre lang geschwiegen hat? Gestern wurde im Landgericht Flensburg das Urteil gegen Christian R. aus Winnert (Kreis Nordfriesland) gesprochen. Der 51-Jährige muss für 9,5 Jahre ins Gefängnis. Damit fällt die Strafe 2,5 Jahre härter aus als von Staatsanwalt Dieter Chlosta in seinem Plädoyer gefordert.

Es gehe um das schwerste Vergehen, das die Rechtsprechung kenne - die Tötung eines Menschen, begründet Richter Wolfgang Köhler das Strafmaß. Die Tatschilderung des Angeklagten stuft die Kammer in weiten Teilen als "unglaubwürdig" ein. R. habe geplant, seine Frau umzubringen. "Der Angeklagte konnte nicht ertragen, von seiner Frau endgültig verlassen zu werden", sagt Köhler. Christian R. sei voll schuldfähig, selbst Mordmerkmale seien nach Einschätzung der Kammer zumindest diskutierbar.

Den ganzen Tag über beschimpft und beleidigt?
Wegen Totschlags hat Staatsanwalt Chlosta Christian R. angeklagt. Auch er glaubte R. nicht. "Nach meiner Überzeugung ist die Tat nicht so abgelaufen, wie es der Angeklagte geschildert hat." Demnach habe Christian R. seine 1983 in Marokko geborene Frau Imane R. nicht in einer Notsituation drangsaliert. Abgespielt hat sich die Tat an einem Abend Ende September 2008 an einem entlegenen Maisfeld bei Rantrum.

Nach Aussage des Angeklagten habe ihn seine Frau den ganzen Tag über beschimpft und beleidigt. Beim Stopp an einem Maisfeld, den R. eingelegt haben will, weil er dringend austreten musste, habe Imane R. ihren deutlich älteren Ehemann in die Genitalien getreten. Von Schmerzen und Wut getrieben will der Angeklagte dann zu einer im Auto liegenden Wäscheleine gegriffen, diese seiner Frau um den Hals geschlungen und zugezogen haben. "Das ist nicht möglich, wenn sich das Opfer wehrt. Nach meiner Auffassung wurde Christian R. von seiner ihm körperlich deutlich unterlegenen Ehefrau nicht in Bedrängnis gebracht", sagt der Staatsanwalt.

Verteidigung geht in die Revison

Das sehen die beiden Verteidiger ganz anders. Durch Streits, Vorwürfe, Beschimpfungen und eine Affäre, die zu einer abgebrochenen Schwangerschaft führte, habe Imane R. ihren Mann über Jahre "emotional drangsaliert". Mit der Hochzeit im Jahr 2004 habe die Nordafrikanerin sich vorrangig ein Bleiberecht sichern wollen. Für die Verteidiger ist die Tat, die Christian R. gestanden hat, nachdem Spürhunde in seinem Auto Leichenspuren angezeigt hatten, im Affekt geschehen. Als Wurzeln nannten sie den über Jahre angestauten Ehefrust und die Notsituation am Maisfeld. Sie hatten daher auf verminderte Schuldfähigkeit plädiert und bewerten das Urteil als zu hart. Die Verteidigung kündigte an, in die Revision zu gehen.

Eine weitere schwere Strafe steht Christian R. noch bevor. "Irgendwann werden Sie Ihrer Tochter in die Augen sehen und ihr erklären müssen, warum Sie ihre Mutter getötet haben", sagt die Nebenklägerin, die die Interessen der 2005 geborenen Tochter von Imane und Christian R. vertreten hat. "Ich bereue die Tat sehr. Es tut mir unendlich leid, aber ich kann es nicht rückgängig machen", sagt Christian R. gestern unter Tränen.

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