Elektronische Krankenakten : "Fall Lierhaus" alarmiert Datenschützer

Monica Lierhaus: Die 'Sportschau'-Moderatorin lag schwer erkrankt im Uniklinikum Eppendorf.  Foto: dpa
Monica Lierhaus: Die "Sportschau"-Moderatorin lag schwer erkrankt im Uniklinikum Eppendorf. Foto: dpa

Datenschützer schlagen Alarm: Elektronische Krankenakten begünstigen den Missbrauch von Patientendaten. Beispiel: die Erkrankung von Monica Lierhaus.

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03. Juni 2009, 11:59 Uhr

Hamburg | Der Fall bewegte die Nation: Anfang des Jahres musste sich "Sportschau"-Moderatorin Monica Lierhaus im Hamburger Uniklinikum Eppendorf (UKE) einer Operation unterziehen. Angaben zum Krankheitsverlauf machte die Klinik nicht. Dennoch waren kurz danach Einzelheiten zum Gesundheitszustand der "Miss Sportschau" nachzulesen. Während Lierhaus das Krankenhaus laut "Bild"-Zeitung inzwischen wieder verlassen hat, tobt nun der Streit darum, wie die intimen Details an die Öffentlichkeit geraten konnten.

Fest steht, dass erst ein Leck im EDV-System der Klinik die Indiskretion möglich machte. Die brisanten Informationen stammen offensichtlich aus der elektronischen Patientenakte der Moderatorin. Kein Einzelfall, wie Hamburgs Datenschutzbeauftragter Johannes Caspar befürchtet. Gestern schlug er Alarm: "Der Missbrauch von Krankendaten ist im papierlosen Krankenhaus ungleich leichter geworden."
Keine gesetzlichen Vorgaben für krankenhausinterne IT-Akten
In der Hansestadt sind vor allem das UKE und das AK Barmbek dazu übergegangen, sämtliche Krankendaten elektronisch zu erfassen und so jederzeit abrufbar zu machen. Die Gruppe der Zugriffsberechtigten sei dabei viel zu groß, mahnte der Datenschutzbeauftragte. So sei es üblich, dass ganze Abteilungen pauschal alle Daten von Patienten einsehen dürften: von den Schwestern bis zu den Ärzten. Hinzu kämen bisweilen Zugriffsrechte für Spezialisten anderer Abteilungen, für die Klinikverwaltung sowie IT-Mitarbeiter. Weil die Computersysteme von den Software-Herstellern gewartet werden, könnten sogar Personen von außerhalb der Kliniken heikle Patienteninformationen lesen. Für krankenhausinterne IT-Akten gebe es keine gesetzlichen Vorgaben, beklagt Caspar - anders als bei der elektronischen Gesundheitskarte. Er dringt darauf, die Nutzung der Daten strikter zu regeln. So solle etwa nicht immer die ganze Abteilung Zugriff erhalten.

Im Büro des schleswig-holsteinischen Datenschutzbeauftragten sieht man die Sache gelassener. Entscheidend sei, dass der Zugriff auf die Abteilung beschränkt bleibe, sagt Experte Lukas Gundermann. Elektronische Datenakten hätten gegenüber Papierakten den Vorteil, dass jederzeit nachvollzogen werden könne, wer Einsicht in die Akte genommen habe.

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