Vermisstes Pflegekind : Fall Jeremie wird immer dubioser

Mit diesem Bild sucht die Polizei in Hamburg nach Jeremie. Der Junge bleibt vermisst.
Mit diesem Bild sucht die Polizei in Hamburg nach Jeremie. Der Junge bleibt vermisst.

Der elfjährige Jeremie bleibt vermisst. Ist er wirklich selbst 100 Kilometer mit dem Auto gefahren? Und warum kam er zum Zirkus "Monaco"?

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25. November 2012, 07:27 Uhr

Hamburg | Der elfjährige Ausreißer Jeremie aus Hamburg wurde vom Jugendamt in einem Wanderzirkus untergebracht - dabei hat offenbar auch eine Rolle gespielt, dass er aus einer Roma-Familie stammt. "Das war mit einer der Gründe", sagte eine Sprecherin des zuständigen Bezirksamts Hamburg-Mitte am Freitag. "Man muss schauen: was findet Akzeptanz?" Das gelte sowohl bei der Herkunftsfamilie als auch bei dem Jungen. "Bei der Konzeption dieser Maßnahme spielt das eine Rolle." Für das als schwierig geltende Kind habe das Jugendamt zudem keine andere Lösung gefunden: "Es ist nicht gelungen, eine andere Unterbringung zu finden." Jeremie wird seit Dienstagabend vermisst. Er soll mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern von Lübtheen in Mecklenburg-Vorpommern nach Hamburg gefahren sein.
Die Mutter und die Großeltern des Jungen erhoben unterdessen schwere Vorwürfe gegen das zuständige Jugendamt und die Zirkusfamilie. Die grüne Bürgerschaftsfraktion fordert, das Thema am 4. Dezember im Familienausschuss zu behandeln. "Dieser Fall wird immer dubioser", erklärte die kinder- und jugendpolitische Sprecherin Christiane Blömeke.

Jeremies Familie erhebt Vorwürfe

Jeremie soll mit dem Kleintransporter seiner Pflegeeltern 100 Kilometer nach Hamburg gefahren sein - allein. Der Chef des Bezirksamts Hamburg-Mitte, Andy Grote (SPD), bezweifelt allerdings, dass das Kind ohne Hilfe nach Hamburg gekommen sei. Alle Einstellungen am Transporter und der Kraftaufwand, der zum Lenken nötig sei, sprächen für einen erwachsenen Fahrer. Das Jugendamt Hamburg-Mitte hatte den Elfjährigen über einen Träger der Jugendhilfe in dem Wanderzirkus untergebracht.
Jeremies Mutter und seine Großeltern machen das Jugendamt, den Träger und die Zirkusfamilie für sein Verschwinden verantwortlich. "Er hat immer wieder weinend angerufen, ist geschlagen und ausgenutzt worden", sagte seine Mutter. "Er wollte nur zurück zu uns. Man hat ihn gezwungen, Diesel zu klauen und morgens um sechs Uhr die Ställe auszumisten. Schlafen muss er in einem unbeheizten Bauwagen." Die Großmutter sagte: "Wir wollten mit Jeremie Weihnachten feiern, aber das Amt hat das verboten." Die Unterbringung des Kindes in dem Wanderzirkus koste die Stadt Hamburg mehrere Tausend Euro monatlich, teilte die Grünen-Fraktion mit. "Eine pädagogische oder sozialpädagogische Ausbildung hatten die Betreuer der sogenannten Fachpflegestelle im Zirkus nicht." Auch die rechtliche Grundlage der Unterbringung sei fragwürdig und völlig unklar.

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