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Tod auf der Gorch Fock : Fall Jenny Böken: Die Vergebliche Suche nach der Wahrheit

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Immer neue Verfahren können den Tod von Jenny Böken nicht klären, meint Stephan Richter. Ein Kommentar.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2014 | 07:23 Uhr

Wieder ist ein Gerichtsverfahren gescheitert, mit dem die Eltern der 2008 an Bord der „Gorch Fock“ verunglückten Kadettin Jenny Böken die Wahrheit erzwingen wollten. Tatsächlich gibt es in Verbindung mit dem tragischen Tod der Sanitäts-Offiziersanwärterin etliche Ungereimtheiten. Aber alle juristisches Hebel – von Beschwerden gegen die Staatsanwaltschaft über Strafanzeigen gegen den Schiffsarzt und den Kommandanten des Segelschulschiffes bis zum Klageerzwingungsverfahren und der jetzigen Entschädigungsklage – haben keine Klarheit gebracht. Im Gegenteil. Die Verfahren heizen nur immer wieder von neuem die Spekulationen über die Todesumstände der jungen Frau an.

Bei aller Trauer sollten die Eltern von Jenny Böken akzeptieren, was jedem schwerfällt, der einen nahestehenden Menschen verliert, ohne dass die genauen Umstände des Todes aufgeklärt werden können. Die Staatsanwaltschaft Kiel hat ihre Ermittlungen auf 2000 Seiten dokumentiert, um zu der bitteren Erkenntnis zu gelangen: „Die Ursache für den Todesfall konnte nicht abschließend festgestellt werden.“ Kein Verfahren brachte Fakten zu Tage, die über diese Aussage hinausgehen.

Weder eine Entschädigung nach dem Soldatenversorgungsgesetz, die jetzt abgeschmettert wurde, noch andere Urteile helfen weiter, solange nicht neue Beweise auf den Tisch kommen. Genau dies ist aber offenkundig nicht der Fall. Sechs Jahre sind vergangen, seit Jenny Böken bei der Nachtwache ihr Leben ließ. Wenn das Aachener Verwaltungsgericht jetzt feststellt, dass dieser Dienst zwar gefährlich sei, aber die Wahrscheinlichkeit, bei diesem Einsatz zu sterben, gering, dann klingt dies gefühlslos. Doch genau diese kalte Rechtsprüfung ist Folge des verzweifelten Versuchs, Licht ins Dunkel zu bekommen.

Am Ende bleibt nur die Einsicht, dass die Ausbildung auf dem Segelschulschiff trotz aller Vorsichtsmaßnahmen, die die Marine zum Schutz von Leib und Leben der Besatzung zu treffen hat, Risiken mit sich bringt. Jenny Böken hat dies gewusst und dennoch – unterstützt von den Eltern – mit Vehemenz den Weg an Bord der „Gorch Fock“ gesucht. Auch das gehört zur Wahrheitsfindung.

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